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Asien

60 Jahre deutsch-myanmarische Beziehungen

Myanmars Präsident Thein Sein ist auf Staatsbesuch in Deutschland. Beide Länder unterhalten seit 60 Jahren diplomatische Beziehungen. Diese sind von Höhen und Tiefen gekennzeichnet.

Myanmars Präsident Thein Seins besucht Europa. Die Reise führt ihn nach Deutschland, in die Niederlande und die Schweiz. Am Mittwoch (03.09.2014) ist ein Mittagessen mit Kanzlerin Angela Merkel geplant. Details wurden im Vorfeld nicht bekannt. Die Reise soll "Freundschaft und Kooperation" befördern, so berichten die myanmarischen Staatsmedien.

Mit der Ankündigung scheint sich der Kreis der deutsch-myanmarischen Beziehungen zu schließen. 1986 besuchte der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Land in Südostasien, das damals noch Birma hieß, und sagte im Parlamentsgebäude der Hauptstadt Rangun, die inzwischen nach Naypyidaw verlegt wurde: "Vom ersten Augenblick an fühlen wir uns in Ihrem Land unter Freunden."

Die diplomatische Freundschaft reicht zurück bis 1954. Damals war die erste bundesdeutsche Vertretung in Rangun eröffnet worden. Das Auswärtige Amt präsentiert anlässlich des 60-jährigen Jubiläums Anfang Oktober (03.-09.10.2014) eine Ausstellung unter dem Titel "Kultur und Wissenschaft: Schlüssel zur Zukunft".

Deutsche Waffen für Birma

Burma - ASEAN Gipfel

Myanmar wird in der Region immer wichtiger. Zurzeit hat das Land den Vorsitz der ASEAN.

Nach dem Zweiten Weltkrieg war Deutschland der zweitgrößte Handelspartner Birmas und nach Japan der wichtigste Partner in der Entwicklungshilfe. Dreh- und Angelpunkt des westdeutschen Engagements waren nicht Kultur und Wissenschaft, sondern die deutsche Rüstungsfirma Fritz Werner, wie Hans-Bernd Zöllner in einem unveröffentlichten Aufsatz zu den deutsch-myanmarischen Beziehungen darlegt. Das Unternehmen rüstete die birmanischen Streitkräfte mit Gewehren und Munition aus, die sich einen jahrelangen Kampf mit dem Teil der chinesischen Nationalisten (Kuomintang) lieferten, die sich nach dem Sieg der Kommunisten aus China nach Nordbirma zurückgezogen hatten. Im Rahmen dieser Zusammenarbeit wurden bis in die 70er Jahre hunderte birmanische Experten, überwiegend Soldaten, in der Bunderepublik ausgebildet.

Die Firma Fritz Werner war 1965 schließlich in Staatsbesitz übergegangen. "Die Zusammenarbeit zwischen der deutschen Firma und ihrem birmanischen Partner hatte also den Charakter zwischenstaatlicher Beziehungen", so Zöllner. Der Militärputsch von General Ne Win im Jahr 1962 konnte diesen Beziehungen keinen Abbruch tun. Im Gegenteil, der General besuchte regelmäßig den Rheingau, wo er mit Ministerialbeamten, Politikern aller Parteien und Geschäftsleuten zusammentraf. Parallel dazu entstand Mitte der 70er Jahre auch eine Fülle von Entwicklungshilfeprojekten unter Federführung der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ, heute GIZ).

Freundschaft nach 23 Jahren Eiszeit

Myanmar Proteste Armee Intervention Archivbild August 1988

Die Proteste von 1988 in Myanmar wurden von den Sicherheitskräfte blutig beendet

Die Freundschaft endete schlagartig, als das birmanische Militär

1988

eine landesweite Protestbewegung gewalttätig niederschlug. Die diplomatischen Beziehungen wurden auf das notwendige Minimum reduziert, die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit wurde ausgesetzt; nur private Initiativen konnten in reduziertem Umfang weiterarbeiten.

Nach 23 Jahren endete die diplomatische Eiszeit ebenso schnell wie sie begonnen hatte. Seit Ende 2010 hat die Regierung in Myanmar einen unerwarteten Öffnungs- und Reformprozess angestoßen. Im April 2012 hob die Europäische Union daraufhin alle Sanktionen mit Ausnahme des Waffenembargos auf, die bilaterale Entwicklungszusammenarbeit wurde wieder aufgenommen, Bundespräsident Gauck besuchte Myanmar im Februar 2014 und sagte: "So lange die Reformen auf dem richtigen Pfad sind, können sie gar nicht schnell genug gehen."

Wettlauf um Entwicklungsprojekte

Aber das hohe Tempo birgt auch Gefahren. "Niemand war auf die Öffnung vorbereitet. Unsere Kenntnisse des Landes sind während der Jahre der Sanktionen stark zurückgegangen", gibt Gerhard Will von der Stiftung Wissenschaft und Politik zu Bedenken. Anstatt das Land erst mal kennzulernen, seien Organisationen, kirchliche Träger, Stiftungen und Regierungen zum Teil in einen blinden Aktionismus verfallen. Außerdem wäre eine bessere Koordination wünschenswert. Das wird auch von Seiten der myanmarischen Regierung immer wieder gefordert, die den Ansturm der internationalen Hilfe nicht organisieren könne, wie Will erklärt.

Grüdung der Myanmar Journalism Institute

Die DW Akademie fördert eine Journalistenschule in Yangon

Der Schwerpunkt der bilateralen Entwicklungszusammenarbeit liegt auf mittelständischen Unternehmen und Reformen des Finanzsystems. Die Bundesrepublik unterstützt auch die

Journalistenausbildung

in einem Projekt, das unter anderem von der DW Akademie gefördert wird.

"Dass ländliche Entwicklung kein Schwerpunkt ist, hat mich etwas gewundert", sagt Will, obwohl Deutschland hier eine große Expertise aufzuweisen habe. In diesem Sektor wäre Entwicklungszusammenarbeit interessant, "weil man mit geringen Investitionen große Effekte erzielen könnte." Das wäre vor allem für die einfache Landbevölkerung hilfreich, die bislang wenig von den Reformen profitiert habe, was die Verbesserung ihres Lebensstandards angeht.

Im kulturellen Austausch stellt vor allem die

Wiedereröffnung des Goethe-Instituts

durch Bundesprräsident Gauck im Februar 2014 einen wichtigen Schritt dar. Franz Xaver Augustin, der Leiter des Instituts, berichtete im Interview mit der DW vom "großen Interesse an Deutschland."

Wirtschaft legt erst langsam los

In der Wirtschaft habe das große Engagement Deutschlands bisher keine allzu großen Erfolge erzielt, so Will. Denn die wirtschaftlichen Netzwerke nach China und Thailand dominierten den Markt nach wie vor, so dass es für deutsche Unternehmen schwierig sei, sich zu positionieren. Als erste gehen die deutsche Unternehmen Henkel und Stada ins Rennen. Henkel produziert Waschmittel und Stada hat den Grundstein für ein Werk zur Arzeneimittelherstellung gelegt, das 2015 produzieren soll. Trotz der mageren Zahlen ist Deutschland laut Statistischem Bundesamt der wichtigste EU-Handelspartner für Myanmar. Um die Wirtschaft weiter zu fördern, unterstützt die Deutsche Industrie- und Handelskammer seit November 2013 an Myanmar interessierte Unternehmen vor Ort.

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