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Politik

9/11: Versagen und Versäumnisse

Am zweiten Tag der Zeugenbefragung vor der 9/11-Kommision hat CIA-Direktor George Tenet Versäumnisse eingestanden. Richard Clark, der zuvor schon Präsident Bush schwer belastet hatte, wurde ebenfalls befragt.

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"Nicht die richtigen Leute dafür": CIA-Chef George Tenet vor der Kommission

Richard Clarke war über viele Jahre einer der führenden Regierungsberater für Terrorabwehr unter Präsident George Bush, dem Älteren, Präsident Clinton und bis zum Ausscheiden aus den Regierungsdiensten auch unter dem amtierenden Präsidenten George W. Bush. Er hatte für die Olympiade 1996 in Atlanta ein spezielles Luftabwehrsystem gegen Terroranschläge entwickelt und noch wenige Tage vor dem 11. September die Ausmaße eines katastrophalen Terroranschlags auf Amerika beschrieben.

Heute wirft er Präsident Bush vor, die Bedrohung durch El Kaida bis zum 11. September 2001 trotz mehrfacher Warnungen vernachlässigt zu haben. In den ersten acht Monaten ihrer Amtszeit habe das Terrorismusproblem für die Bush-Regierung keine Dringlichkeit besessen. Und danach: "Durch die Invasion im Irak hat der Präsident der Vereinigten Staaten den Krieg gegen den Terror substanziell unterminiert."

Entschuldigung vor den Hinterbliebenen

Richard Clarke

Richard Clarke

Als einziger der befragten Zeugen entschuldigte sich Clarke vor den anwesenden Hinterbliebenen der Opfer dafür, die Anschläge nicht verhindert zu haben: "Ihre Regierung hat Sie im Stich gelassen. Die, die Euch schützen sollten, haben versagt. Ich habe versagt."

Zuvor hatte schon CIA-Direktor George Tenet Versäumnisse seiner Behörde im Vorfeld der Terroranschläge eingeräumt. "Wir haben die Verschwörung nicht aufgedeckt. Wir hatten nicht die richtigen Leute hierfür. Wir haben trotz enormer Anstrengungen nicht die richtigen Hinweise gesammelt und das zur Verfügung stehende Datenmaterial wohl auch nicht richtig integriert. Wenn jeder alle zur Verfügung stehenden Daten analysiert hätte, hätten wir vielleicht eine Chance gehabt, die Anschläge zu verhindern".

Gefahr im Ausland vermutet

Tenet, der seit 1997 als CIA-Chef fungiert, beschrieb, wie der amerikanische Geheimdienst schon unter Präsident Clinton seit 1996 die Aktivitäten von Terrorchef Osama Bin Laden genau verfolgt habe. Im Sommer 2001 habe es zwar Hinweise auf einen Terroranschlag gegeben, doch habe man die Gefahr vor allem im Ausland vermutet. "Wir konnten einen Anschlag in den USA nicht ausschließen, aber wir hatten keine spezifischen Erkenntnisse, die so etwas nahe gelegt hätten. Das war ja das Ärgerliche."

Tenet erklärte, die El Kaida plane weitere Anschläge auf die USA. Der Sicherheitsberater von Ex-Präsident Clinton, Sandy Berger, gab zu Protokoll, dass man sich spätestens seit den Anschlägen auf die US-Botschaften in Tansania und Kenia im Jahr 1998 im Krieg mit der El Kaida befunden habe. Eine Invasion Afghanistans, wo die El Kaida ihre Ausbildungslager hatte, sei aber in den Jahren vor 2001 politisch nicht durchsetzbar gewesen.

Pannen und Fehleinschätzungen

Immer wieder traten während der Anhörung Pannen und Fehleinschätzungen zu Tage. So wusste man vor 2001 im CIA lange Zeit nicht, ob man überhaupt die Befugnis hatte, Osama Bin Laden zu töten. Justizminister John Ashcroft strich der FBI noch einen Tag vor den Terroranschlägen einen zweistelligen Millionenbetrag zur Terrorismusbekämpfung aus dem Etat.

Eine der Hinterbliebenen im Publikum, Kristin Breitweiser, brachte es am Rande der Befragung auf den Punkt: "Wir geben Milliarden für die Verteidigung aus, für die Geheimdienste. Wir sind die größte und mächtigste Nation der Erde und wir wurden von 19 Flugzeugentführern in die Knie gezwungen. Tut mir leid, das kann und will ich nicht akzeptieren."

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