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Politik

7. Juli 2005: Protokoll der Anschlagsserie in London

Kurz vor 8 Uhr UTC explodierten in London die Bomben. Zunächst war von einem Unfall die Rede - ab 10 Uhr war klar, dass es sich um einen Anschlag handelte. Die Chronologie aus dem Live-Ticker von DW-WORLD.DE.

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10:00 UTC
Politiker: "Großer Terroranschlag"
Die Explosionen in Londoner Bussen und Bahnhöfen waren nach Angaben eines führenden britischen Politikers ein "großer Terroranschlag". Der innenpolitische Sprecher der oppositionellen Konservativen, Alan Duncan, sagte am Donnerstag, es sei nun klar, dass es um Terroranschläge gehe: "Dies ist der ultimative Albtraum."

10:03 UTC
Die Lage in London im Überblick
Explosionen in mehreren Bahnhöfen und drei Bussen haben London am Donnerstag im Chaos versinken lassen. Eine noch unbekannte Zahl von Menschen wurde verletzt. Der gesamte U-Bahn- Verkehr wurde stillgelegt. Die Londoner Polizei Scotland Yard teilte mit, die Ursache der Explosionen sei noch unklar. Allerdings verdichteten sich Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Die Terror-Spekulationen ließen die Aktienkurse in Deutschland und Europa in den Keller gehen. Mitglieder der Bahngewerkschaft berichteten, in einem der Bahnhöfe sei ein Sprengsatz gefunden worden. Die Bahnpolizei nannte dagegen Kurzschlüsse als wahrscheinliche Ursache. Die Polizei bestätigte auch eine Explosion in einem Doppeldeckerbus. Nach Informationen des Nachrichtensenders "Sky News" gab es Explosionen in drei Bussen. Bahnhöfe wurden geräumt, Hunderte von Feuerwehrautos und Krankenwagen fuhren vor. Notärzte behandelten auf der Straße Verletzte, Notzelte wurden aufgebaut. Der britische Premierminister Tony Blair ließ sich beim G8-Gipfel in Gleneagles über das Geschehen unterrichten.

10:11 UTC
Minister: Mindestens 90 Verletzte in einem Bahnhof
Bei den Terroranschlägen in der britischen Hauptstadt London sind nach Polizeiangaben allein im Bahnhof Aldgate 90 Menschen verletzt worden. Der britische Innenminister Charles Clarke sprach von "furchtbaren Verletzungen". Der gesamte Bahn- und U-Bahn-Verkehr wurde lahmgelegt.

10:12 UTC
Offenbar koordinierte Serie von Anschlägen
Die Polizei bestätigte nach einem Bericht des Senders "Sky News", dass die Explosion des Busses auf eine Bombe zurückgehe. Terrorexperten im britischen Fernsehen sagten, es gehe offenbar um eine überaus genau koordinierte Serie von Anschlägen auf zivile Ziele.

10:16 UTC
Auch Bus-Verkehr eingestellt
Nach der U-Bahn wurde in London auch der Bus-Verkehr eingestellt. In mindestens drei Bussen kam es nach Polizeiangaben während der Hauptverkehrszeit zu Explosionen. In einem Fall wurde das Oberdeck eines Doppeldeckerbusses völlig zerstört, wie ein Augenzeuge berichtete.

10:21 UTC
Polizei spricht von sechs Explosionen
Ein Sprecher der Londoner Polizei spricht auf BBC von mindestens sechs Explosionen. Die Einwohner Londons werden gebeten, zuhause zu bleiben.

10:27 UTC
Schweigeminute im Europa-Parlament
Mit einer Schweigeminute hat das Europaparlament am Donnerstag der Opfer der Terroranschläge in London gedacht. "Wir haben es mit einer Menge Todesopfer zu tun", sagte Parlamentspräsident Josep Borrell in Straßburg vor den Abgeordneten. "In jeder Minute gibt es neue Berichte über Todesopfer." Die britische Bevölkerung solle wissen: "Wir stehen bei Ihnen. Und wir werden es niemals zulassen, dass die Grausamkeit des Terrorismus über die Werte von Frieden und Demokratie siegt."

