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Politik

65 Jahre D-Day: Kampf um die freie Welt

Vor 65 Jahren starteten die Alliierten die Invasion in der Normandie. Tausende Soldaten starben bereits am ersten Tag. Andere konnten unverletzt aus dem Atlantik gerettet werden. Einer von ihnen: Grant G. Gullickson.

Schwarz-weiß Bild von 1944: Schiff mit Soldaten (Foto: ap)

Vor 65 Jahren landeten die Alliierten in der Normandie

Es war der Anfang vom Ende Nazideutschlands: Die Invasion der Alliierten am so genannten D-Day. Der heute 88-jährige Grant G. Gullickson war mittendrin im Geschehen: Er war Chefmaschinist auf der USS Corry, einer der Zerstörer der US-Marine, die die Landung vorbereiten und den Soldaten Deckung geben sollten. Doch die Corry wurde bereits am Morgen des D-Days von deutschen Granaten versenkt.

Die Hilfe eines Freundes

Gullickson (Foto: ap)

Mit 23 Jahren diente Gullickson als Chefmaschinist auf der USS Corry

Er habe Glück gehabt, erzählt der 88-Jährige mit den wachen hellen Augen. Er hatte bei dem Durcheinander auf der Corry seine Schwimmweste verloren, aber sein Freund und Kamerad Bernard Peterson wusste, wo er Ersatz finden konnte. Gemeinsam konnten sie das Schiff verlassen und sich an die großen Netze klammern, die an den Rettungsflößen festgemacht waren. Auf den Flößen selbst lagen die Verwundeten.

Bis dahin sei er relativ ruhig gewesen, sagt Gullickson. "Aber als ich im Wasser war und die Granaten um uns herum explodierten, hat mich dann doch die Panik überkommen. Das Wasser war sehr kalt und mit der Zeit konnte ich mich durch die Kälte kaum noch bewegen."

Tote Kameraden

Soldatenfriedhof in der Normandie (Foto: ap)

Tausende Soldaten starben am Tag der Invasion

Schon nach kurzer Zeit zogen ihn die Matrosen der USS Fitch an Bord. Sie waren ihrem Schwesterschiff zu Hilfe geeilt. "Als ich auf der Fitch war, hatten die schon eine ganze Menge Überlebende geborgen", erzählt Gullickson. Sein Freund Bernard Peterson aber lag tot an Deck. Eine Granate hatte ihn tödlich am Kopf verwundet. Gullickson muss schlucken, als er die Namen jener aufzählt, die den Untergang der Corry nicht überlebten.

Grant G. Gullickson wurde zurück in die USA gebracht und kehrte während des Krieges nicht mehr nach Europa zurück. Das Kriegsende erlebte er in Japan.

Weltweit im Krieg

schwarz-weiß Bild von 1944: Soldaten waten durchs Wasser (Foto: ap)

Die Landung in der Normandie war gefährlich

Im Juni 1944 war Gullickson 23 Jahre alt und Chefmaschinist auf dem Zerstörer. Fünf Jahre zuvor hatte er sich zur Marine gemeldet. Er wollte etwas von der Welt sehen und die Marine bot einen sicheren Arbeitsplatz. 30 Jahre diente Gullickson auf acht verschiedenen Schiffen, wurde schließlich Offizier. Während des zweiten Weltkriegs leitete sein Schiff die Invasion vor Nordafrika. Die Jagd nach deutschen U-Booten führte ihn bis vor die Küste Norwegens. Später, im Vietnam-Krieg, diente er auf einem Schiff, das sich im Kampf eine Auszeichnung verdiente.

Die freie Welt in Gefahr

Dass der D-Day ein harter Tag werden würde, erklärt Gullickson, war ihnen damals bewusst. Aber: "Du hast einfach gehandelt. Man hat da nicht groß nachgedacht, sondern einfach gemacht." Die Corry sei untergegangen und sofort habe ein anderes Schiff ihren Platz eingenommen. Mit den Gefallenen sei es genauso gewesen. Die Toten wurden weggeräumt und die nächsten Soldaten rückten nach. Schließlich ging es um viel: "Die freie Welt kämpfte ums Überleben." Kaum vorzustellen, sagt er nachdenklich, wie die Welt aussehen würde, wenn die Alliierten zurückgeschlagen worden wären.

Deutsche Freunde

Gullickson vor alter US-Flagge (Foto: ap)

Gullickson sammelt Erinnerungen an den D-Day

Grant Gullickson hat seit vielen Jahrzehnten ein kleines Haus in Virginia Beach, ganz in der Nähe der Marinebasis Norfolk im US-Bundesstaat Virginia. In den Zimmern finden sich Andenken an die USS Corry: Bilder von ihrem Untergang, die amerikanische Flagge, die sie von dem sinkenden Schiff retten konnten, Fotos von D-Day Gedenktagen und viele Bücher.

Vier Mal ist Gullickson in Frankreich gewesen und er hat Freunde in Deutschland. "Es ist unglaublich, wie sich das Leben in Deutschland und die Ansichten der Deutschen geändert haben", sagt er. "Wenn mir das damals jemand erzählt hätte, hätte ich ihn für verrückt erklärt."

Ein wenig habe auch der Kommandant der Corry, Kapitän George Dewey Hoffman, damals dazu beigetragen, glaubt Gullickson. Denn Hoffman habe die deutschen Kriegsgefangenen immer mit Respekt behandelt und gesagt: "Wir glauben an die freie Welt. Diese Menschen hier gehen nach dem Krieg zurück nach Deutschland. Deswegen müssen wir ihnen vormachen, woran wir glauben."

Dankbar für jeden Tag

Der D-Day habe ihn verändert, sagt Gullickson, er sei nachdenklicher geworden. Doch erst viele Jahre später habe er angefangen, seine Erlebnisse anderen zu erzählen. Jetzt begleiten ihn die Gedanken an den 6. Juni 1944 jeden Tag. Und er danke Gott für jeden neuen Tag, den er erleben dürfe. "Wenn ich morgens aufstehe, schaue ich aus dem Fenster und danke Gott, dass er mich diesen Tag noch erleben lässt. Das mache ich wirklich, jeden Morgen."

Autorin: Christina Bergmann

Redaktion: Anna Kuhn-Osius




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