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Fußball

75 Jahre deutscher Fußball-Pokal

Happy Birthday, lieber Pokalwettbewerb – seit nunmehr 75 Jahren ist die Trophäe das Ziel der teilnehmenden Mannschaften. Eine lange Zeit, in der reichlich Fußballgeschichte geschrieben wurde.

Der DFB-Pokal (Foto: dpa)

Bayern-Spieler Franck Ribery rennt nach dem Sieg im DFB-Pokalfinale 2008 gegen Borussia Dortmund mit dem Pokal über den Platz (Foto: dpa)

Meistens gehört der DFB-Pokal dem FC Bayern München

Vorgänger des heutigen DFB-Pokals war der vom damaligen Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten eingeführte so genannte Tschammerpokal. In der Premierenspielzeit nahmen über 4000 Mannschaften daran teil, erster Sieger wurde am 8. Dezember 1935 der 1. FC Nürnberg. Insgesamt neun Mal wurde dieser Wettbewerb ausgetragen, ehe es zu einer kriegsbedingten Pause kam. 1952 schließlich richtete der Deutsche Fußball-Bund erstmals den DFB-Vereinspokal aus. Die Siegertrophäe war bis 1964 weiterhin der Tschammerpokal, der auch Goldfasanenpokal genannt wurde. Lediglich das Hakenkreuz wurde durch das DFB-Logo ersetzt.

Das erste Endspiel gewann am 1. Mai 1953 im Düsseldorfer Rheinstadion Rot-Weiß Essen mit 2:1 gegen Alemannia Aachen. Bis heute hat es insgesamt 19 verschiedene DFB-Pokalsieger gegeben - Rekordgewinner ist der FC Bayern München mit 15 Titeln.

Überraschungen und Sensationen

David gegen Goliath, Klein gegen Groß - das war und ist der besondere Reiz des nationalen Pokalwettbewerbs. Viele Erstligisten haben in den ersten Runden bei unterklassigen Vereinen schon ihre Pokal-Blamage erlebt. Eine der größten Sensationen war ohne Zweifel der 1:0-Erstrundensieg des damaligen Regionalligisten TSV Vestenbergsgreuth am 14. August 1994 gegen den FC Bayern München. Für den Schützen des Goldenen Tores, Roland Stein, ein bis heute unvergessliches Erlebnis, dessen Bedeutung von Jahr zu Jahr größer wird, "weil einem erst nach einiger Zeit bewusst wird, was das für eine Sensation damals war."

Überraschungen und Sensationen gibt es jedes Jahr aufs Neue, wobei sie mit zunehmender Wettbewerbsdauer abnehmen. So gelang es bis heute mit Hannover 96 (1992) nur einem echten Zweitligisten, den DFB-Pokal zu gewinnen. Kickers Offenbach schaffte das 1970 zwar auch, war zum Zeitpunkt des Endspiels aber bereits Erstligist. Amateurvereine standen insgesamt drei Mal im Endspiel, mussten sich dort aber stets geschlagen geben.

Legendäre Spiele

Günter Netzer, Borussia Mönchengladbach, winkt nach dem 2:1-Pokalsieg gegen den 1. FC Köln (23.06.1973). Links ist noch der Pokal zu sehen. (Foto: Sven Simon)

Günter Netzer nach seinem "Einwechslungs-Triumph"

In 75 Jahren Pokalgeschichte hat es natürlich viele Höhepunkte gegeben, die bis heute unvergessen sind. Die DFB-Pokalgeschichte schlechthin aber hat sich wohl im Finale 1973 abgespielt, als sich am 23. Juni im Düsseldorfer Rheinstadion Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln gegenüberstanden. 1:1 stand es nach der regulären Spielzeit, und auf Gladbacher Seite saß Günter Netzer nur auf der Bank. Trainer Hennes Weisweiler verzichtete zunächst auf seinen Spielmacher, da Netzer in der Woche vor dem Finale aufgrund des Todes seiner Mutter kaum trainiert hatte und somit weder körperlich noch psychisch in optimaler Verfassung war. Für Günter Netzer war es auch im Nachhinein eine an sich richtige Entscheidung, "aber genau das habe ich Weisweiler verübelt. Ich habe gedacht, das müsste er eigentlich besser wissen. Da alles gegen mich spricht, müsste er mich eigentlich aufstellen, weil er weiß, was in diesen Fällen passiert ist."

