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Politik

Abbas will Al-Aksa-Unterstützung

Er gilt als der aussichtsreichste Kandidat der Arafat-Nachfolge: PLO-Chef Mahmud Abbas. Kurz vor den Wahlen hat sich Abbas mit dem Anführer der Al-Aksa-Brigaden getroffen - dem meistgesuchten Mann Israels.

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Helfen ihm die Extremisten? Abbas auf einem Wahlplakat (rechts)

Am 9. Januar findet in den Palästinensergebieten die Präsidentenwahl statt. Politische Beobachter gehen davon aus, dass Mahmud Abbas sich auch um die Unterstützung der Extremisten-Gruppen bemüht: Bereits in der vergangenen Woche hat Abbas den Anführer der Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden, Sakaria Subeidi, in Dschenin getroffen und ihn aufgefordert, sich in die palästinensische Politik einzubringen.

Macht aus dem Untergrund

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Sakaria Subeidi steht ganz oben auf den israelischen Fahndungslisten. Er ist der meistgesuchte militante Palästinenser. Der 29-Jährige ist der Anführer der Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden in Dschenin, einer Stadt im nördlichen Westjordanland. Subeidi ist jung und charismatisch und lebt aus Angst vor einem israelischen Anschlag seit Monaten im Untergrund. Zwei seiner Kampfgenossen wurden von der israelischen Armee in den letzten Wochen getötet, sein Bruder vor wenigen Tagen festgenommen. Subeidi selbst konnte den Soldaten bislang entkommen. Er regiert seine Truppen aus dem Untergrund und er bestimmt, was im Flüchtlingslager Dschenin geschieht.

Rückhalt für Abbas

"Tretet zurück, stellt euch ordentlich hin." Subeidi kommandiert die palästinensischen Polizisten herum, die sich aufgestellt haben, um den Präsidentschaftskandidaten Mahmud Abbas zu empfangen. Er hat hier das Sagen, der junge Mann mit dem vom Schießpulver schwarzem Gesicht. Ein vorzeitig explodierter Sprengsatz soll diese Spuren hinterlassen haben. Demonstrativ stellt sich Subeidi hinter den Präsidentschaftskandidaten der Fatah-Bewegung, Mahmud Abbas, genannt Abu Masen: "Ich gehöre zu den Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden der Fatah-Bewegung und ich stehe natürlich hinter Mahmud Abbas. Er ist der einzige Kandidat unserer Bewegung."

Umstrittene Entwaffnung

Was aber hält er von Abbas' öffentlichem Bekenntnis zur Gewaltlosigkeit? Subeidi, der nie ohne ein Sturmgewehr und eine Pistole anzutreffen ist, lächelt kühl. Wenn Mahmud Abbas die Waffen niederlegen will, dann muss er dafür im Gegenzug von den Israelis etwas einfordern, sagt er: "Das sollte nicht jetzt diskutiert werden. Das ist ein Thema, über das wir später sprechen sollten und unter uns. Aber wenn Abu Masen (Mahmud Abbas) die Waffen niederlegen will, dann sollte es dafür ein politisches Programm geben. Wir sollten dann auch Zusagen von der anderen Seite bekommen."

Bezeichnender Bruderkuss

Als Mahmud Abbas im Flüchtlingslager Dschenin aus seinem gepanzerten Mercedes steigt, wird er von Sakaria Subeidi mit dem traditionellen Bruderkuss begrüßt. Für alle Beobachter ist klar, was das heißt. Die mächtigen Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden von Dschenin unterstützen ihn im Rennen um das Amt des Präsidenten der palästinensischen Autonomie-Behörde. Auf Hebräisch ruft Subeidi diese Botschaft auch einem Reporter des israelischen Fernsehens zu: "Die Mehrheit unterstützt Abu Masen. Und wir, die Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden, sind mit ihm. Wir verschaffen dem ganzen Volk Sicherheit. Abu Masen ist einer aus dem Volk."

Auf Schritt und Tritt begleiten die bewaffneten jungen Männer, die Subeidi kommandiert, den Präsidentschaftskandidaten auf seinem Weg durch Dschenin. Mahmud Abbas revanchiert sich umgehend. Die Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden seien keine Kriminellen und Mörder, sagt er: "Das sind Leute, die für ihr Volk und für ein Leben in Würde kämpfen. Wenn sie das nicht bekommen, was erwartet ihr dann von ihnen?"

Beifall für Subeidi

Doch Abbas weiß, dass er nach seiner Wahl das Gewalt-Monopol der Autonomie-Behörde wieder herstellen muss. Die Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden müssen dann entweder ihre Waffen abgeben oder sich in den Polizei-Apparat integrieren lassen. Aus diesem Grund fordert Abbas ihren Anführer auf, in die Politik zu gehen. Zumindest in Dschenin könnte Subeidi auf viel Zustimmung zählen. Denn er ist es, dem die Menschen in Dschenin zujubeln, während er den Präsidentschaftskandidaten durch das Flüchtlingslager begleitet.

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