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Nahost

Abbas zwischen den Fronten

Nach dem Tod von Jassir Arafat sollen die Palästinenser im Januar 2005 einen neuen Präsidenten wählen. Die Fatah-Organisation schickt PLO-Chef Mahmud Abbas ins Rennen, seine Kandidatur stößt jedoch auf Widerstand.

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Der PLO-Chef will Palästinenser-Präsident werden

Drei Tage nach dem Tod des palästinensischen Präsidenten Jassir Arafat hat es am Sonntag (14.11.2004) einen ersten Hinweis für einen möglicherweise bevorstehenden blutigen Machtkampf unter den Palästinensern gegeben: Nach dem Eintreffen des neuen Vorsitzenden der palästinensischen Befreiungsorganisation PLO, Mahmud Abbas, zu einer Trauerfeier in Gaza stürmten bewaffnete Männer in das Zelt und eröffneten aus ihren Sturmgewehren das Feuer. Nach Krankenhausangaben wurden zwei Wachleute getötet und sechs weitere Personen verwundet.

Abbas, der von Leibwächtern in Sicherheit gebracht wurde, spielte den Zwischenfall später herunter: "Als sich eine große Menge zum Kondolieren versammelte, wurden einige willkürliche Schüsse abgefeuert, aber nicht in meine Richtung", sagte er.

"Agenten der Amerikaner"

Auf Filmaufnahmen der Fernsehnachrichtenagentur APTN war hingegen zu sehen, wie rund 20 bewaffnete Männer das Trauerzelt betraten, in dem sich Abbas und der in Gaza einflussreiche Politiker Mohammed Dahlan mit anderen Spitzenfunktionären zum Gedenken an Arafat versammelten. Die Männer riefen "Abbas und Dahlan sind Agenten der Amerikaner", anschließend waren Schüsse zu hören.

Vor dem Zwischenfall in Gaza hatte die um eine schnelle politische Neuordnung bemühte palästinensische Führung die Präsidentenwahl für den 9. Januar 2005 angekündigt. Alle technischen Vorbereitungen wie die Registrierung der Wähler seien bereits abgeschlossen, sagte der stellvertretende Vorsitzende des Wahlausschusses, Ammar Dweik.

Die palästinensischen Politiker haben die internationale Gemeinschaft gebeten, auf Israel einzuwirken, damit der Ablauf der Wahl nicht durch Straßensperren oder andere Einschränkungen behindert wird.

"Kronprinz"

Abbas und Bush

Mahmud Abbas ist als Verhandlungspartner international angesehen

Ungeachtet der angespannten Lage favorisieren die Führung der Fatah-Organisation sowie die PLO bislang den früheren Ministerpräsidenten und neuen PLO-Chef Abbas als Arafat-Nachfolger. Nach US-Medienberichten ist der unter Arafat gescheiterte Ministerpräsident Abbas auch der heimliche Kronprinz von US-Präsident George W. Bush.

Offiziell will die Bush-Regierung jedoch keinen Kandidaten favorisieren, weil das den Bewerber in den Augen der Palästinenser völlig diskreditieren könnte.

Abbas' Ernennung zum Präsidentschaftskandidaten der Fatah ließ die Chancen des in Israel inhaftierten Fatah-Führers für das Westjordanland, Marwan Barghuti, auf eine Kandidatur indes sinken. Noch am Samstag (13.11.) hatte seine Frau Fatwa gesagt, der 45-Jährige erwäge seine Kandidatur.

Barghuti gilt als Wunschkandidat vieler Palästinenser für das Präsidentenamt, er genießt größere Popularität als die alte Garde der PLO-Spitze um Abbas und Ministerpräsident Ahmed Kureia.

Doktortitel in Moskau

Der ehemalige palästinensische Ministerpräsident und neue PLO-Chef Abbas zählt zur so genannten alten Garde der Palästinenserführung. Der 1935 im heute israelischen Safed geborene "Abu Masen", so sein Fatah-Deckname, studierte in Kairo und Moskau. An der Universität Moskau promovierte Abbas darüber hinaus im Fach "Israelische Politik".

Abbas unterstützte den Prozess und die Friedensabkommen von Oslo und ist einer der wenigen heute noch lebenden Gründerväter der Fatah-Bewegung. Er ist international angesehen und verfügt zudem über gute Kontakte zu zahlreichen Führern in der arabischen Welt.

Die Friedensverhandlungen mit Israel hat er maßgeblich unterstützt und sich für ein Ende der Gewalt ausgesprochen. Über der Frage der Kontrolle der Sicherheitsdienste überwarf er sich allerdings einst mit Arafat und trat damals als Regierungschef zurück. (iu)

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