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Deutschland

A400M: Pleiten, Pech und Pannen

Beim "Tag der Bundeswehr" ist der A400M ein Hingucker. Doch der imposante Militärtransporter macht der Bundeswehr viel Ärger. Wegen Problemen mit den Triebwerken bleibt er überwiegend am Boden.

Er fliegt schnell, er fliegt weit und er kann viel Ladung aufnehmen - der Militärtransporter A400M. Er ist also genau das, was die Bundeswehr für ihre zahlreichen Auslandseinsätze braucht. Im Vergleich zur betagten Transall ist der A400M ein Hightech-Riese: Er bietet 116 voll ausgerüsteten Infanteristen Platz, hat eine Küche und Toiletten. Alternativ kann er mit 37 Tonnen Ausrüstung beladen werden. Ein Schützenpanzer Puma oder ein Transporthubschrauber NH90 passen problemlos hinein. Verständlich, dass die Bundeswehr lange sehnsüchtig auf den A400M gewartet hat. Stückpreis: 170 Millionen Euro.

Mehrjährige Verspätung

Kurz vor Weihnachten 2014 knallten die Sektkorken beim Lufttransportgeschwader im niedersächsischen Wunstorf: Der erste A400M kam aus Sevilla angeschwebt, wo er vom europäischen Flugzeugbauer Airbus gefertigt worden war. Er kam mit mehrjähriger Verspätung, aber er kam. Und beeindruckte mit seiner schieren Größe und den vier leistungsstarken Turboprop-Triebwerken mit jeweils 11.000 PS. "Eine neue Ära bricht an", jubelte die Luftwaffe. Nun könne die Bundeswehr endlich Aufgaben angehen, die mit der fast 50 Jahre alten C-160 Transall nicht zu schaffen seien.

Blick von der Heckklappe in den Laderaum des A400M, Foto: picture-alliance/dpa/S. Gollnow

Der A400M kann bis zu 37 Tonnen Ladung aufnehmen - mehr als doppelt so viel wie der Vorgänger Transall

Probleme mit den Triebwerken

Obwohl die Bundeswehr inzwischen über vier A400M verfügt, ist die Jubelstimmung einer leichten Depression gewichen: Der Riesen-Transporter macht Riesen-Probleme, vor allem bei den Triebwerken. Einzelne Bauteile verschleißen nach kurzer Nutzung. Nach je 20 Flugstunden ist eine Inspektion der Triebwerke fällig. Bei der Bundeswehr ist derzeit nur eine der vier Maschinen regelmäßig im Einsatz.

Airbus-Chef Tom Enders gibt sich zerknirscht: Es sei ein großer Fehler gewesen, den Bau der Triebwerke einem unerfahrenen Konsortium zu überlassen. Es ist kein Geheimnis, dass es bei den Fertigungsaufträgen für die einzelnen Komponenten auch darum ging, Arbeitsplätze in den beteiligten Ländern zu schaffen - darunter Deutschland, Frankreich und Spanien. Insgesamt haben sieben europäische Nato-Staaten den A400M bestellt. Auf einen verbindlichen Lieferplan können sie nicht mehr bauen.

Eine lange Serie von Pannen

Die Bundeswehr soll in diesem Jahr noch weitere vier bis sechs Maschinen bekommen - ganz genau lässt sich das nicht vorhersagen. Zumal nicht nur die Triebwerke Mängel aufweisen. Unlängst sind bei einzelnen Maschinen Risse im Rumpf festgestellt worden. Die Ursache: mangelhaftes Material.

Im Mai 2015 stürzte ein A400M in Sevilla ab, nachdem drei der vier Triebwerke ausgefallen waren. Ursache war angeblich ein Fehler in der Software, die die Triebwerke steuert. Vier der sechs spanischen Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.

Schon in der langen Entwicklungsphase des Großflugzeugs gab es zahlreiche Rückschläge. Der Airbus-Konzern hatte die technologischen Herausforderungen unterschätzt, die Kosten liefen aus dem Ruder. 2010 wurde der Abbruch des Projekts nur dadurch verhindert, dass die Besteller-Nationen zusätzliches Geld locker machten und gleichzeitig geringere Stückzahlen akzeptierten - bei deutlich späterer Lieferung.

