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Aktuell Europa

900 Flüchtlinge auf Schiff in der Adria

Italiens Marine hat die Kontrolle über ein Schiff mit hunderten Flüchtlingen übernommen, das mit einem Notruf für Aufregung gesorgt hatte. - Nach dem Unglück der "Norman Atlantic" hält die Kritik an der Besatzung an.

Ein Hubschrauber der italienischen Marine setzte sechs Soldaten auf dem Deck des Frachters "Blue Sky M" (Artikelbild) ab, die die Kontrolle über das Schiff übernahmen und in den Hafen Gallipoli manövrierten. Es habe die Gefahr bestanden, dass das mit Motorschaden in der Adria treibende Schiff gegen die Küste pralle, berichteten italienische Medien. Nach neuen Angaben der Behörden befanden sich etwa 900 Flüchtlinge an Bord der "Blue Sky M". Die meisten von ihnen stammen aus Syrien.

Notruf abgesetzt

Griechische Stellen hatten am Dienstag mitgeteilt, das Schiff habe vor der Insel Korfu ein Notsignal abgegeben, da "bewaffnete Männer" an Bord seien. Die griechische Marine untersuchte daraufhin den Frachter, konnten jedoch kein Problem feststellen. Der Kapitän habe angegeben, das unter der Flagge Moldaus fahrende Schiff sei nicht in Seenot, hieß es.

Der Frachter im Hafen von Gallipoli (Foto: AP)

Der Frachter im Hafen von Gallipoli

Die "Blue Sky M" soll den Medienberichten zufolge seit Tagen in der Region des Ionischen Meeres im Westen Griechenland unterwegs gewesen sein. Es wird vermutet, dass Menschenschlepper Migranten aus Westgriechenland abgeholt haben, um sie nach Italien zu bringen.

Der Vorfall ereignete sich nicht weit von der Stelle, an der die Autofähre "Norman Atlantic" am Sonntag in Brand geraten war. Die italienische Marine und zahlreiche andere Schiffe waren der Fähre zu Hilfe geeilt und hatten 427 Passagiere und Besatzungsmitglieder gerettet. Elf Menschen starben auf der Fähre, zwei albanische Seeleute bei den Rettungsarbeiten.

Weitere Tote befürchtet

Die italienischen Behörden gehen davon aus, dass mehrere Flüchtlinge als blinde Passagiere an Bord gelangt sind. Dies mache es "wahrscheinlich", dass in dem Schiffswrack weitere Leichen gefunden würden, hieß es. Es wird befürchtet, dass sich in parkenden Lastwagen Migranten versteckten, und dass weitere Passagiere in ihren Kabinen verbrannten oder erstickten. Die italienische Staatsanwaltschaft leitete ein Ermittlungsverfahren zur Aufklärung des Unglücks ein.

"Die Crew war nicht da"

Unterdessen übten weitere gerettete Passagiere scharfe Kritik am Verhalten der Besatzung der "Norman Atlantic" während des Brandes. Die deutsche Anwältin Ute Kilger aus München sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Die Crew war nicht anwesend, es gab keinen Ansprechpartner, niemanden, der Informationen hatte, niemanden, der einen beschützt hat."

Als sie nach Ausbruche des Brandes auf Deck geflüchtet sei, habe es panikartige Szenen und Rangeleien gegeben. "Es gab Angst, sehr viel Angst. Alle wollten auf Rettungsboote. Familien schrien", schilderte Kilger. Eine Griechin, deren Mann bei dem Unglück ertrunken ist, berichtete, das Autodeck der Fähre habe nach Benzin gestunken. Es wird vermutet, dass das Feuer dort ausgebrochen ist.

wl/fab (afp,dpa)