10:29 UTC
Nachrichtensender: Armee rückt in London ein
Einheiten der britischen Streitkräfte rücken nach Informationen des Nachrichtensenders "Sky News" in London ein. Wie der Sender am Donnerstag weiter meldete, sollen sie an zentralen Plätzen der Stadt nach den sechs Explosionen für Ordnung und Sicherheit sorgen.

10:35 UTC
Terror-Experte: Hinweise auf El-Kaida-Anschlag
Der Terrorismus-Experte Rolf Tophoven sieht in den Explosionen in der Londoner Innenstadt mögliche Hinweise auf einen Anschlag einer islamistischen Gruppierung. Die Gleichzeitigkeit und die Auswahl von Verkehrsmitteln wie U-Bahnen und Bussen als Ziel würden für das Terrornetzwerk El-Kaida oder eine ähnliche Gruppe sprechen, sagte Tophoven am Donnerstag der Nachrichtenagentur AP. "Bei mehreren Explosionen an mehreren Orten in einer Stadt ist von einem Anschlag auszugehen", sagte Tophoven. Eine endgültige Einschätzung, ob die Explosionen absichtlich herbeigeführt wurden und es sich um einen Anschlag handelt, könne aber zunächst nicht getroffen werden. Es gäbe mehrere Motive für einen Anschlag in Großbritannien für islamistische Gruppen.

10:44 UTC
Polizei: Mindestens zwei Tote, 90 Verletzte
Bei der Serie von Terroranschlägen im Zentrum von London sind mindestens zwei Menschen ums Leben gekommen. Etwa 90 weitere wurden verletzt. Das bestätigte die Polizei. Die meisten Opfer gab es an der U-Bahnstation Aldgate East im Finanzzentrum der Stadt. Vor den Anschlägen gab es keinerlei Warnung.

10:47 UTC
Panikverkäufe: Ölpreis sinkt um vier Dollar
Die Explosionen in London haben am Ölmarkt nach Angaben von Händlern Panikverkäufe ausgelöst und den Ölpreis um mehr als vier Dollar je Barrel gedrückt. Die führende Nordsee-Ölsorte Brent verbilligte sich nach den Explosionen um 4,18 Dollar auf 55,67 Dollar, und der Preis für US-Leichtöl ging um 3,90 Dollar auf 57,38 Dollar zurück. Hintergrund seien Befürchtungen über negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaften, hieß es.

10:53 UTC
Scotland Yard: Explosionen in einem Bus und fünf U-Bahnhöfen
Wie ein Sprecher von Scotland Yard bestätigte, ereigneten sich die Zwischenfälle in mindestens einem Bus und fünf U-Bahnhöfen, darunter Edgware Road, Kings Cross und Aldgate East. Der Sprecher appellierte an alle Londoner, vorerst auf unnötige Fahrten in London zu verzichten, um die Rettungsarbeiten nicht zu behindern. Der gesamte öffentliche Verkehr sei zusammengebrochen. Die Krankenhäuser wurden in höchste Alarmbereitschaft versetzt.

10:56 UTC
G8-Gipfel wird fortgesetzt
Trotz der Serie von Explosionen in London wird der G8-Gipfel im schottischen Gleneagles fortgesetzt. Das erfuhr die Deutsche Presse-Agentur (dpa) am Donnerstag aus G8-Kreisen.

10:58 UTC
BKA: Keine Maßnahmen in Deutschland
Das Bundeskrimminalamt versucht nach den Explosionen in London in Gesprächen mit Sicherheitsbehörden in der britischen Hauptstadt die Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Deutschland einzuschätzen. Konkrete Maßnahmen seien bisher nicht ergriffen worden, teilte BKA-Sprecher Dirk Büchner am Donnerstag in Wiesbaden mit. Auch über ein Krisentreffen mit dem Innenministerium habe er bisher keine Kenntnis. «Wir versorgen uns momentan mit sicherheitsrelevanten Informationen aus London, um den Vorfall besser einschätzen zu können», sagte der Sprecher. Es gebe einen englischen Verbindungsbeamten beim BKA in Wiesbaden, ein deutscher Kollege sei in Großbritannien vor Ort. Welche Maßnahmen das BKA unter Umständen in Deutschland ergreifen könne, wollte der Sprecher nicht sagen.
11:01 UTC
Krankenhaussprecher: Mehr als hundert Verletzte
Der Sprecher des Royal London Hospital berichtet von mehr als hundert Verletzten alleine in seinem Krankenhaus

