1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Kultur

9/11 als Schlüsselereignis für die Online-Medien

Die ersten Bilder am 11. September 2001 lieferte das Fernsehen. Wer mehr wissen wollte, ging ins Internet. Die Chiffre 9/11 steht auch für den Durchbruch des Internet als Nachrichten- und Bürger-Medium.

default

Bricht das Netz zusammen? Kaum hatten am 11. September 2001 die ersten Meldungen aus New York und Washington DC die Runde gemacht, erlebten die Websites der großen Nachrichten-Anbieter überall auf der Welt einen bis dahin ungekannten Ansturm der Nutzer. Ob CNN, BBC oder DW-WORLD.DE – alle hatten in wenigen Stunden mehr Abrufe als sonst in einer ganzen Woche. Die Terrorangriffe des 11. September waren das erste globale Ereignis, bei dem die Öffentlichkeit nicht mehr nur das Fernsehen im Blick hatte, sondern auch das Internet massenhaft als Informationsquelle nutzte. Spätestens im Rückblick gilt der 11. September als "Schlüsselereignis für das junge Nachrichtenmedium Online-Journalismus", belegt eine Studie der Universität Leipzig.

Dieses Schlüsselereignis hat im Internet seine Spuren hinterlassen. Noch heute sind zum Beispiel auf interactivepublishing.net die Startseiten des 9.11.2001 zu besichtigen. Die Screenshots der Nachrichtenangebote aus aller Welt spiegeln die Dramatik der Ereignisse dieses Tages: Die brennenden Türme des World Trade Centers und ein fortlaufend aktualisierter Text dominierten die ersten Sonderseiten. Doch die Berichterstattung in Echtzeit war nur der Anfang. Hintergrund-Informationen, Chronologien, Bildergalerien und Videos ergänzten bald die Aktualität.

"Ich will mehr"

Es zeigte sich, dass Onlinemedien etwas bieten, das Fernsehen und Radio so nicht leisten können – im Internet können die Nutzer aktiv auswählen, was sie lesen. "Ich will mehr wissen!": Dieses Bedürfnis angesichts der unvorstellbaren Geschehnisse in New York und Washington DC befriedigten die Online-Angebote vor fünf Jahren - oder zumindest vermittelten sie dieses Gefühl, denn auch die Internetredakteure waren natürlich nicht besser informiert als ihre Kollegen bei Radio und TV. Schließlich gab es trotz der weltweiten Live-Übertragung in allen Redaktionen zunächst mehr Fragen als Antworten.

Dieses Vakuum wurde am 11. September im Internet schnell gefüllt, wenn auch nicht von den etablierten Medien. Während weltweit auf allen TV-Kanälen in endlosen Schleifen vor allem die immer gleichen beklemmenden Bilder zu sehen waren und die Webmaster der großen Onlineanbieter neue Server herbeischafften, tauchten im Netz sofort erste Augenzeugenberichte auf. New Yorker, die in der Nähe des World Trade Centers wohnten und zufällig vor Ort waren, beschrieben, was sie sahen, dachten - oder einfach nur fühlten. Hilferufe und Gerüchte machten die Runde. Online-Foren entwickelten sich zu Nachrichten-Börsen und virtuellen Kondolenzlisten.

Reiz des Subjektiven

Derartiges hatte es im Internet schon immer gegeben. Doch erst in der Ausnahmesituation des 11. September 2001 fanden diese privaten, oft tagebuchartigen Seiten zum ersten Mal ein größeres, sogar weltweites Publikum und wurden so selbst zum Gegenstand der Berichterstattung. Von einem Bürgerjournalismus im Internet jenseits von CNN.com & Co ist seitdem oft die Rede. Der Begriff "Weblog" steht für diese Internet-Publikationen, die ohne die Rahmenbedingungen eines Medienunternehmens entstehen und die vor allem eines sind: subjektiv. Das macht ihren Reiz aus, das macht sie aber auch angreifbar; schließlich bietet das Internet auch den zahllosen "9/11"-Verschwörungstheoretikern eine Plattform.

Mehr als eine Milliarde Menschen haben inzwischen Zugang zum Internet. Spätestens mit dem 11. September hat sich das World Wide Web als Massenmedium für Nachrichten und Informationen durchgesetzt. Aber der 11. September markiert auch den Punkt, an dem die Nutzer dieses neuen Mediums selbst aktiv wurden. Mancher Journalist mag das als Machtververlust beklagen, die Menschen haben längst entschieden, dass sie beides wollen.

Von Holger Hank, Leiter der Abteilung Neue Medien der Deutschen Welle

Die Redaktion empfiehlt

WWW-Links