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Hintergrund

ABC der schönsten Wörter

Von A wie Autorenfilm über H wie Holterdipolter bis Z wie Zugfahrt. Schöne Wörter gibt es viele, hier eine Auswahl von Mitarbeitern der Deutschen Welle.

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Über den Wolken: Himmelblau

Autorenfilm

Auch wenn das Wort inzwischen nicht mehr den besten Ruf hat, erinnert es doch an die schönste Zeit der Filmgeschichte: Die 1960er Jahre, als das Kino an vielen Orten noch einmal neu geboren wurde.

Jochen Kürten

Bauchpinseln

Weil es so schön bildhaft ist. Ich sehe da stets den hofierenden Pinselschwinger (übrigens auch ein schönes Wort!) vor mir - daneben ein dicker Bauch, den er bepinselt...

Petra Lambeck

Blümchenkaffee

So nennt man sehr "dünnen" Brühkaffee. Es ist ein soo schön altmodisches Wort. Der Kaffee verdient zwar kaum seinen Namen, aber: Wo gibt es in Zeiten der Latte Macchiatisierung überhaupt noch Filterkaffee? Und dann noch serviert in einer schönen Tasse, auf deren Grund zart eine Blume durchscheint?

Sabine Oelze

Frühlingserwachen

Weil es erstens zur Jahreszeit passt und zweitens Optimismus ausdrückt.

Gisela Teichmann

Gelassenheit

Wenn schon nicht die Gelassenheit selbst, so habe ich doch dieses Wort von meinem Vater geerbt. Für ihn war es, für mich ist es das schönste deutsche Wort, weil darin das Zulassen von sich und von anderen steckt, das Abstand- und nicht so schrecklich Ernstnehmen. Ein Appell an die größte Kraft, die es gibt: die Ruhe.

Ramón García-Ziemsen

Gleichzeitig

Ein Wort der gefährdeten Art, das wohlklingend und zugleich prägnant ausdrückt, wofür andere Sprachen mehrere Wörter brauchen. Leider wird es zunehmend vom zackigen "zeitgleich" verdrängt, das ursprünglich nur verwendet wurde, wenn zwei Sportler in aufeinanderfolgenden Rennen exakt gleich schnell waren.

Peter Stützle

Gratis

Ist das wirklich ein deutsches Wort? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Auf jeden Fall wird das Wort gerne in Deutschland gesprochen und verstanden, oft mit Wohlwollen. Gratis, aber nicht umsonst. Produktproben, gratis; Autobahn für PKW, gratis; Studium, gratis; sogar das Leben in der Erwerbslosigkeit ist gratis.

Ich frage mich: Lebe ich in der gegenwärtigen Bundesrepublik Deutschland oder schon im vom deutschen Universalgelehrten Karl Marx erfundenen Kommunismus im 22. Jahrtausend.

Jedes Ding hat seinen Preis.

Ohne die große Konsumnachfrage im Inland wären Gratis-Proben nicht möglich.

Ohne die Steuern und Abgaben auf Kraftstoffe wäre längst die Autobahnmaut für PKW fällig.

Ohne die zukunftsorientierte Weichenstellung, Deutschland zum Land der Ideen zu entwickeln, wäre das Gratis-Studium nicht über öffentliche Mittel finanzierbar.

Und ohne die eingezahlten Beiträge in die Sozialkassen wäre das Leben der Erwerbslosen eigentlich eine Katastrophe. So ist Deutschland nämlich: demokratisch, sozial und solidarisch.

Hao Gui

Himmelblau

Das Wort Himmel steht für grenzenlose Weite, für Freiheit. Und wenn er dann noch meine Lieblingsfarbe blau zeigt, dann ist das perfekt. Einfach nur an einem schönen Sommertag im Gras zu liegen und in den Himmel zu schauen, weitet das Denken, schickt die Gedanken auf ungeahnte Reisen.