11:02 UTC
Blair: Terroranschläge
Der britische Premierminister spricht vor der Presse in Gleneagles von einer Serie von Terroranschlägen

11:04 UTC
Blair verlässt Gleneagles
Der britische Premier kündigt an, den G8-Gipfel zu verlassen, am Abend aber wieder zurückzukehren

11:09 UTC
Keine Auswirkungen auf den Luftverkehr
Die Anschläge von London haben keine Auswirkungen auf den Luftverkehr zwischen Großbritannien und Deutschland. Der Flugverkehr verlaufe normal und es gebe auch keine Hinweise auf geplante Terrorakte auf Flugzeuge, sagte ein Sprecher der Deutschen Flugsicherung am Donnerstag in Langen bei Frankfurt. Auch eine Sprecherin des größten deutschen Flughafens in Frankfurt sagte, die Anschläge hätten keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb.

11:11 UTC
Krisenstab in deutscher Botschaft eingerichtet
Das Auswärtige Amt hat unmittelbar nach Bekanntwerden der Explosionsserie einen Krisenstab in der deutschen Botschaft in London eingerichtet. Über mögliche Opfer und deren Nationalität lägen aber keine Erkenntnisse vor, erklärte eine Sprecherin des Außenamts. Minister Joschka Fischer habe von Berlin aus sofort mit der Botschaft in London Kontakt aufgenommen. Das Auswärtige Amt stehe über die deutsche Botschaft in engem und ständigen Kontakt mit den britischen Behörden, sagte die Sprecherin. Im Ministerium selbst befasse sich das ständig arbeitende Krisenreaktionszentrum mit den Vorgängen.

11:14 UTC
BBC: Noch immer Eingeschlosssene
Der britische Sender berichtet, dass in der U-Bahn-Station King`s Cross noch immer Menschen eingeschlossen sind

11:16 UTC
Polizei: Sieben Explosionen
Die Polizei in London spricht nun von sieben Explosionen

11:18 UTC
Paris verschärft Sicherheitsmaßnahmen
Nach den Anschlägen in London hat Frankreich die Sicherheitsmaßnahmen verschärft. Premierminister Dominique de Villepin rief am Donnerstag nach einer Krisensitzung des Kabinetts die zweithöchste Stufe Rot des Katastrophenplans aus. "Das ist ein Drama für ganz Europa", sagte Villepin. Frankreich stehe bereit, um dem britischen Volk und London jegliche Hilfe zu geben.

11:28 UTC
IOC: Kein Zusammenhang mit Olympia-Bewerbung
Zwischen den Terroranschlägen und Londons Wahl zur Olympia-Stadt 2012 besteht nach der gegenwärtigen Einschätzung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) "in keinster Weise ein Zusammenhang". Das teilte Mediendirektorin Giselle Davies in Singapur im Auftrag von IOC-Präsident Jacques Rogge mit. Rogge bemühe sich gegenwärtig, um Premierminister Tony Blair und Londons Bürgermeister Ken Livingstone seine "Kondolenz und Sympathie" auszudrücken.

11:31 UTC
Wirtschaftliche Auswirkungen begrenzt
Die Explosionsserie in London dürfte nach Einschätzung von Volkswirten nur begrenzte Folgen für die Wirtschaft haben. Der Chefvolkswirt der HypoVereinsbank Jörg Krämer sagte, trotz der schrecklichen Ereignisse vertraue er darauf, dass die britische Wirtschaft - und damit die Lebensgrundlage der Menschen - nicht aus der Bahn geworfen werde. Dabei verwies er auf die US-Wirtschaft, die bereits kurz nach den Anschlägen in New York im September 2001 wieder kräftig gewachsen sei. Nach den Anschlägen in New York hatten Zentralbanken allerdings als Stimulus für die verunsicherte Wirtschaft die Zinsen gesenkt.

