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Politik

"Abbas muss jetzt kämpfen"

Beim ersten Selbstmordanschlag in Israel seit mehr als vier Monaten sind zwei Israelis und der Attentäter getötet und fast 90 Menschen verletzt wurden. Am Rückzug aus dem Gaza-Streifen soll sich aber nichts ändern.

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Der Ort des Anschlags

Ahmed Abu Khalil, der 18-jährige Selbstmordattentäter von Netanjah, kam aus einem Dorf bei der palästinensischen Stadt Tulkarm, das von der israelischen Armee kontrolliert wird. Doch weder der israelische Schutzwall noch die Straßensperren konnten den Attentäter aufhalten, der sich am Dienstagabend (12.7.) in dem israelischen Badeort nördlich von Tel Aviv in die Luft sprengte. Zwei israelische Frauen wurden bei dem Anschlag getötet, fast 90 Personen wurden verletzt.

"Immer angekündigt"

Die radikal-islamische Organisation Islamischer Dschihad übernahm die Verantwortung für den Anschlag. Ein Sprecher präsentierte sich vermummt und martialisch bewaffnet den Fernseh-Kameras. Das Attentat sei eine Reaktion auf den beschleunigten Bau der israelischen Mauer im Großraum Jerusalem, durch den zahlreiche palästinensische Dörfer von ihrem Hinterland abgeschnitten werden, sagte er.

Selbstmordanschlag in Israel Machmud Abbas

Machmud Abbas

Der Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde Mahmoud Abbas, verurteilte den Anschlag. Er sei ein Verbrechen, auch gegen das palästinensische Volk, erklärte er in Ramallah: "Diese Sache verletzt den geplanten Abzug, der in Gaza beginnen und im Westjordanland enden wird. Es gibt keine Zweifel, dass die Leute, die diese törichte Tat vollbracht haben, dafür bestraft werden müssen."

Fahrer an das Lenkrad gefesselt

Kurz vor dem Anschlag von Netanjah war in einer israelischen Siedlung im Westjordanland ein Auto explodiert. Dabei wurde der palästinensische Fahrer verletzt. Das Auto war mit Gaskanistern und Sprengstoff beladen und sollte offenbar ein Blutbad anrichten. Die Bombe explodierte aber offenbar vorzeitig. Auch für dieses versuchte Attentat übernahm der islamische Dschihad die Verantwortung. Die israelische Polizei teilte mit, der Fahrer habe sich nicht freiwillig für das Selbstmordattentat bereit gefunden. Er sei an das Lenkrad gefesselt und das Gaspedal mit einem Stein beschwert gewesen.

Ehud Olmert

Ehud Olmert

Kurz nach dem Anschlag traf Israels Ministerpräsident Ariel Scharon mit Verteidigungsminister Schaul Mofas zu Beratungen zusammen. Scharon hatte wiederholt erklärt, dass der geplante Rückzug aus dem Gaza-Streifen nicht unter Feuer stattfinden werde. Das Attentat von Netanjah wird aber an dem Zeitplan offenbar nichts ändern. Der stellvertretende israelische Regierungschef, Industrieminister Ehud Olmert, sagte im israelischen Fernsehen der Rückzug werde wie geplant stattfinden. "Ich neige dazu, Mahmoud Abbas zu glauben, dass es ihm wirklich leid tut und dass er diesen Terror nicht will", sagte er. "Aber ich erwarte von ihm, dass er Mut beweist und die Terroristen bekämpft. Er kann nicht nur darüber reden, er muss kämpfen. Wenn er das nicht tut, dann werden wir das tun."

Das Attentat war der erste Terroranschlag in Israel seit fünf Monaten. Am 25. Februar sprengte sich ein Attentäter in einem Nachtclub in Tel Aviv in die Luft und riss dabei sechs Menschen mit sich in den Tod. Nur drei Wochen zuvor hatten sich Scharon und Abbas auf eine Waffenruhe geeinigt.

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