Klaus Krämer

Heimat

Weil Heimat anders als Wohnort ein Gefühl der Geborgenheit, der Zugehörigkeit ausdrückt. Mir ist dieses Gefühl sehr wichtig, weil ich als Mensch mit Migrationshintergrund oft zwischen verschiedenen Welten pendele und keinen Halt habe.

Hajra Spanke

Holterdipolter

Weil das Wort hält, was es verspricht ...

Thomas Gräter

Hutablage

Ein Wort aus einer seit langem verflogenen Zeit, einer Zeit, in dem Herren - die es ja auch schon längst nicht mehr gibt - noch einen Hut trugen und selbigen vor Antritt einer Autofahrt auf der Ablage vor der Heckscheibe deponierten - dort also, wo der Platz zunehmend von anderen Kopfbedeckungen - wie Baseball-Kappe, vorzugsweise der New York Yankees - oder sonstigen Utensilien wie umhäkelter Klorolle oder Wackeldackel beansprucht wird.

Wim Abbink

Knuschlduschlmuschlpuschl

Kosename für ein männliches Tier, im Alter von 15 Jahren. Bezeichnet wird es als europäisch Kurzhaar, grau getigert. Im Impfpass steht der Name: Tiger. Das Besondere: Tigi tut gut.

Conny Paul

Maulaffen feilhalten

Dieser Ausdruck bedeutet untätig herumstehen und kommt aus der Märchenwelt. Wenn man seine Kinder an der Supermarktkasse derart zurechtweist, erntet man massenhaft wohlgefällige Blicke der älteren Generation...

Marion Wolff

Morgenrot und Sonnenuntergang

Morgenrot - weil ein mystischer Sonnenaufgang den Himmel verzaubert und einen schönen Tag verspricht, und Sonnenuntergang, weil es den gehenden (endenden) Tag und damit die abendliche Landschaft in ein abenteuerliches Feuerwerk an Farben taucht.

Petra Gerdes

Schmetterling

Die (französische) Zunge verfängt sich zuerst in der Ansammlung von Konsonanten, befreit sich aber am Ende - in der sanften Silbe "ling". Man denkt automatisch daran, wie die Raupe aus ihrer Puppe schlüpft. "Schmetterling" verbindet man natürlich auch mit "Frühling". Und da sind auch noch die berühmten Schmetterlinge im Bauch...

Carine Debrabandère

Vollkornbrötchen

Weil ich dabei mein rollendes "r" so vollwertig einsetzen kann, weil ich sie in Frankreich damals so vermisst habe und weil ich sie heute à la française am liebsten mag: Wenn nämlich meine Frau mir mal wieder zuruft: „Isch ’ole Wollkornbrötttschen“ und zum Bäcker entschwindet.

Berthold Stevens

Übergangsjacke

Weil sich für mich in diesem Wort Spießbürgertum und Pragmatismus die Hand reichen. Und weil wir alle in hiesigen Breiten - abgesehen von wenigen Sommer- und Wintertagen - ganzjährig Übergangsjacken tragen müssten (und es wohl auch tun). Last but not least: Das Wort weckt Kindheitserinnerungen!

Svenja Üing

Trockenbeerenauslese

Das ist die Bezeichnung für süße Weine aus rosinenartig eingetrockneten und edelfaulen Beeren. Bringt vor allem beim Riesling atemberaubende, komplexe (und teure) Weine hervor, die jahrzehntelang halten.

Martin Muno

Zugfahrt

Das klingt - wie ich finde - ziemlich Deutsch, sieht geschrieben interessant aus und impliziert in seiner Bedeutung für mich "Aufbruch" und "neue Erfahrungen". Zugleich ist eine Zugfahrt so was wie eine Pause vom Alltag - ein langgezogener Moment zwischen Aufbruch und Ankommen, eine Phase der Selbstbesinnung abseits der täglichen Hektik.

Ralf Bosen