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Top-Thema – Podcast

Ab wann ist der Mensch ein Mensch?

Kinder, die tot zur Welt kommen und weniger als 500 Gramm wiegen, gelten in Deutschland nicht als Personen. So sieht es das deutsche Gesetz. Betroffene Eltern haben um eine Gesetzesänderung gekämpft.‎

Barbara und Mario Martin sind Eltern. Doch ihre Kinder Joseph-Lennard und die Zwillinge Tamino und Penelope sind tot. Alle drei kamen viel zu früh zur Welt. Der Vater erzählt: „Wir haben uns gefragt, warum Gott so etwas zulässt. Was unsere Trauer allerdings verschlimmerte, waren die deutschen Gesetze“, so Martin. Denn ins Stammbuch der Familie hat es nur die kleine Penelope geschafft, weil ihr Herz nach der Geburt schlug und sie die entscheidenden 500 Gramm auf die Waage brachte.

Die beiden Söhne der Martins sind nach deutschem Recht keine Personen. Denn Kinder, die nicht lebend geboren werden und bei der Geburt weniger als 500 Gramm wiegen, gelten hierzulande bisher als Fehlgeburt und es gibt keine offiziellen Dokumente über sie.

Normalerweise haben diese so genannten Sternenkinder auch kein Recht auf eine Beerdigung auf einem Friedhof. Mario Martin ist darüber empört: „Da wird so getan, als wäre es Klinikmüll“, sagt der betroffene Vater. In manchen Orten gibt es wenigstens Sammelbestattungen für die Sternenkinder. Aber viele Eltern wünschten sich ein eigenes Grab: „Für uns ist es wichtig, einen Ort zum Trauern zu haben“, so Barbara Martin.

Das Paar machte es sich deshalb zur Aufgabe, das deutsche Personenstandsrecht zu ändern. Sie diskutierten mit Juristen, Ärzten und Politikern, sammelten über 40.000 Unterschriften und reichten eine Petition beim Bundestag ein. Darin wurde gefordert, dass alle tot geborenen Kinder als Personen anerkannt und bestattet werden können, wenn die Eltern es wünschen. Im November 2012 entscheidet der Bundestag über eine entsprechende Gesetzesänderung, was für die Martins und für viele andere betroffene Eltern ein großer Erfolg ist.

Glossar

zur Welt kommen – geboren werden

als etwas gelten – so bewertet werden

etwas so sehen – hier: etwas so beurteilen

von etwas betroffen sein – hier: in einer bestimmten Situation sein

etwas zu|lassen – etwas erlauben

Trauer (nur Sgl.) (f.) – der Schmerz; die Traurigkeit darüber, das jemand gestorben ist

Stammbuch, Stammbücher (n.) – (auch Familienstammbuch) ein Buch, das wichtige Dokumente einer Familie (über Geburt und Herkunft, Hochzeit, Geburt der Kinder, Tod …) enthält

schlagen; das Herz schlägt – das Herz arbeitet; das Herz funktioniert

auf die Waage bringen – umgangssprachlich für: wiegen

hierzulande – in diesem Land; das Land, in dem man sich gerade befindet

Fehlgeburt, -en (f.) – ein Embryo, der so früh geboren wird, dass er nicht leben kann

Beerdigung, -en (f.) – die Zeremonie auf dem Friedhof beim Tod eines Menschen

empört sein – wütend sein

so tun, als ob – sich so verhalten, als ob

Sammelbestattung, -en (f.) – die Beerdigung mehrerer Personen in einem Grab

sich etwas zur Aufgabe machen – sich etwas vornehmen; etwas planen

Personenstandsrecht (nur Sgl.) (n.) – das deutsche Gesetz, das familiäre Ereignisse wie Hochzeit/Partnerschaft, Geburt, Tod offiziell regelt

etwas ein|reichen – etwas abgeben

Petition, -en (f.) – hier: ein Schreiben an die Regierung mit der Bitte um Änderung eines Gesetzes, das viele Menschen durch ihre Unterschrift unterstützen

Bundestag (nur Sgl.) (m.) – das deutsche Parlament


Fragen zum Text

1. Nach dem deutschen Gesetz hat die Familie Martin …

a) drei Kinder.
b) ein Kind.
c) kein Kind.

2. Was stimmt nicht? In Deutschland gibt es über ein Kind nur dann offizielle Dokumente, wenn …
a) es lebend geboren wird.
b) es lebend zur Welt kommt ist oder tot geboren wurde und über 500 Gramm wiegt.
c) es ein Gewicht von 500 Gramm hat.

3. Die Gesetzesänderung soll bewirken, dass …
a) eine geringere Gewichtsgrenze darüber entscheidet, ob ein Mensch als Person anerkannt wird.
b) alle Eltern ihre totgeborenen Kinder bestatten können, wenn sie den Wunsch haben.
c) dass es Sammelbestattungen für alle Sternenkinder gibt.

4. Wie heißt der Satz im Infinitiv mit zu richtig? „Sternenkinder haben kein Recht auf eine Beerdigung.“ Sternenkinder haben kein Recht darauf, …
a) zu beerdigt werden.
b) beerdigt zu werden.
c) bezuerdigt werden.

5. Wie heißt der Satz im Infinitiv mit zu richtig? „Das Ehepaar schrieb eine Petition, weil es eine Änderung des Gesetzes erreichen wollte.“ Das Ehepaar schrieb eine Petition, um eine Änderung des Gesetzes …
a) zu reichen.
b) erzureichen.
c) zu erreichen.


Arbeitsauftrag
Wie sind die Regelungen in eurem Land, wenn ein Kind tot geboren wird? Können es die Eltern beerdigen? Oder gibt es eine gesetzliche Regelung, ab wann ein totes Baby in den Dokumenten einer Familie offiziell erwähnt wird und auch beerdigt werden darf? Vergleicht die Gesetze mit den deutschen Bestimmungen? Wie ist eure Meinung dazu? Diskutiert im Kurs.


Autoren: Monika Dittrich /Bettina Schwieger
Redaktion: Raphaela Häuser

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