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Asien

70 Tote bei neuem Merapi-Ausbruch

Es war die schwerste Eruption des Vulkans auf Java seit 80 Jahren. Noch in 18 Kilometer Entfernung gingen glühende Asche und Geröll auf Mensch und Tier nieder. Wann der Merapi wieder Ruhe gibt, ist nicht abzusehen.

Der Merapi-Ausbruch vom 4. November 2010 (Foto: AP)

Der bisher schwerste Ausbruch des Vulkans in Indonesien

Bei dem neuen Ausbruch des Vulkans Merapi auf der indonesischen Insel Java sind am Freitag (05.11.2010) nach Krankenhausangaben rund 70 Menschen ums Leben gekommen. Wie ein Sprecher des Sarjito-Krankenhauses in der Stadt Yogyakarta sagte, wurden mehr als 70 Menschen verletzt. Sie erlitten in erster Linie Verbrennungen oder mussten wegen Atemproblemen behandelt werden.

Der Vulkan hatte um kurz nach Mitternacht wieder glühende Asche und Geröll bis zu einem Kilometer in die Luft und rund 18 Kilometer weit geschleudert. Die Asche ging auf den Hängen nieder und verbrannte Menschen, Häuser und Felder. Anwohner und Helfer rannten um ihr Leben.

Rettungskräfte vermuten, dass unter den Opfern vor allem Kinder aus dem Dorf Argomulyo sind. "Argomolyo brannte vollständig nieder", so der Polizeiarzt Teguh Dwi Santosa. "Als ich in dem Dorf war, war der Boden noch heiß." Der schwere Ausbruch mitten in der Nacht habe Panik unter den Anwohnern des Merapi ausgelöst, sagte der Koordinator der Rettungsmaßnahmen, Widi Sutikno. "Alle zur Verfügung stehenden Verkehrsmittel wurden genutzt, um die Menschen in Sicherheit zu bringen."

100.000 Menschen in Notunterkünften

Das Sperrgebiet um den Merapi wurde nach dem jüngsten Ausbruch von 15 auf 20 Kilometer erweitert, die Anwohner mussten ihre Häuser verlassen. Damit stieg die Zahl der in Notunterkünften untergebrachten Menschen seit Mittwoch von 75.000 auf 100.000. "Die Notunterkünfte sind jetzt überfüllt", sagte Sutikno.

Foto einer toten Kuh im besonders betroffenen Dorf Argomolyo (Foto: AP)

Ein Bild des Schreckens aus dem hart getroffenen Dorf Argomolyo

Seit dem ersten Ausbruch am 26. Oktober, als 36 Menschen am Merapi starben, spuckte der rund 2900 Meter hohe Vulkan immer wieder Asche und Lava. Der Ausbruch am Freitag war jedoch nach Angaben des Chefgeologen des indonesischen Energieministeriums, Raden Sukhyiar, der bisher stärkste. Mehr noch: Es sei die heftigste Eruption seit dem Merapi-Ausbruch von 1930 gewesen. Dieser Katastrope waren mehr als 1300 Menschen zum Opfer gefallen, 13 Dörfer wurden zerstört.

Mehr als 500 Tote durch Merapi und Tsunami

Wegen der Aschewolken über dem Vulkan ist der Überflug über das Gebiet derzeit verboten. Das Verkehrsministerium forderte Piloten auf, mindestens zwölf Kilometer Abstand zu halten. Der Flughafen in Yogyakarta wurde vorübergehend geschlossen.

Die Ausbrüche des Merapi haben bislang mehr als 110 Menschen das Leben gekostet. Der erste Ausbruch am 26. Oktober folgte einen Tag nach einem schweren Erdbeben, das sich westlich der Insel Sumatra ereignete und einen Tsunami auslöste. 428 Menschen kamen ums Leben, 15.000 Menschen wurden obdachlos. Besonders betroffen waren die Mentawai-Inseln westlich von Sumatra.

Autor: Stephan Stickelmann (afp, rtr, dapd, dpa)
Redaktion: Herbert Peckmann

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