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Deutschland

77 Mal mehr Dioxin als erlaubt

Das Futterfett der Firma Harles und Jentzsch war extrem mit Dioxin verseucht. Die zulässigen Grenzwerte wurden bis um das 77-fache überschritten, ergaben Laboruntersuchungen. Erste Hinweise gab es schon vor Monaten.

Eier im Labor (Foto: dapd)

Enthalten diese Eier Dioxin?

Neue Analyseergebnisse von Futterfett-Proben im Dioxin-Skandal haben für weitere Zweifel an der Lebensmittel-Kontrolle gesorgt. Nach Angaben des Kieler Landwirtschaftsministeriums wurden mehrere Proben aus dem Betrieb des Futtermittel-Herstellers Harles und Jentzsch im schleswig-holsteinischen Uetersen positiv getestet - sie waren also mit Dioxin belastet. In einem Fall wurde der zulässige Dioxin-Grenzwert von 0,75 Nanogramm sogar um mehr als das 77-fache überschritten.

Dioxin-Nachweis schon vor Monaten

Schon im März habe ein privates Labor in einer Probe des fraglichen Betriebs zu viel Dioxin festgestellt, sagte ein Sprecher des schleswig-holsteinischen Landwirtschaftsministeriums. Es sei ein um mehr als das Doppelte überschrittener Dioxingrenzwert festgestellt worden. Die Firma habe das aber nicht gemeldet. Dies sei ein klarer Rechtsverstoß. Nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in der Landeshauptstadt Kiel wurde die dioxinhaltige Probe vom März erst kürzlich bei einer Polizeirazzia beim Uetersener Futterfett-Hersteller sichergestellt.

Durchsuchung bei 'Harles und Jentzsch' (Foto: dapd)

Durchsuchung beim Futterfett-Hersteller 'Harles und Jentzsch'

Das Bundeslandwirtschaftsministerium geht bei der Fettpanscherei nicht mehr von einem Versehen oder einer Kontrolllücke aus. "Die Indizien sprechen hier im Moment eher für ein hohes Maß an krimineller Energie", sagte Sprecher Holger Eichele. "Es gibt Indizien dafür, dass der Betrieb gar nicht amtlich gemeldet war, um sich eben auch den amtlichen Kontrollen nicht auszusetzen."

Wie geht es weiter?

Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) hat die Vorsitzenden der Verbraucher- und der Agrarministerkonferenzen der Länder gebeten, für Mitte Januar eine Sondersitzung in Berlin einzuberufen. Sie soll vor der Grünen Woche stattfinden. Hauptthema sind Konsequenzen aus dem Dioxin-Skandal. Bereits für Montag lud Aigner Vertreter der Futtermittelwirtschaft, der Landwirtschaft sowie Verbraucherschützer zu einem Spitzentreffen nach Berlin ein. Einen Tag danach will sich der Verbraucherausschuss des Bundestags in einer Sondersitzung mit dem Skandal befassen.

Wenig Grund zur Sorge sieht der Generaldirektor der belgischen Behörde für Lebensmittelsicherheit, Geert De Poorter. Die Dioxin-Verseuchung in Tierfutter in Deutschland sei 50 bis 100 Mal geringer als beim damaligen belgischen Dioxin-Skandal im Jahr 1999. Was den Grad der Verseuchung betreffe, sei die Lage in Deutschland weit weniger ernst. Die Gefahr für die öffentliche Gesundheit sei damit "absolut unerheblich", sagte er.

Bauern fordern Hilfe

Der Deutsche Bauernverband forderte von der Futtermittelindustrie einen Schadensfonds in Millionenhöhe. Er rechne für die betroffenen Bauern mit einem Schaden von 40 bis 60 Millionen Euro pro Woche, sagte Verbandspräsident Gerd Sonnleitner der "Neuen Osnabrücker Zeitung".

Niedersachsen rechnet damit, dass die meisten der gesperrten Betriebe in der kommenden Woche wieder ihre Produkte in den Handel bringen können. Dort liegen 4500 der bundesweit 4700 gesperrten Betriebe der Geflügel- und Schweinemastbranche. Alle hatten Tierfutter mit Ausgangsstoffen von "Harles und Jentzsch" bezogen.

Autor: Herbert Peckmann (dpa, dapd, afp rtr)

Redaktion: Dirk Eckert

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