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Entwicklungsländer

89 Millionen ungewollte Schwangerschaften im Jahr

Arme Frauen in Entwicklungsländern haben ein hohes Risiko, ungewollt schwanger zu werden. Das geht aus dem UN-Weltbevölkerungsbericht 2017 hervor. Entwicklungsminister Müller spricht von einer "Zeitbombe".

Arme Mädchen und Frauen bekommen laut einem Bericht des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) im Laufe ihres Lebens dreimal so viele Kinder wie reiche. Der Grund: weniger Zugang zu Bildung und zu Verhütung. So können 214 Millionen Frauen in Entwicklungsländern gegen ihren Willen nicht verhüten.

Dort liegt die Zahl der ungewollten Schwangerschaften bei 89 Millionen im Jahr, was etwa 43 Prozent aller Schwangerschaften in Entwicklungsländern entspricht.

"Afrika ist eine Zeitbombe"

Der Weltbevölkerungsbericht 2017 verzeichnet außerdem 48 Millionen Abtreibungen als Folge der vielen ungewollten Schwangerschaften. 

Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) sagte bei der Vorstellung des UN-Berichts in Berlin, das starke Bevölkerungswachstum, gerade in Afrika, sei eine "Zeitbombe". "Das sind keine Randthemen, sondern das sind globale Herausforderungen, auf die wir antworten müssen", so Müller. 

Deutschland wolle seine Verantwortung für die Menschen in Entwicklungenländern aus humanitären Gründen wahrnehmen, aber auch aus Eigeninteresse. Denn die bewaffneten Konflikte und ökologischen Folgen eines ungebremsten Bevölkerungswachstums in ärmeren Ländern hätten auch Auswirkungen auf Europa. 

Die Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW), Renate Bähr, betonte, vor zehn Jahren hätten Experten noch ein Bevölkerungswachstum in Afrika um den Faktor 2,5 bis 2100 vorausgesagt. Heute gehe man von einer Vervierfachung aus. Aktuell leben 1,3 Milliarden Menschen auf dem Kontinent.

USA haben UNFPA-Gelder gestrichen

Deutschland ist Müller zufolge mit 22 Millionen Euro im Jahr für den UNFPA der zehntgrößte Geldgeber. Die Bundesregierung unterstützt Programme für Familienplanung und Frauengesundheit in 30 Staaten. Müller forderte, diese weiter auszubauen, betonte aber gleichzeitig, die fehlenden Gelder aus den Vereinigten Staaten könne man nicht ausgleichen.

Die USA hatten kurz nach dem Amtsantritt von Präsident Donald Trump Gelder für internationale Organisationen gekürzt, die im Zuge der Familienplanung auch über Abtreibung informieren. Die Beiträge für den UNFPA wurden komplett gestrichen.

ie/jj (dpa, kna)

 

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