11:34 UTC
Barroso: "geschockt"
EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso hat "tief geschockt und entsetzt" auf die Anschläge in London reagiert. Barroso habe den Familien der Opfer die Solidarität und Unterstützung der Kommission zugesichert, sagte eine Sprecherin der Behörde in Brüssel. Barroso hält sich derzeit beim G8-Gipfel im schottischen Gleneagles auf.

11:36 UTC
TV-Sender: Selbstmordattentäter sprengte Bus
Ein Selbstmordattentäter hat nach Informationen des Nachrichtensenders Sky News einen der Anschläge in London verübt. Wie der Sender am Donnerstag weiter meldete, sprengte er einen Bus in die Luft.

11:38 UTC
G8 kündigen Stellungnahme an
Die G8-Staaten wollen auf ihrem Treffen im schottischen Gleneagles in einer gemeinsamen Erklärung Stellung zu den Anschlägen in London nehmen. Dies sagte ein Mitglied der kanadischen Delegation. Der Gipfel der sieben führenden Industrienationen und Russlands (G8) solle aber trotz der Anschläge fortgesetzt werden. Der britische Premier Tony Blair wollte allerdings seinen Aufenthalt unterbrechen und nach London fliegen.

11:41 UTC
Blair: "Es ist barbarisch ..."
Der britische Ministerpräsident Tony Blair sagte über die Anschläge unter anderem: "Es ist besonders barbarisch, dass dies an einem Tag passiert, an dem sich Menschen treffen, um bei den Problemen der Armut in Afrika zu helfen. ... Es ist inzwischen klar, dass dies ein Terrorakt oder eine Reihe von Terroranschlägen ist, und es ist jetzt klar, dass sie geplant waren und darauf abzielten, mit dem Beginn des G8-Treffens zusammenzufallen. ... Wir haben die Entschlossenheit, unsere Häuser und unseren Lebensstil zu verteidigen. Sie ist stärker als deren Entschlossenheit, Tod und Zerstörung über unschuldige Menschen zu bringen in der Absicht, der Welt den Extremismus aufzuzwingen. ... Wir sind entschlossen, dass es ihnen niemals gelingt, das zu zerstören, was uns lieb ist in unserem Land und in anderen zivilisierten Nationen in der Welt."

11:44 UTC
Krisenstab in deutscher Botschaft in London
Das Auswärtige Amt hat unmittelbar nach Bekanntwerden der Explosionsserie einen Krisenstab in der deutschen Botschaft in London eingerichtet. Über mögliche Opfer und deren Nationalität lägen aber keine Erkenntnisse vor, erklärte eine Sprecherin des Außenamts in Berlin.

11:52 UTC
Zwischenbilanz: Zwei Tote, 185 Verletzte
Bei den Anschlägen in London sind nach Angaben von Polizei und Ärzten mindesten zwei Menschen getötet und 185 verletzt worden. Die beiden Todesopfer habe es bei der Explosion im U-Bahnhof Aldgate East gegeben. Eine Ärztin sagte, dabei seien auch mindestens 90 Menschen verletzt worden. Das Royal-London-Krankenhaus im Osten der Stadt sprach von 95 Verletzten. Davon seien sieben in einem kritischen Zustand. Mehrere weitere Krankenhäuser teilten mit, es seien Verletzte eingeliefert worden, nannten jedoch keine Zahlen.

11:53 UTC
Radikale Moslems bekennen sich zu Anschlägen
Zu den Anschlägen hat sich einer italienischen Nachrichtenagentur zufolge eine bislang unbekannte Gruppe im Namen der radikalen Moslem-Gruppe Al-Kaida bekannt.

12:02 UTC
Innenministerium bestätigt vier Anschläge
Das britische Innenministerium hat vier Terroranschläge in London bestätigt. Innenminister Charles Clarke sagte im Unterhaus, drei Anschläge hätten U- Bahnstationen gegolten. Eine Explosion habe einen Bus zerstört. Die Attacken seien koordiniert gewesen.

