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Politik & Gesellschaft

9/11 - Die Hamburger Zelle

Eine zentrale Rolle bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 spielte die sogenannte Hamburger Zelle um deren Anführer Mohammed Atta. Der Todespilot sammelte seine Anhänger in der Hamburger Marienstraße.

Straßenschild der Marienstraße in Hamburg-Eißendorf (Foto: dpa)

Hier bereiteten sich die Terroristen vor: Marienstraße in Hamburg

Mohamed Atta (Foto: AP)

Steuerte die erste Maschine ins World Trade Center: Mohammed Atta

Mohammed Atta war einer der fünf Entführer des ersten Passagierjets, der am 11. September 2001 in den Nordturm des World Trade Center in New York raste. Seine Verbündeten nannten ihn Amir, arabisch für Anführer. Gleichzeitig war er auch der Pilot des Flugzeugs, welches um 8.46 Uhr als erstes ins World Trade Center einschlug. Atta kam in Ägypten zur Welt und schloss in Kairo ein Architekturstudium ab. Von 1992 bis 1999 studierte er in Hamburg Stadtplanung. Nach seinem Studium bezog er im Hamburger Stadtteil Eißendorf eine Dreizimmerwohnung in der Marienstraße 54. Diese Wohnung steht bis heute sinnbildlich für die sogenannte Hamburger Terrorzelle.

Die Mitbewohner von Atta

Ramzi Binalshibh (Foto: AP)

Ramzi Binalshibh

Zu Attas Mitbewohnern gehörten Ramzi Binalshibh und Said Bahaji. Binalshibh zählt zu den wichtigsten Personen in der Planung der Terroranschläge vom 11. September. Er war als vierter Pilot vorgesehen und versuchte im Vorfeld der Anschläge mehrfach, in die USA einzureisen, bekam allerdings kein Visum. Im September 2002 wurde Binalshibh in Pakistan gefasst und anschließend in das US-Militärgefängnis nach Guantanamo gebracht.

Über die Komplizenschaft des dritten Mitbewohners Said Bahaji bei den Attentaten ist nicht allzu viel bekannt. Es gibt unterschiedliche Aussagen darüber, ob er in ein afghanisches Terrorcamp zur Ausbildung reiste oder nicht. Vielmehr war er wohl eher der "Terrorlogistiker", der sich um das Mietkonto der Wohnung und die Buchhaltung kümmerte und seine fundierten Internetkenntnisse einbrachte.

Marwan al-Shehhi (Foto: AP)

Zweiter Todespilot: Marwan al-Shehhi

Eine Woche vor den Anschlägen setzte er sich nach Pakistan ab. Seitdem wird nach ihm gefahndet. Seinen deutschen Pass fand man 2009 in Pakistan bei einer Militäraktion.

Atta, Binalshibh und Bahaji gründeten mit vielen anderen mutmaßlichen Terroristen die Hamburger Terrorzelle. Zu erwähnen sind hier vor allem: Marwan al-Shehhi und Ziad Jarrah.

Al-Shehhi, steuerte das zweite Flugzeug, den United-Airlines-Flug 175, der um 9.03 Uhr in den Südturm raste. Ziad Jarrah flog den United-Airlines-Flug 93, der wohl das Kapitol oder das Weiße Haus treffen sollte. Die Maschine stürzte jedoch im US-Bundesstaat Pennsylvania ab, nachdem sich die Passagiere gegen die Terroristen zur Wehr gesetzt hatten.

Einig im Hass auf westliche Werte

Die Entführer Mohammed Atta und Abdulaziz Alomari passieren die Schierheitskontrollen am Flughafen in Portland (Foto: AP)

Mohammed Atta (r.) am 11. September 2001 auf dem Flughafen in Portland

Die drei Bewohner der Hamburger Wohnung tauschten sich mehrmals in der Woche über ihre anti-amerikanischen Sichtweisen aus. Dabei steigerten sie sich weiter in ihren Hass auf alle westlichen Werte hinein. Die Islamisten besuchten regelmäßig die Hamburger Al-Quds-Moschee, die später wegen dschihadistischer Aktivitäten geschlossen wurde.

Atta, Jarrah, al-Shehhi und Binalshibh reisten alle im November 1999 nach Afghanistan. Dort trafen sie auf Osama bin Laden, der Atta als Anführer der Gruppe auserkor. Bin Laden entschied auch, dass die Gruppe um Atta den Anschlag auf die Vereinigten Staaten durchführen sollte.

Nach ihrer Rückkehr nach Deutschland begannen die Todespiloten ihr Flugtraining. Später besuchten sie aber vor allem Flugschulen in Florida. Während der Abwesenheit der Flugschüler lebten immer wieder andere Personen in Attas Wohnung in Hamburg.

So sollen bis zu 29 Personen die Wohnung in der Marienstraße 54 als ihre Heimatadresse angegeben haben. Im Mietvertrag stand jedoch immer nur der Name Mohammed Atta.

Deutsche Sicherheitskräfte tappten im Dunkeln

Eine Journalistin unterstreicht eine Zeile im Jahresbericht des Verfassungsschutzes (Foto: dpa)

Jahresbericht des Verfassungsschutzes

Nach dem deutschen Strafrecht war die Zelle um Mohammed Atta keine selbständige Teilorganisation, die als eigenständige terroristische Vereinigung anzusehen wäre. Die Begründung dafür lautet: Die Gruppe allein sei weder finanziell noch personell zur Ausführung der Anschläge in den USA in der Lage gewesen. Es sei vielmehr nicht auszuschließen, dass die Planung für die Anschläge von Verantwortlichen der Al-Kaida in Afghanistan vorgenommen worden sei. Das Bundesamt für Verfassungsschutz geht heute davon aus, dass der Anschlag nicht in Hamburg, sondern in Afghanistan geplant wurde.

Die deutschen Geheimdienste hatten die Hamburger Zelle allerdings im Blick. So hörte die Polizei verdächtige Telefonate mit. Das Bundeskriminalamt wollte einmal sogar gegen das Umfeld von Mohammed Atta ermitteln, doch der Generalbundesanwalt bremste diese Aktion aus.

Autor: Arne Lichtenberg
Redaktion: Hartmut Lüning

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