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Kultur

60 Jahre Selbstkontrolle

Die Freiwillige Selbstkontrolle wird 60. Nicht immer ging es ihr nur um Jugendschutz: Auch politisch missliebige Filme wurden zensiert. Wie weit die Befugnisse der FSK gehen dürfen, ist immer noch umstritten.

FSK 16 Logo (Foto: dpa)

Eine Zensur findet in der Bundesrepublik laut Grundgesetz nicht statt. Das bedeutet aber nicht, dass es keinen Jugendschutz gibt. Um zu verhindern, dass Heranwachsende mit Sex und Gewalt konfrontiert werden, begutachtet die "Freiwillige Selbstkontrolle der Filmwirtschaft" (FSK) in Deutschland jeden Monat dutzende Filme und gibt sie frei - je nachdem ab sechs, 12, 16 oder 18 Jahren. Oder auch ganz.

Vor sechzig Jahren, am 18. Juli 1949 gründet, ist die FSK eine private Organisation der Filmwirtschaft. Als Vorbild diente die amerikanische Production Code Association (PCA), ebenfalls eine nichtstaatliche Organisation. Filmverleiher können ihre Filme melden, die FSK entscheidet dann über die Altersfreigabe. Filme ohne das FSK-Siegel sind automatisch erst "ab 18" und dürfen nur unter Einschränkungen aufgeführt werden.

Die Macht der Prüfer

Die Reifeprüfung (Foto: dpa)

Die Reifeprüfung ergab: erst ab 16 geeignet

Die FSK hat also durchaus Macht, denn sie entscheidet durch ihre Altersfreigabe darüber, wann und wo ein Film gezeigt werden darf und damit über den möglichen Erfolg beim Publikum. Genau da setzen Kritiker der FSK an: "Wenn ein Film nicht freigegeben wird für Unter-18-Jährige, kommt das einem wirtschaftlichen Totalschaden gleich", sagt Film-Experte Manfred Riepe.

Ihm gehen die Befugnisse der FSK entschieden zu weit. "Eine gewisse Form von Kontrolle ist notwendig", sagt Riepe. "Aber alles, was in den Bereich der Erwachsenenkontrolle hineinreicht, ist problematisch". Ihn stört vor allem, dass seit Mitte der 1980er Jahre ein "Ständiger Vertreter der Obersten Landesjugendbehörde" als "Wachhund" in der FSK sitzt. "Dadurch wird die Prüfung zu einem staatlichen Verwaltungsakt", kritisiert Riepe.

Zensur durch die Hintertür

Hildegard Knef (Foto: AP)

Hildegard Knef schockierte die Kirche als "Sünderin"

Dass die Freiwillige Selbstkontrolle auch schon politische Zensur ausübte, zeigt ein Blick auf die Anfänge der Organisation. Roberto Rossellinis "Rom: offene Stadt" wurde 1950 in der Bundesrepublik verboten. Die FSK hatte beanstandet, wie deutlich das Wüten deutscher SS-Truppen in Italien gezeigt wurde. Diesen Teil ihrer Geschichte sieht die FSK heute selber kritisch. Das damalige Verbot sei eine Form von "historischer Verdrängung" deutscher Schuld, urteilt Geschäftsführerin Christiane von Wahlert.

Früher verlangte die FSK in manchen Fällen sogar, das bestimmte Szenen aus Filmen heraus geschnitten werden. Heute gibt es diese Vorgaben nicht mehr. Allerdings kommen Verleiher auch selbst auf die Idee, bestimmte Szenen zu schneiden und so die Altersfreigabe zu senken.

Geänderte Moralvorstellungen

'Tal der Wölfe' (Foto: dpa)

Umstritten: 'Tal der Wölfe'

Die Geschichte der FSK zeigt vor allem, wie sich die Ansichten über Gewalt und Sexualität über die Jahrzehnte gewandelt haben. Viele Entscheidungen der FSK wirken heute recht angestaubt, wenn nicht sogar absurd. So durfte die Jesus-Satire "Das Leben des Brian" der britischen Komiker-Truppe Monthy Python bei Filmstart 1980 nicht am Karfreitag aufgeführt werden.

Und "Im Lauf der Zeit" von Wim Wenders wurde 1975 erst ab 18 freigegeben - wegen einer angedeuteten Masturbationsbewegung. Zwanzig Jahre später wurde der Film dann auf "frei ab sechs Jahre" herabgestuft. Auch "Die Reifeprüfung" mit Dustin Hoffman in der Hauptrolle und der Musik von Simon & Garfunkel wurde bei ihrem Start 1968 erst ab 16 Jahren zugelassen. 1990 wurde der Film erneut geprüft und diesmal ab zwölf freigegeben.

Freizügigkeit in der Kritik

Es gibt aber auch Gegenbeispiele. So verteidigte die FSK unter anderem den Film "Die Sünderin", in dem Hildegard Knef in einer Nacktszene zu sehen war, gegen massive Proteste der Kirchen. Auch heute gibt es immer wieder Fälle, in denen die FSK wegen zu freizügiger Freigabe kritisiert wird - aus jeweils ganz unterschiedlichen Gründen.

Den türkischen Film "Tal der Wölfe" etwa hatte die FSK zunächst ab 16 Jahre freigegeben. Nachdem der Film als antiamerikanisch und antisemitisch kritisiert worden war, setzte die FSK das Freigabealter wieder auf 18 Jahre hoch. Til Schweigers Komödie "Keinohrhasen" wurde dagegen zunächst ab sechs Jahre freigeben, wegen der freizügigen Sex-Gespräche setzte die FSK das Mindestalter dann aber auf 12 hinauf.

Autor: Dirk Eckert

Redaktion: Manfred Götzke

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