12:07 UTC
Weltweit Terroralarm
Die Anschlagsserie in London hat weltweit Terrorangst ausgelöst. Die französische Regierung hob den Terroralarm unmittelbar nach den Explosionen am Donnerstagmorgen auf die zweithöchste Stufe. In Washington wurden bewaffnete Beamte mit Spürhunden in die U-Bahnen geschickt. Auch in Berlin wurden die Sicherheitsvorkehrungen verschärft. Es liege zwar keine aktuelle Bedrohungslage vor, teilten die Berliner Verkehrsbetriebe mit. Vorbeugend sei aber die Sicherheitsstufe "gelb" ausgerufen worden, die zweithöchste. Das Personal in U-Bahnen und Bussen ist somit alarmiert, auf herrenloses Gepäck und verdächtige Gegenstände zu achten. Überdies wurde das Sicherheitspersonal in den Zügen verstärkt. Der französische Ministerpräsident Dominique de Villepin ordnete an, die Warnstufe "rot" auszurufen.

12:15 UTC
Gemeinsame Erklärung der G8
Die G8-Staats- und Regierungschefs haben die Terroranschläge in London aufs Schärfste verurteilt. Gemeinsam mit dem britischen Premier und Gastgeber Tony Blair traten sie am Donnerstag im schottischen Gleneagles vor die Presse. "Der Terror wird nicht gewinnen", sagte Blair im Namen der Gipfelrunde. Flankiert von den Gipfelteilnehmern sagte Blair, der Terror werde keinen Erfolg haben, auch wenn die Täter Leben zerstörten. Die Gipfelteilnehmer "verurteilen aufs Schärfste diese barbarischen Anschläge", sagte Blair vor seinem Abflug nach London. Die in London zu Tage getretene Gewalt werde den G-8-Gipfel nicht stoppen. "Wir werden unsere Beratungen im Interesse einer besseren Welt fortsetzen."

12:24 UTC
Papst spricht Beileid aus
Papst Benedikt XVI. hat den Angehörigen der Opfer der Terroranschläge in London sein Beileid ausgesprochen. Er habe die Nachrichten aus Großbritannien "mit Schmerz verfolgt" und verurteile "die Attentate als unmenschliche und unchristliche Handlung", hieß es in einem an den Erzbischof von London, Murphy O'Connor, gerichteten Telegramm. Er bitte ihn darum, den Angehörigen der Opfer seine Anteilnahme an ihrem Schmerz auszudrücken.

12:27 UTC
El-Kaida-Bekennerschreiben - Echtheit unklar
Kurz nach den Bombenanschlägen in London ist am Donnerstag ein Bekennerschreiben im Namen des Terrornetzwerks El Kaida aufgetaucht. In dem Schreiben, das in einem Islamisten-Internetforum veröffentlicht wurde, heißt es unter anderem, die Anschläge sollten die "Kreuzfahrer-Regierung" Großbritanniens wegen ihres Truppeneinsatzes in Afghanistan und im Irak treffen. Die Echtheit des Schreibens konnte nicht überprüft werden.

12:35 UTC
Reaktion von Bundeskanzler Schröder: "Terrorismus gemeinsam bekämpfen"
Bundeskanzler Gerhard Schröder hat mit "größter Betroffenheit" auf die Anschläge in London reagiert. "Diese heimtückischen Taten, die Leben und Gesundheit vieler Unschuldiger kosteten, wird von mir wie von allen Teilnehmern des G8- Gipfels auf das schärfste verurteilt", hieß es in einer schriftlichen Erklärung des Kanzlers. "Wir sind uns einig, dass die internationale Staatengemeinschaft alles tun muss, den Terrorismus mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln gemeinsam zu bekämpfen."

12:42 UTC
Eichel rät zur Besonnenheit
Die Weltwirtschaft wird nach Einschätzung von Finanzminister Hans Eichel trotz der Terroranschläge in London "nicht aus den Fugen geraten". Er riet am Donnerstag in Berlin dazu, auf die Börsenkurseinbrüche besonnen zu reagieren. Es sei falsch, jetzt "durch falsches Handeln und durch panische Reaktionen dazu beizutragen, dass die Situation aus dem Ruder gerät", sagte der SPD-Politiker. Die Ausschläge an den Märkten seien nicht überraschend. Die Finanzminister und Notenbankchefs der G-7-Staaten stünden in Kontakt und beobachteten die Märkte.