Der A400M in der Luft, Foto: dpa

Jedes der vier Turboprop-Triebwerke erzeugt eine Schubkraft von 11.000 PS - wenn es denn fehlerfrei läuft

Wird der Selbstschutz funktionieren?

Deutschland hatte ursprünglich 73 Maschinen bestellt und ging auf 53 Stück herunter, von denen 13 weiterverkauft werden sollen. Bleiben noch 40 für die Bundeswehr. Ob diese 40 Flugzeuge jemals das tun werden, wofür sie gebraucht werden, ist nicht sicher. Denn die bisher gelieferten A400M können im Idealfall zwar fliegen, sind aber noch nicht mit dem militärisch notwendigen Selbstschutz ausgestattet.

Ein 45 Meter langes Flugzeug ist leicht anzugreifen und muss daher mit Abwehrsystemen ausrüstet werden. Das können zum Beispiel Täuschkörper sein, die gegnerische Lenkwaffen von der Maschine wegleiten. In der zweiten Jahreshälfte bekommt die Bundeswehr den ersten "taktischen" A400M mit Selbstschutzsystem. Diesen wird sie dann auf Herz und Nieren prüfen - Ergebnis offen. "Ein Scheitern des A400M ist bis heute nicht ausgeschlossen", schreibt das verteidigungspolitische Fachmagazin "loyal" in seiner Mai-Ausgabe.

Ein Plan B für den Lufttransport

Angesichts immer neuer Hiobsbotschaften wächst im Berliner Verteidigungsministerium die Sorge vor Engpässen beim Lufttransport - schließlich ist die Bundeswehr von Afghanistan bis Afrika im Einsatz. Eigentlich hatte man sich das Prozedere so vorgestellt: Der A400M sollte den Lufttransport schrittweise übernehmen, die Transall bis 2018 außer Dienst gestellt werden. Das wird nun nicht klappen - einige Transall-Maschinen müssen bis 2021 weiterfliegen.

Das ist in etwa so, als ob ein modernes Unternehmen seine Korrespondenz noch auf der Schreibmaschine erledigen müsste - anstrengend und auch etwas peinlich. Die 59 Piloten, die bereits für den A400M ausgebildet wurden, müssen im Simulator weiterüben oder die Wartezeit bei der Flugbereitschaft der Luftwaffe überbrücken.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen vor einem A400M, Foto: dpa

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) verlangt von Airbus Schadensersatz für die Verzögerungen

Die Transall darf noch nicht ins Museum

Mit Engpässen beim Lufttransport rechnet das Ministerium in den Jahren 2018 und 2019, wenn die Zahl der tauglichen Transall-Maschinen bereits gesunken ist. Zur Überbrückung will die Bundeswehr Flugstunden bei Nato-Verbündeten mieten, das Europäische Lufttransportkommando bemühen oder Verträge mit gewerblichen Anbietern abschließen. Schon jetzt wird der überwiegende Teil der militärischen Lufttransporte von zivilen Anbietern übernommen. Aber das kostet natürlich Geld.

Wenn die Transall ausrangiert wird, entsteht eine weitere Lücke, die der A400M nicht füllen kann: Er ist zu groß, um auf kleinen Flugplätzen zu landen. Für Auslandseinsätze, etwa in Afrika, ist das durchaus eine wichtige Fähigkeit. Wie dieser Engpass überbrückt werden soll, ist noch nicht klar.

Airbus soll Schadensersatz zahlen

Noch hält das Verteidigungsministerium am A400M fest - und betreibt gleichzeitig Krisenmanagement. Die vom Ministerium benannten Lücken bedeuten, dass erhebliche Mehrkosten entstehen werden. Die Opposition will genauer wissen, was da auf die Bundeswehr zukommt. Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen will sich das Geld von Airbus holen. Sie betont, "dass wir einen sehr handfesten Vertrag haben, in dem Schadensersatzleistungen ganz klar geregelt sind". Das Ministerium schätzt die Verzögerungen beim A400M bis zum Jahr 2019 auf 107 Monate - das sind fast neun Jahre. Die Kostensteigerung beträgt demnach 1,47 Milliarden Euro.

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