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Wirtschaft

9/11 - was der Terror gekostet hat

Die unmittelbaren wirtschaftlichen Schäden der Anschläge vom 11. September 2011 werden offiziell auf 60 Milliarden Dollar geschätzt. Doch die Folgekosten sind ungleich höher.

Ground Zero nach dem Anschlag: New York, September 2001 (Foto: William Phelan/DW)

Ground Zero nach dem Anschlag

Die wirtschaftlichen Schäden, die der islamistische Terror bislang der Weltwirtschaft zugefügt hat, lassen sich natürlich nicht exakt berechnen. Wohl aber kann man sich einen Überblick über die Größenordnungen verschaffen - und die sind exorbitant. So gibt es viele Experten, die überzeugt sind, der Terrorismus habe die westlichen Industrienationen mindestens zwei- bis dreistellige Milliardenbeträge gekostet - und zwar jede einzelne Regierung.

Bauarbeiter stehen am Ground Zero (Foto: dapd)

Ein Jahr danach: Schweigeminute der Bauarbeiter

Ursache und Auslöser dieser exorbitanten Kostenexplosion sehen sie in den Anschlägen vom 11. September. Denn damals haben die Notenbanken in einer konzertierten Aktion reichlich Liquidität in die Märkte gepumpt, um eine weltweite Rezession zu verhindern. Mit dieser Strategie waren sie auch erfolgreich. Aber: Besonders eifrig und großzügig versorgte der damalige Chef der US-Notenbank, Alan Greenspan, die Banken mit Geld. Und weil das so gut funktionierte, ließ er den Geldhahn geöffnet, bis die Banken nicht mehr wussten, wohin damit - und auf die Idee kamen, amerikanischen Kleinverdienern Häuser und Hypothekenkredite aufzuschwatzen.

Globale Rezession

Die Folgen sind bekannt: Erst eine Immobilien- und Hypothekenkrise in den USA, dann eine weltweite Finanzkrise, die in eine globale Rezession mündete. Zur Bekämpfung dieser Krise mussten die westlichen Regierungen Unsummen für die Rettung der Banken und die Ankurbelung der Konjunktur aufwenden - was man als mittelbare Folgekosten der Terroranschläge vom 11. September bezeichnen kann. Dagegen nehmen sich die direkten Schäden des Anschlags auf die Twin Towers in New York, bei dem damals rund 3000 Menschen getötet wurden, mit geschätzten 60 Milliarden Dollar vergleichsweise gering aus.

Am Container Terminal in Bremerhaven (Foto: dapd)

Terminal in Bremerhaven: Jeder Container durchleuchtet

Andere Kosten liegen auf der Hand, man kann sie addieren - und bekommt trotzdem nur Näherungswerte. So haben die USA ihre Ausgaben für die innere Sicherheit seit 2001 jedes Jahr um Beträge zwischen 46 bis 76 Milliarden Dollar erhöht, Flughäfen haben ihre Sicherheitskontrollen verschärft. In Bremerhaven beispielsweise, dem größten deutschen Übersee-Umschlagplatz, wird jeder Container durchleuchtet - das alles verursacht höhere Kosten für Fluggesellschaften, Reedereien und Transportfirmen, verlangsamt den Warenumschlag im Welthandel erheblich - aber quantifizieren kann man diese Kosten kaum.

Zumal die Kosten des Einen auch die Einnahmen des Anderen sind. So erleben private Sicherheitsfirmen einen ungeahnten Boom, genauso wie die Hersteller von Scannern, Sniffern und Durchleuchtungsanlagen an Flug- und Seehäfen. Eine Bilanz hat immer zwei Seiten. So muss man auch die Schäden, die der Terror einer Volkswirtschaft zufügt, differenziert betrachten. Denn jeder Schaden, der repariert wird, geht in die Berechnung des Bruttoinlandsprodukts der Folgeperiode ein, erhöht also die Wirtschaftsleistung und bringt dem Staat neue Steuereinnahmen.

Autor: Rolf Wenkel
Redaktion: Henrik Böhme

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