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Filme

64. Filmfestspiele Cannes

Von Woody Allen bis Lars von Trier - die Weltelite des Kinos trifft sich in Cannes (11.05. - 22.05.2011). Woody Allens "Midnight in Paris" eröffnet die diesjährigen Filmfestspiele.

Szene aus dem Film Midnight in Paris (Foto: Cannes Filmfestival 2011)

Carla Bruni in "Midnight in Paris"

Ein wenig ist es so wie bei der Tour der France. Wie das Radsportspektakel Nummer eins liegen auch die Filmfestspiele in Cannes meilenweit vor der Konkurrenz. Da können sich die Festspiele in Berlin und Venedig noch so sehr mit politischen und künstlerischen Statements bemühen. Die großen nordamerikanischen Festivals schießen Millionen in ihre Veranstaltungen. In Dubai und anderswo werden ganz neue Festivals mit Ölmillionen aus dem Boden gestampft. An Cannes kommt aber auch in diesem Jahr (11.05. bis 22.05.2011) keiner vorbei.

Kunst und Geschäft

Wie die Tour de France bietet das Filmfestival im Süden Frankreichs eine unschlagbare Mischung aus Tradition und Geschichte, aus professionellem Auftritt und knallhartem Geschäft. Es ist wohl auch kein Zufall, dass sich das berühmteste und erfolgreichste Festival gerade in der "Grande Nation" etabliert hat. Der Charme des alten Europa vermischt sich an der Cote d'Azur wie selbstverständlich mit dem globalen Geschäft des Kinos. Nur in Sachen Volksnähe hat die Tour de France die Nase vorn.

Offizielles Plakat des Festivals 2011 (Foto: Cannes Filmfestival 2011)

So wirbt Cannes 2011: Das Plakat

Das dürfte gerade auch im Eröffnungsfilm in diesem Jahr offensichtlich werden. Carla Bruni, die Ehefrau des französischen Staatspräsidenten, spielt mit. Da wird dann selbst der Regisseur des Auftaktfilms "Midnight in Paris", immerhin kein Geringerer als Woody Allen, im Schatten stehen.

Regiegrößen aus Europa

Das Programm der 64. Ausgabe des Festivals hat es in sich - zumindest auf dem Papier. Eine ganze Reihe etablierter internationaler Regiegrößen ist dieses Jahr am Start. Aus Europa kommen neue Filme von Lars von Trier (Dänemark, "Melancholia"), Pedro Almodóvar (Spanien, "La piel que habito"), Aki Kaurismäki (Finnland, "Le Havre"), Nanni Moretti (Italien, "Habemus Papam"), Nuri Bilge Ceylan (Türkei, "Bir zamanlar anadolu'da") und den mehrfachen Palmengewinnern Jean-Pierre und Luc Dardenne aus Belgien ("Le gamin au vélo").

Szene aus dem Film Melancholia (Foto: Cannes Filmfestival 2011)

"Melancholia"

Hollywood ist mit dem inzwischen schon legendären Regisseur Terrence Malick ("The Tree of Life"), Asien unter anderem mit den bekannten japanischen Filmemacher Takashi Miike ("Ichimei") dabei. Frankreich wird traditionell gleich mit mehreren Filmen vertreten sein, dazu kommen einige Überraschungen wie das Debüt des jungen Österreichers Markus Schleinzer ("Michael"). Deutschland wurde wie in den letzten Jahren schon so oft stiefmütterlich behandelt und kaum berücksichtigt. In der Nebenreihe "Un Certain Regard" darf immerhin Andreas Dresen seinen neuen Film "Halt auf freier Strecke" präsentieren, ein Drama um Krebs und den Umgang mit dem Tod.

Der Kampf um die Macht in Paris

Mit Spannung erwartet wird natürlich auch der französische Streifen "La Conquête", der außer Konkurrenz läuft und vor allem für das Gastgeberland des Festivals bemerkenswert ist. Regisseur Xavier Durringer schildert hier die fünf Jahre des Politikers Nicolas Sarkozy, bevor dieser Präsident wurde. Im Mittelpunkt dabei: die Beziehung zu seiner früheren Frau Cécilia und der Kampf um die Macht im Élysée-Palast. Nicolas Sarkozy dürfte die Vorführung dieses Films (am 18. Mai) wohl mit größerer Aufregung erwarten als den seiner jetzigen Ehefrau.

Szene aus dem Film Halt auf freier Strecke ((Foto: Cannes Filmfestival 2011)

"Halt auf freier Strecke"

Für politischen Sprengstoff könnte ein Film aus dem Iran sorgen. Der zu einer langjährigen Haftstrafe verurteilte und derzeit unter Hausarrest stehende Regisseur Jafar Panahi hat einen ganz persönlichen Film nach Cannes geschickt. Dabei geht es um die monatelange Wartezeit des Regisseurs auf die Antwort des Gerichts auf seinen Einspruch gegen das Urteil ("In Film Nist", Co-Regie Mojtaba Mirtahmasb, Aufführung in Cannes am 20. Mai).

Die Umbrüche in Nordafrika auf der Leinwand

Auch von dem ebenfalls im Iran verurteilten kritischen Filmemacher Mohammed Rasulof wird ein neues Werk gezeigt. "Bé Omid é Didar" schildert die Geschichte eines jungen Anwalts in Teheran, der sich um ein Visa bemüht, um das Land zu verlassen. Politische Diskussionen dürften auch zwei weitere Filme auslösen, die sich mit den Umbruchphasen in Tunesien ("La Khaoufa Baada Al'Yaoum") und Ägypten ("Tamantashar Yom") befassen.

Robert De Niro (Foto: Cannes Filmfestival 2011)

Jury-Präsident Robert De Niro

Im Herzstücke des Festivals, dem Wettbewerb, wird aber in den nächsten Tagen das Rennen um die Goldene Palme im Mittelpunkt stehen, dem wohl wichtigsten künstlerischen Preis des internationalen Kinos. Den Juryvorsitz hat in diesem Jahr der amerikanische Superstar Robert de Niro übernommen. Er wird wie seine Mitstreiter Uma Thurman und Jude Law für den nötigen Hollywood-Glanz an der Croisette sorgen.

Startrampe mit Strahlkraft

Für den ist im Übrigen wie in den letzten Jahren vorgesorgt. Zahlreiche Filmpremieren mit prominenten Gästen und den Superstar des Films sind geplant. Die großen Verleihfirmen nutzen die Strahlkraft des Festivals und den Trubel um den berühmten Roten Teppich für möglichst große Aufmerksamkeit. Ihr Konzept dürfte aufgehen. An Cannes kommt keiner vorbei. Da schielt dann selbst das mächtige Hollywood neidisch über den Atlantik. Tradition und ein tiefes Verständnis für Kultur sind nicht zu ersetzen.

Autor: Jochen Kürten
Redaktion: Sabine Oelze

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