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Deutschland

Aachener Friedenspreis: Auszeichnung für zivilen Ungehorsam

Der Aachener Friedenspreis geht an eine italienische Initiative und an ein deutsches Jugendnetzwerk - zwei Initiativen, die sich aus Sicht der Stifter beispielgebend für Abrüstung und eine friedliche Welt einsetzen.

Verständigung der Völker und der Menschen untereinander - und zwar von ganz unten. Darum geht es den Stiftern des Aachener Friedenspreises. Hoch dotiert ist er nicht, die Ausgezeichneten werden mit jeweils 1000 Euro bedacht. Aber der Preis hat Renommee. Seit 1988 wird er am 1. September verliehen, dem Antikriegstag.

In diesem Jahr werden die sizilianische Friedensinitiative "No MUOS" und das Jugendnetzwerk JunepA gewürdigt. "Wir ehren zwei Organisationen, die sich mit Mitteln des zivilen Ungehorsams unter anderem für eine friedliche Welt, die Abschaffung von Waffen und ein solidarisches Miteinander engagieren", so Tina Terschmitten vom Vorstand des Friedenspreis-Vereins. Laudator bei der Verleihung in der Aachener Aula Carolina war der Kabarettist Urban Priol. Er nannte die Preisträger "wirkmächtige Davids der europäischen Gesellschaft, die Zivilcourage und zivilen Ungehorsam gegen die Goliaths dieser Welt leben".

US-Militäranlage als Bedrohung des Weltfriedens

So setzt sich die Friedensinitiative "No MUOS" für eine Entmilitarisierung Siziliens ein. Konkret geht es ihren Mitgliedern um die Radar- und Sendeanlagen auf einem US-Militärstützpunkt auf der italienischen Mittelmeerinsel.

No-MUOS-Demonstranten bei der US-Basis in Niscemi 2014 (picture-alliance/Pacific Press Agency/A. Melita)

No-MUOS-Protest auf Sizilien (2014): "Kampf gegen Militarisierung des Mittelmeeres"

Das Satellitenkommunikations-System "Mobile User Objective System" (MUOS) mit seinen Überwachungs- und Aufklärungstechnologien bedrohe den Weltfrieden, die Umwelt und die Gesundheit der einheimischen Bevölkerung, so die Initiative. "No MUOS" kämpfe dagegen, so die Jury des Aachener Friedenspreises, "Sizilien als Vorposten einer Militarisierung des Mittelmeeres auszubauen".

Besetzungen, Blockaden und Banner

Das deutsche Jugendnetzwerk für Politische Aktion (JunepA) engagiert sich gegen Atomwaffen und Rüstungsexporte, aber auch gegen den Freihandel und für den Klimaschutz. Regionalgruppen gibt es in Berlin, Lüneburg, Göttingen und im Rhein-Main-Gebiet.

Deutschland Berlin - Siegessäule als Protestplattform (picture-alliance/dpa/P. Zinken)

JunepA-Aktion in Berlin (2015): "Kreative Formen des zivilen Ungehorsams"

JunepA sei mit "kreativen Formen des zivilen Ungehorsams immer dort, wo es brennt und wo es den Finger in die Wunden der heutigen Zeit zu legen gilt", so die Begründung der Jury. Die Gruppe beteiligte sich an Blockadeaktionen am Atomwaffenstützpunkt Büchel. Zudem besetzte sie im März 2015 den Truppenübungsplatz Altmark, organisierte Blockaden des G7-Gipfels in Bayern und der Brennelementefabrik Lingen und hisste anlässlich des Pariser Klimagipfels ein Banner an der Siegessäule in Berlin. "Kilmagerechtigkeit sofort" - "Climat Justice Now" war dort im Dezember 2015 in Riesenlettern zu lesen.

Preisvergabe durch Verein

Die Auszeichnung wird von rund 50 kirchlichen, politischen, gewerkschaftlichen und gesellschaftlichen Gruppen sowie von etwa 350 Einzelpersonen getragen, die im Verein "Aachener Friedenspreis" zusammengeschlossen sind.

Erste Preisträger waren 1988 die evangelischen Pfarrer Werner Sanß und Jutta Dahl, die mit Sitzblockaden vor NATO-Stützpunkten gegen die sogenannte Nachrüstung protestierten. Auch Pro Asyl, die Petersburger Soldatenmütter, die türkische Menschenrechtsanwältin Eren Keskin und Brecht-Tochter Hanne Hiob gehören zu den Geehrten. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an türkische Wissenschaftler, die wegen ihres Engagements für ein Ende des Militäreinsatzes in den Kurdengebieten verfolgt werden.

AR/qu (AFP, dpa, epd, KNA, Aachener Friedenspreis e.V.)

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