Und so kam es, wie es kommen musste, um Fußballgeschichte zu schreiben. Nachdem Netzer sich zu Beginn der Verlängerung kurzerhand selbst eingewechselt hatte, erzielte er drei Minuten später mit seinem zweiten Ballkontakt den 2:1-Siegtreffer. Weisweiler wurde zur tragischen Figur, Netzer zum gefeierten Helden.

Das beste Pokalspiel aller Zeiten

Olaf Thon, 1988 im Trikot der deutschen Nationalmannschaft (Foto: dpa)

Der junge Olaf Thon im Trikot der Nationalmannschaft

Ein gefeierter Held war elf Jahre später auch ein junger Spieler namens Olaf Thon. Einen Tag nach seinem 18. Geburtstag traf er am 2. Mai 1984 mit dem damaligen Zweitligisten FC Schalke 04 im Halbfinale auf den FC Bayern München. Es entwickelte sich eines der unterhaltsamsten Pokalspiele aller Zeiten, an dessen Ende ein 6:6 nach Verlängerung auf der Anzeigetafel stand. Erheblichen Anteil daran hatte Olaf Thon, dem in diesem Spiel gleich drei Treffer gelangen – der wichtigste in der letzten Minute der Verlängerung, als er zum Endstand ausgleichen konnte: "Das war wie ein Traum. Es gab auch im Prinzip als einzelnes Spiel kein besseres Spiel mehr. Obwohl noch Highlights dabei waren, wie das WM-Halbfinale England, wie eine Meisterschaft oder der UEFA-Pokalsieg. Als Gesamtes war das sicherlich auch sehr schön. Aber dieses einzelne Spiel, das war wie ein Traum."

Dieser Traum war für Olaf Thon und seine Schalker allerdings im seinerzeit noch ausgetragenen Wiederholungsspiel in München beendet. Die Bayern gewannen mit 3:2, zogen ins Finale ein, trafen auf Borussia Mönchengladbach und setzten sich letztlich mit 8:7 durch. Es war das erste DFB-Pokalendspiel, das im Elfmeterschießen entschieden wurde.

Kuriositäten und Besonderheiten

Neben all den sportlichen Geschichten gab es aber auch einige Kuriositäten. So trafen 1983 zum bislang einzigen Mal im Finale zwei Mannschaften aus einer Stadt aufeinander. Am Ende setzte sich der favorisierte 1. FC Köln gegen die Fortuna aus der 2. Liga knapp mit 1:0 durch.

Blick auf das Olympiastadions in Berlin (Foto: AP)

Seit 1985 finden die Pokalendspiele immer im Berliner Olympiastadion statt

Knapp, aber wesentlich torreicher war da schon das Erstrundenduell 1995 zwischen dem damaligen Oberligisten SV Sandhausen und dem VfB Stuttgart. Die Entscheidung in diesem Spiel fiel im längsten Elfmeterschießen der Pokalgeschichte, in dem sich der Underdog schließlich mit 13:12 durchsetzte. Im selben Jahr gewann indes der 1. FC Kaiserslautern den Pokal durch einen 1:0-Sieg im Finale gegen den Karlsruher SC. Einmalig daran war, dass die Pfälzer eine Woche zuvor aus der 1. Liga abgestiegen waren - es ist bislang das einzige Mal gewesen, dass ein Absteiger DFB-Pokalsieger wurde.

Einmalig war auch das Zweitrundenspiel in der Saison 2000/2001 zwischen den Profis und Amateuren des VfB Stuttgart, das die Profis am Ende mit 3:0 gewannen. Der DFB änderte daraufhin die Regeln, so dass mittlerweile nur noch eine Mannschaft eines Vereins am Pokalwettbewerb teilnehmen darf.

Mal sehen, was der aktuelle Pokalwettbewerb noch für Überraschungen, Sensationen oder Kuriositäten bereithält. Momentan dürfen jedenfalls noch 16 Mannschaften vom Finale träumen, das am 21. Mai 2011 im Berliner Olympiastadion ausgetragen wird.

Autor: Torsten Ahles
Redaktion: Arnulf Boettcher

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