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Wirtschaft

Ab 2011: Sauberer fliegen und mehr bezahlen in Europa

Die EU-Kommission will die Luftfahrt in den Emissionshandel einbeziehen. Weil immer mehr Menschen mit dem Flugzeug reisen, steigt auch der Ausstoß an klimaschädlichen Gasen – obwohl die Flugzeuge immer sparsamer werden.

Ein Flugzeug kurz nach dem Start.

Der Luftverkehr hebt ab - zum Emissionshandel?

Die EU-Kommission will im Kampf gegen den Klimawandel auch die Luftfahrt zu einem geringeren Ausstoß von Treibhausgasen zwingen. EU-Umweltkommissar Stavros Dimas stellte am Mittwoch (20.12.06) in Brüssel entsprechende Pläne vor und sagte, es sei nur fair, wenn die Luftfahrt wie andere Branchen auch zum Kampf gegen die Erderwärmung verpflichtet werde. Airlines sollen demnach von 2011 an für Flüge in der EU in den Handel mit Verschmutzungsrechten einbezogen werden. Das System soll von 2012 an für alle Flüge gelten. Deutsche Fluggesellschaften und der Bundesverband der Deutschen Industrie kritisierten das Vorhaben.

EU-Kommissar Stavros Dimas vor dem Rednerpult in Brüssel (AP Photo)

EU-Kommissar Stavros Dimas

Die Airlines sollen nach den in Brüssel beschlossenen Vorschlägen nur noch eine begrenzte Menge des Treibhausgases Kohlendioxid in die Erdatmosphäre abstoßen dürfen. Produzieren sie mehr Kohlendioxid, müssen sie dazu erforderliche Rechte im Emissionshandel erwerben. Produzieren sie weniger Kohlendioxid, zum Beispiel durch den Einsatz fortschrittlicher Technologien, könnten sie die frei werdenden Rechte mit Gewinn verkaufen.

Widerstand der USA

Die geplanten Richtlinien sollen helfen, die Klimaschutzverpflichtungen der EU im Rahmen des Kyoto-Protokolls zu erfüllen. Der Starttermin 2011 für das EU-Gesetz soll zunächst nur für innereuropäische Flüge gelten. Von 2012 an wären auch Flüge in und aus Drittstaaten betroffen, die in der EU starten oder landen. Damit würden dann auch Nicht-EU-Fluglinien in das System einbezogen.

Die USA haben sich skeptisch zum Vorstoß der EU-Kommission geäußert, den Luftverkehr in den Kampf gegen den Klimawandel einzubeziehen. Müssten ausländische Fluggesellschaften ohne ihr Einverständnis mitmachen, könnte dies internationales Luftfahrtrecht verletzen, sagte ein Sprecher der US-Vertretung bei der Europäischen Union. Dies würde den Bemühungen zur Eindämmung von Treibhausgasen eher schaden, als sie voranzubringen.

Betanken eines Flugzeuges (AP Photo)

Flugzeuge tanken Kerosin - steuerfrei (AP Photo)

Wenn die Fluglinien die Kosten für die Emissionszertifikate komplett an die Kunden weitergeben würden, schätzt die Kommission bis 2020 mit einer Preissteigerung von 1,80 Euro bis 9 Euro auf Kurz-Strecken. Der Luftverkehr ist in der EU für etwa drei Prozent des Gesamt-Schadstoffausstoßes verantwortlich. Mit ihren Plänen will die Kommission EU-weit bis 2020 jährlich 183 Millionen Tonnen Kohlendioxid einsparen. Die Kommission erläuterte, dass ein Reisender auf die Strecke London – New York – London so viele Abgase wie ein EU-Durchschnittsbürger erzeuge, der ein Jahr lang sein Haus heize.

Kohlendioxid contra Klimaschutz

Hintergrund der Brüsseler Pläne ist die starke Zunahme des Flugverkehrs und damit des Kohlendioxid-Ausstoßes in die Atmosphäre. Nach Angaben der EU-Kommission ist der Schadstoffausstoß im Luftverkehr seit 1990 um rund 90 Prozent gestiegen. EU-Kommissar Dimas mahnte, wenn diese Entwicklung anhalte, würden die Erfolge der EU beim Klimaschutz durch die Fliegerei zum Teil wieder zunichte gemacht.

Führende deutsche Fluggesellschaften kritisierten den Vorschlag der Kommission. Die Vorschläge hätten geringe Auswirkungen für den Umweltschutz und brächten Europas Luftfahrtindustrie Nachteile im weltweiten Wettbewerb, teilte die Deutsche Lufthansa mit. Auch Air Berlin kritisierte die Insel-Lösung der EU. BDI-Präsident Jürgen Thumann nannte das EU-Vorhaben einen falschen Weg. Es benachteilige einheimische Fluggesellschaften im weltweiten Wettbewerb. (lem)

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