12:58 UTC
Bush: "Krieg gegen den Terrorismus geht weiter"
US-Präsident George W. Bush hat den Willen der G8-Gipfelteilnehmer betont, sich nicht von Terroristen im Ringen um "eine bessere und humanere Welt abbringen zu lassen". Die blutigen Anschläge von London zeigten auch, dass "der Krieg gegen den Terrorismus weiter geht", sagte Bush am Donnerstag in Gleneagles. Er sei von der Entschlossenheit der G8-Gipfelteilnehmer, sich nicht von den Terroranschlägen beeinflussen zu lassen, tief beeindruckt gewesen.

13:12 UTC
Schily-Aussage vor Visa-Ausschuss nach Anschlägen verschoben
Die für Freitag geplante Aussage von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) vor dem Visa-Untersuchungsausschuss des Bundestages wird wegen der Anschläge verschoben. "Wir sind uns alle einig - morgen nicht", sagte der Ausschussvorsitzende Hans-Peter Uhl (CSU). Angestrebt werde ein neuer Termin in der kommenden Woche. Schily will sich in Kürze zu den Anschlägen äußern.

13:18 UTC
Putin: "Alle Staaten vereinen im Kampf gegen den Terrorismus"
Der russische Präsident Wladimir Putin hat die Anschläge in London scharf verurteilt und zum gemeinsamen Kampf gegen den internationalen Terrorismus aufgerufen. "Wenn solche unmenschlichen Verbrechen geschehen, ob in London, New York oder Moskau, müssen wir diese vorbehaltlos verurteilen und alle zivilisierten Staaten im Kampf gegen den internationalen Terrorismus vereinen", so ein Sprecher Putins, der die Stellungnahme auf dem G-8-Gipfel im schottischen Gleneagles verlas.

13:24 UTC
Bestürzung beim IOC
Beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) in Singapur macht sich nach den Anschlägen Bestürzung und Verzweiflung breit. Londons Bewerbungskomitee sei "völlig am Boden zerstört", betonte dessen internationaler Direktor Keith Mills. Am Mittwoch hatte London den Zuschlag für die Olympischen Sommerspiele 2012 bekommen. Die Briten hatten den Triumph über Paris bis in den Donnerstagmorgen hinein gefeiert. "Nun müssen wir feststellen, dass auch London nicht sicher ist. Und dabei sind wir davon ausgegangen, unsere Stadt hat das beste Sicherheitssystem der Welt", so Mills weiter. Bürgermeister Ken Livingstone sagte unter Tränen: "Gestern habe ich dem IOC gesagt, London ist durch seine Bevölkerung vereint. Sie lebt in Harmonie friedlich zusammen." Daran habe sich nichts geändert. "Hinter dem Terror steckt keine Ideologie. Das ist auch kein pervertierter Glaube. Das ist Massenmord."

13:25 UTC
Verstärkte Sicherheitsmaßnahmen in US-Großstädten
Nach den Terroranschlägen in London sind in den US-Großstädten die Sicherheitsmaßnahmen in den U-Bahnen verstärkt worden. In den New Yorker Bahnen seien zusätzliche Sicherheitsbeamte im Einsatz, die nach Bomben suchten, berichtete der Sender CBS am Donnerstag. Hunderttausende Fahrgäste im morgendlichen Berufsverkehr wurden zu besonderer Vorsicht aufgerufen. Die Washingtoner Polizei verstärkte ebenfalls die Sicherheitsvorkehrungen. Auf der Straße seien mehr Beamte im Einsatz, in der U-Bahn zusätzliche Überwachungskameras aktiviert worden, sagte der Washingtoner Polizeichef Charles Ramsey. Es handele sich um reine Vorsichtsmaßnahmen. Er rief die Bevölkerung aber auf, alles Verdächtige sofort zu melden.

