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Lateinamerika

61.000 Kolumbianer während bewaffneten Konflikts verschwunden

Die Zahl übersteigt sogar die schrecklichen Dimensionen aus Argentinien: Während der Miltärdiktatur verlor sich dort die Spur von rund 30.000 Menschen. Doppelt so viele werden bis heute in Kolumbien vermisst.

Kolumbien Paramilitärs GTZ Projekt ProFis (Jesús Abad Colorado)

Unheimliche Spuren: Forensiker suchen im kolumbianischen Dschungel nach Opfern der Paramilitärs (Archivbild)

In Kolumbien sind während des Jahrzehnte andauernden bewaffneten Konflikts fast 61.000 Menschen verschwunden. Das geht aus einer Untersuchung des Nationalen Zentrums des historischen Gedächtnisses (CNMH) hervor. "Die Dimensionen dieses Verbrechens sind schaurig und unmoralisch", heißt es in dem Bericht. Insgesamt seien in dem südamerikanischen Staat etwa doppelt so viele Menschen verschwunden wie während der Militärdiktatur in Argentinien von 1976 bis 1983.

Untersucht wurden Fälle aus der Zeit zwischen 1970 und 2015; die gesamte Studie soll in der kommenden Woche in Bogota und Medellin vorgestellt werden. Nach bisherigen Erkenntnissen sind für einen großen Teil der Opfer rechte paramilitärische Banden (13.500), linke Guerillagruppen (5.900), kriminelle Banden (2.600) sowie der kolumbianische Staat (2.300) verantwortlich. Der Rest der Fälle konnte demnach nicht zugeordnet werden.

UN: Paramilitärs füllen Machtvakuum

Die Vereinten Nationen zeigen sich unterdessen besorgt über das Vordringen paramilitärischer Gruppen in jene Gebiete, die früher von der größten linksgerichteten Guerilla-Organisation, den FARC, kontrolliert wurden. Im laufenden Jahr habe es dort mehr Tote gegeben als in den vergangenen zehn Jahren, sagte der UN-Repräsentant Todd Howland der Zeitung "El Universal".

Die FARC hätten ein Machtvakuum hinterlassen; deshalb sei eine stärkere Präsenz des Staates in diesen Gegenden notwendig. Es gebe zahlreiche Gruppen, die die illegalen Geschäfte der Rebellen übernehmen wollten, so Howland. Ihren bewaffneten Kampf hatten die FARC in der Vergangenheit unter anderem mit Einnahmen aus dem Drogenhandel und dem illegalen Bergbau finanziert.

Friedenspakt, die zweite

Regierung und FARC hatten sich am Wochenende auf ein neues, überarbeitetes Friedensabkommen verständigt, das nun durch den Kongress verabschiedet werden soll. Zuvor hatten beide Seiten nach vierjährigen Gesprächen eine erste Vertragsversion ausgehandelt, die zwar unterschrieben wurde, anschließend aber bei einer Volksabstimmung durchfiel. Kolumbiens Präsident Juan Manuel Santos wurde für seine Bemühungen mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

jj/sti (kna, cnmh)