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Filme

8 Gründe, warum "Blade Runner" zum Kultfilm wurde

1982 kam Ridley Scotts Science-Fiction-Film "Blade Runner" in die Kinos. Erst in den Jahren darauf entwickelte er sich zum Kultfilm. An diesen Erfolg will jetzt "Blade Runner 2049" anknüpfen.

Kommerziell hielt sich der Erfolg von "Blade Runner" damals in Grenzen. Fünf Jahre nach dem Start der Weltraumsaga "Star Wars" war das Publikum offenbar noch nicht reif für die sehr düstere Welt, die Regisseur Ridley Scott und seine Szenenbildner für die Kinoleinwand entworfen hatten. Der größte Erfolg an den Kinokassen 1982, dem Startjahr von "Blade Runner", war übrigens auch ein Science-Fiction-Film: Steven Spielbergs "E.T.".

"Star Wars" und "E.T." sind heute auch Kult, doch stehen sie für eine poppige und leichter zugängliche Art des Zukunftsfilms. "Blade Runner" war düster, dunkel und geheimnisvoll - das ist aber nur einer von acht Gründen, die "Blade Runner" zum Kultfilm machten.

1.    Das Szenenbild und die Ausstattung

Das größte Prunkstück des Films. Die Welt, die uns Regisseur, Kameramann und Ausstatter zeigen, ist schwarz und steckt voller Geheimnisse: Los Angeles im Jahre 2019, Dauerregen prasselt auf die überbevölkerte Stadt nieder. Ein babylonisches Sprachgewirr beherrscht die Szenerie. Die Wolkenkratzer reichen bis zum Himmel. Das Volk tritt sich in den Straßenschluchten auf die Füße, die Reichen haben sich in pyramidenähnlichen Bauten abgekapselt. "Blade Runner" knüpfte an große Vorbilder wie "Metropolis" an - und beeinflusste wie kaum ein anderer Science-Fiction-Film nachfolgende Regiegenerationen.

Szene aus Blade Runner mit buntem Völkergemisch und Harrison Ford (2007 Warner Bros. Entertainment Inc.)

"Blade Runner" entführt ins Los Angels des Jahres 2019

2.    Blick in die Zukunft

Bei alle Kunstfertigkeit der Szenerie: "Blade Runner" war, anders als die "Star Wars"- oder "Star Trek"-Filme, nicht völlig abgekoppelt vom Hier und Jetzt. So wie die Filmarchitekten Stadt und Straßenlandschaft zeigten, so konnte man sich als Zuschauer tatsächlich die Zukunft vorstellen. Riesige Werbeflächen ziehen die Aufmerksamkeit der Menschen auf sich: Pan Am, Coca Cola, TDK. Verkehrsinfarkt und Umwelt-Kollaps der Megametropolen des 21. Jahrhunderts - in "Blade Runner" werden sie vorweggenommen. 

3.    Moderner Film Noir

"Blade Runner" spielt nicht nur mit der Science-Fiction-Ästhetik. Der Film ist auch eine großartige Hommage an den Film Noir der 1940er Jahre. Schwarz und Weiß, alle möglichen Grau-, Braun- und Sepiatöne verleihen dem Film eine unnachahmliche Optik. Der Blade-Runner Rick Deckard ist ein Enkel der Raymond-Chandler- und Dashiell-Hammett-Detektive Philipe Marlowe und Sam Spade. Harrison Ford, der Deckard spielt, tritt souverän in die Fußstapfen von Humphrey Bogart und Robert Mitchum.

Harrison Ford in Filmszene aus Blade Runner mit Puppen und Replikanten (picture-alliance/dpa)

Düsterer Film Noir: "Blade Runner"

4.    Die Story

Die Geschichte, die uns Regisseur Ridley Scott in "Blade Runner" erzählt (nach dem Roman "Do Androids Dream of Electric Sheep?" von Philip K. Dick) ist im Grunde genommen denkbar einfach - und so für die Zuschauer gut nachvollziehbar: Ein Blade Runner, ein Jäger künstlicher Menschen (so genannter Replikanten), bekommt den Auftrag vier dieser Wesen, die sich illegal auf der Erde aufhalten, zur Strecke zu bringen. Der Job wird erledigt. Gleichzeitig bietet der Film dem Publikum neben dieser klassischen Genrevariante eine Vielzahl an Widerhaken und Fragen an. Das verleiht der Handlung eine immense Tiefe.

5.    Die Metaebene

So einfach die Grundstory ist, so überraschend und vielfältig sind die tieferen Schichten des Plots: Ridley Scott, so die Filmpublizistin Kata Kirste, "schafft ein höchst eigenwilliges Werk, das nicht weniger als die Frage stellt, was die Identität des Menschen ausmacht. Nicht nur durch die phonetische Ähnlichkeit des Namens Deckard mit Descartes (französischer Philosoph) schimmert der philosophische Subtext durch die Erzählung, sein Motivkanon insgesamt stellt sich der Problematik von Sein und Bewusstsein." "Blade Runner" stellt religiöse und philosophische Fragen, ethische und ästhetische.

Filmstill aus Blade Runner mit Harrison Ford im Filmfinale an Eisenstrang hängend (mago/AGD)

Zweifelnd und fast am Ende: Harrison Ford schwer angeschlagen

6.    Die Darsteller

Zum Gelingen des Gesamtkunstwerks "Blade Runner" gehört das überzeugende Darstellerensemble unbedingt dazu. Hauptdarsteller Harrison Ford lieferte mit der Figur des zweifelnden, grübelnden und nie vom eigenen Handeln überzeugten Replikantenjägers Deckard eine seiner besten Karriereleistungen ab. Beim Niederländer Rutger Hauer, dem Anführer der Replikanten, kann man das noch zuspitzen: Hauer war nie besser als in "Blade Runner". Und auch Sean Young spielte als traurig, verstörend schöne Replikantin Rachael die Rolle ihres Lebens.

7.    Der melodramatische Faktor

Die zart angedeutete, schwermütige Liebesgeschichte, die sich zwischen Deckard und Rachael entwickelt, gibt dem Science-Fiction-Film "Blade Runner", der ja vor allem von seinen meisterhaft inszenierten Action-Szenen lebt, eine melodramatische Grundierung. Ridley Scott verschmilzt grandios Action und Eros. Beides ist nicht ohne das jeweils andere Element denkbar. Auch das verleiht "Blade Runner" seine unnachahmliche Aura.

Ridley Scott Regisseur (picture-alliance/kpa)

Schuf die magischen Bilder: Regisseur Ridley Scott

8.    Die Musik

Schließlich hat auch die Filmmusik des griechischen Elektropioniers Vangelis einen großen Anteil daran, dass "Blade Runner" auch heute, im Jahr 2017, kaum gealtert ist. Die Musik zieht den Zuschauer sogartig in das Geschehen. Das lässt ihn bis zum Ende nicht mehr los - bis zum finalen Bild und dem allerletzten Klang.

...mehr zum neuen "Blade Runner 2049" in der aktuellen Ausgabe von KINO. Außerdem dort auch die erste Komödie über den DDR-Staatschef Erich Honecker und ein Interview mit Hauptdarsteller Jörg Schüttauf sowie ein Blick auf deutsche Filmhochschulen - vor der Verleihung der Studenten-Oscars.

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