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Afrika

70 Jahre und kein bisschen müde

Seit 3 Jahrzehnten prangert Rupert Neudeck unermüdlich globale Missstände an, organisiert Hilfe, ruft politisch Verantwortliche zur Vernunft. Immer wieder engagiert er sich auch für Afrika. Am Donnerstag wurde er 70.

Rupert Neudeck fordert Hilfe (Foto: AP)

Rupert Neudeck engagiert sich für Flüchtlinge in Afrika

Viele Fernsehzuschauer kennen ihn als eindringlichen Mahner, der vor der staubigen Kulisse einer afghanischen Hügelkette oder aus einem sudanesischen Flüchtlingslager über die Menschenrechtssituation vor Ort berichtet. Seit 1979 ist Neudeck einem breiten Publikum bekannt. Mit einem Hilferuf für vietnamesische Bootsflüchtlinge rüttelte er damals die Öffentlichkeit wach. Durch Spenden charterte er den Frachter Cap Anamur und zog mit seinen Helfern in den Folgejahren fast 10.000 Menschen aus dem südchinesischen Meer.

Gründer von "Cap Anamur"

Das Rettungsschiff Cap Anamur (Foto: dpa)

Rettungseinsätze für Flüchtlinge - das Schiff "Cap Anamur"

Es entstand die Organisation "Cap Anamur", die sich für schnelle und unbürokratische Hilfe in den schlimmsten Krisenregionen der Welt einsetzte. Lange Jahre lang steuerte Neudeck die weltweiten Hilfseinsätze von seinem Reihenhäuschen in Troisdorf bei Bonn, das als Zentrale fungierte. 2003 zog er sich von "Cap Anamur" zurück. Seitdem fungiert sein Domizil bei Bonn als Sitz der "Grünhelme", der Organisation, die er anschließend gründete.

Kritischer Blick

Neudeck ist ein gründlicher Kenner und stetiger Kritiker der deutschen Entwicklungshilfe. Im Herbst 2008 forderte er eine Abkehr der staatlichen Entwicklungszusammenarbeit mit Afrika. Es sei bislang nicht gelungen, dem Kontinent zu einem selbsttragenden wirtschaftlichen Fortschritt zu verhelfen. Die Gelder hätten die führenden Eliten zu ihrem eigenen Nutzen verwendet. "Entscheidend bleibt, dass die Eliten in Afrika nicht weiter so selbstvergessen agieren dürfen, wie sie es in den letzten 15 Jahren getan haben", sagte Neudeck in einem Gespräch mit der Deutschen Welle.

Einsatz für Flüchtlinge

Flüchtlinge auf Cap Anamur

Afrikanische Flüchtlinge an Bord der "Cap Anamur"

Auch der europäischen Flüchtlingspolitik steht der Menschenrechtler kritisch gegenüber. Von der Abschottungspolitik, wie sie zum Beispiel den vielen afrikanischen Bootsflüchtlingen gegenüber betrieben wird, hält er wenig. Die Flüchtlinge hätten ein legitimes und legales Ziel. "Die jungen Menschen suchen mit geballten Fäusten nach einem Leben mit Perspektive. Das haben unsere Vorväter vor zwei Jahrhunderten auch schon getan."

Ruhestand - was ist das?

Rupert Neudeck (Foto: picture)

Will noch lange mitmischen -Rupert Neudeck

Trotz seiner 70 Jahre fühlt sich Rupert Neudeck noch kein bisschen müde. Ob er an Ruhestand denke? "Ich weiß gar nicht was das ist", sagte er im Deutsche Welle-Interview. "Aber es sei denen vergönnt, die so was mögen." Für den Cap-Anamur-Gründer kommt das jedenfalls noch lange nicht in Frage. Er hat noch viele Pläne, auch in Afrika. Gerade ist er dabei mit seiner Organisation "Grünhelme" Schulen in der Region der großen Seen aufzubauen.

Autorin: Katrin Ogunsade (epd, kna)

Redaktion: Klaudia Pape



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