13:28 UTC
Interpol sichert Hilfe bei Aufklärung der Anschläge zu
Die internationale Polizeiorganisation Interpol hat nach den Anschlägen in London ihre "volle Mitarbeit" zugesichert. Die über 180 nationalen Büros der Organisation würden alle Informationen in Verbindung mit den Anschlägen mit "höchster Priorität" weiterleiten, sagte Interpol-Generalsekretär Ronald Noble am Donnerstag in Lyon. Geprüft würden mögliche Verbindungen zwischen diesen Terroranschlägen und anderen ähnlichen Angriffen weltweit. "Ein Angriff gegen ein Land ist ein Angriff auf alle und die Antwort der Polizei muss international sein", sagte Noble.

13:34 UTC
Terrorismus-Forscher: Anschläge tragen Handschrift von Madrid
Die Bomben-Anschläge von London tragen nach Einschätzung des Essener Terrorismusforschers Rolf Tophoven die Handschrift des Attentats von Madrid im März 2004. Dort starben 191 Menschen bei den von Islamisten verübten Bombenanschlägen auf Nahverkehrszüge. "Die Gleichzeitigkeit der Bomben und die professionelle Ausführung verlangen wie beim Madrider Attentat operatives Know-how", sagte Tophoven am Donnerstag der dpa. London sei ein Zentrum militanter Islamisten", so Tophoven weiter. "Und London ist das ideale Anschlagziel gewesen, weil Blair der engste Partner vom Antiterror-Kämpfer Bush ist und gleichzeitig in Schottland der G8-Gipfel stattfindet." Die Attentäter hätten zeigen wollen, dass sie jederzeit an wichtigen Orten zuschlagen können. Tophoven ist Leiter des Instituts für Terrorismusforschung und Sicherheitspolitik (IFTUS) in Essen.

13:37 UTC
Britische Botschaften sollen nicht stärker gesichert werden als früher
Nach den Terroranschlägen in London werden die Sicherheitsmaßnahmen britischer Einrichtungen im Ausland zunächst nicht verschärft. Das gelte auch für die britische Vertretung in Berlin, wie Botschafter Sir Peter Torry am Donnerstag sagte. "Wir versuchen weiter, die Botschaft als ein offenes Haus zu gestalten." Deshalb könnten weiterhin Fußgänger die Botschaft passieren und auch Besuchergruppen ins Haus. Man müsse die Balance halten zwischen Sicherheit und Öffentlichkeit und dürfe nicht in Panik verfallen.

13:39 UTC
EU will Terror-Reaktionssystem schneller aufbauen
Wegen der Londoner Anschläge beschleunigt die EU-Kommission den Aufbau eines europaweiten Terror-Reaktionssystems. Innenkommissar Franco Frattini kündigte an, die Kommission werde kommende Woche darüber beraten, wie auf Terrrrrrrroranschläge reagiert werden und diese verhindert werden könnten. Die Kommission wolle besonders über den beschleunigten Aufbau eines zentralen Reaktionssystems sprechen. Damit sollten die EU-Staaten schneller und besser koorddiniert auf Anschläge wie die in London reagieren können.

13:41 UTC
Geldmärkte laut Europäischer Zentralbank nicht beeinträchtigt
Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht nach den Terroranschlägen in London die Funktionsfähigkeit der Geldmärkte und Finanzsysteme nicht beeinträchtigt. "Die Zahlungssysteme funktionieren", sagte EZB-Präsident Jean-Claude Trichet am Donnerstag in Frankfurt. "Wir glauben nicht, dass diese Ereignisse signifikante Auswirkungen haben können." Die EZB habe Erfahrungen aus den Anschlägen vom 11. September 2001 in New York und werde wachsam sein. "Wir wollen der Anker sein. Das Wichtigste ist, jetzt ruhig Blut zu wahren." 2001 habe die Bank zusätzliche Liquidität bereitgestellt, das sei bislang nicht nötig. Trichet sprach im Namen des EZB-Rates den Briten und der britischen Notenbank tiefes Mitgefühl aus.

