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Politik

400 Tote nach Unruhen zwischen Christen und Muslimen

Bei blutigen Unruhen sind in Nigeria mehrere hundert Menschen getötet worden. Christen und Muslime warfen sich gegenseitig Wahlbetrug vor – und gingen aufeinander los. Tausende sind vor der Gewalt auf der Flucht.

Karte Nigeria (Quelle: DW)

Religiöse Unruhen in Jos

In der Stadt Jos, der Hauptstadt des an der Grenze zwischen dem muslimischen Norden und dem überwiegend christlichen Süden gelegenen Bundesstaates, wurden allein am Samstag die Leichen von etwa 300 Muslimen in die Zentralmoschee gebracht. Das berichtete der britische Rundfunksender BBC unter Berufung auf Imam Scheich Khalid Abubakar. Ein nigerianischer Journalist berichtete von mehr als 50 Toten, die er in mehreren Krankenhäusern gezählt habe. Nigerias Regierung schickte die Armee in die Region, die Provinzregierung verhängte am Samstag (29.11.2008) eine 24-stündige Ausgangssperre.

Auslöser der Unruhen war eine Kommunalwahl. Die Gewalt eskalierte, als Gerüchte über eine Wahlniederlage der mehrheitlich muslimischen Partei ANPP gegen die christlich dominierte PDP die Runde machten. Seit Beginn der Kämpfe am Freitag wurden nach Angaben von Anwohnern mehrere Moscheen und Kirchen zerstört. Nach Angaben des Roten Kreuzes flohen mehr als 10.000 Menschen vor den Kämpfen aus ihren Häusern, mehr als 300 wurden bei den Ausschreitungen verletzt. Auf den Straßen lagen verwesende Leichen, das Rote Kreuz befürchtete den Ausbruch von Seuchen.

Polizei setzt Ausgangssperre mit Gewalt durch

Ausschreigungen in Jos (2001, Quelle: AP)

2001 kam es in Jos schon einmal zu religiösen Ausschreitungen

Die nigerianischen Behörden machten am Samstag keine Angaben zur Zahl der Opfer. Nigerias Präsident Umaru Yar'Adua äußerte sich in einer Erklärung "sehr traurig" über die Ereignisse. Er entsandte die Armee in die Region. Der Gouverneur des Bundesstaats Plateau, Jonah Jang, verhängte eine 24-stündige Ausgangssperre für Teile der Stadt. Die Armee eröffnete das Feuer auf jeden, der sich dennoch draußen aufhielt. Die Straßen nach Jos waren nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP am Samstag gesperrt, auch aus der Luft war die Stadt nicht erreichbar.

Ein Reporter des Rundfunksenders Radio France International sagte, er habe etwa hundert Menschen mit Schussverletzungen gesehen. Diese hätten berichtet, sie seien von Schüssen der Polizei oder Armee verletzt worden. Seinen Angaben zufolge wurden rund 350 Jugendliche, Muslime und Christen, wegen ihrer Beteiligung an den Ausschreitungen festgenommen. Die Stadt Jos war 2001 bereits einmal Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen zwischen Christen und Muslimen. Damals wurden innerhalb einer Woche ebenfalls hunderte Menschen getötet. (mag)