13:47 UTC
Unsicherheit über Zahl der Opfer
In London herrscht offenbar Unklarheit darüber, wie viele Menschen bei den Terroranschlägen getötet worden sind. Scotland Yard teilte mit, dass zwei Menschen getötet und mindestens 150 ernsthaft verletzt worden seien. Der Nachrichtensender "Sky News" spricht dagegen unter Berufung auf Polizeiquellen von mindestens 45 Toten. Die Gesamtzahl der Verletzten, so der Fernsehsender, könne bis auf 1000 ansteigen.

13:48 UTC
Arabische Liga verurteilt Anschläge
Die Arabische Liga hat die Bombenanschläge in London verurteilt. "Wir bedauern diese Explosionen, die zahlreiche unschuldige Menschen getroffen haben. Wir lehnen derartige Taten ab, egal ob sie in London stattfinden, oder in einer anderen europäischen oder arabischen Hauptstadt", sagte der Generalsekretär der Arabischen Liga, Amre Mussa, am Donnerstag in Kairo.

13:58 UTC
Fernsehsender: 45 Tote, 1000 Verletzte
Einem Bericht von "Sky TV" zufolge sind mindestens 45 Menschen getötet und 1000 verletzt worden.

14:09 UTC
Zentralrat der Muslime verurteilt Anschläge
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) hat hat die Anschläge in London als "barbarisch" verurteilt. "Wer immer die Hintermänner dieser blutigen Tat sind, im Islam können sie keine Rechtfertigung für ihre Tat finden", erklärte der Vorsitzende Nadeem Elyas am Donnerstag. Er rief die Bevölkerung in Deutschland und Europa auf, "nicht in Pauschalurteile gegenüber dem Islam und den Muslimen zu verfallen."

14:24 UTC
Schily rechnet mit "größerer Zahl von Toten"
Nach den Anschlägen in London ist nach den Worten von Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) mit "einer größeren Zahl von Toten" zu rechnen. Er will an diesem Freitag nach London fliegen. Der Anschlag in London sei nach dem Muster der Anschläge in New York, Madrid und Istanbul verübt worden. In Deutschland gebe es keine verstärkte Gefahrenlage. Dennoch seien die Sicherheitsmaßnahmen erhöht worden.

14:29 UTC
Polizei: Mindestens 33 Tote
Die Londoner Polizei gibt auf einer Pressekonferenz die Zahl der Toten mit mindestens 33 an. Über 350 weitere Menschen seien bei den Anschlägen in der Londoner U-Bahn verletzt worden, darunter 45 schwer, sagte der Sprecher.

14:40 UTC
Keine Erkenntnisse über Art der Anschläge
Die Londoner Polizei hat keine Erkenntnisse, ob die Bomben von Selbstmordattentätern zur Explosion gebracht wurden. Hinweise, dass radioaktiv versuchte Bomben benutzt wurden, lägen nicht vor. Es seien noch keine Verdächtige festgenommen worden, sagte ein Sprecher.

14:53 UTC
Alle U-Bahn-Fahrgäste befreit
Nach Angaben eines Sprechers der Londoner Verkehrsbetriebe sind alle Fahrgäste aus den betroffenen U-Bahn-Stationen befreit.

15:07 UTC
"Schockiert, aber nicht überrascht"
Nach den Terroranschlägen in London hat die Polizei ihre Präsenz deutlich erhöht. Das berichtete ein Polizeisprecher am Donnerstagnachmittag. Er bezifferte die Zahl der verfügbaren Polizisten in der britischen Hauptstadt auf 31 000. Derzeit seien lediglich 1500 Beamte zum Schutz des G8-Gipfels im Luxushotel Gleneagles bei Edinburgh nach Schottland abkommandiert. Die Polizei sei über die Terroranschläge "schockiert, aber nicht überrascht", sagte der Sprecher. Es sei klar gewesen, dass London als bevorzugtes Ziel für einen Terroranschlag in Frage kam. Derzeit gebe es keine Hinweise auf eventuell weitere Sprengsätze, sagte der Polizeisprecher. Züge und Busse würden untersucht, bevor sie wieder eingesetzt werden. (sams)