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Kultur

400 Jahre Zeitung

Was wäre das Leben ohne Zeitung? Seit 400 Jahren hat sie viele Krisen überlebt und auch dem technologischen Fortschritt getrotzt. Das Gutenberg-Museum in Mainz widmet der Zeitung jetzt eine große Ausstellung.

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Immer noch begehrt: die Zeitung

Als der Verleger und Drucker Johann Carolus den Stadtrat von Straßburg 1605 um die Lizenz bat, seine "Relation aller vornehmen und gedenkwürdigen Historien" offiziell drucken zu dürfen, hat er sich wohl kaum ausgemalt, dass er mal als Gründer des Zeitungswesens in die Geschichte eingehen würde. Carolus war es lediglich leid, seine Nachrichten immer per Hand auf das aus alten Lumpen gewonnene Papier zu schreiben. Die neuesten Meldungen bekam er damals von Reisenden.

Wo diese "Reporter" vorbei kamen, entstanden auch Zeitungen, erklärt Gabriele Toepser-Ziegert vom Dortmunder Institut für Zeitungsforschung: "Die Kaufleute, die sich durch die Lande bewegt haben, haben Nachrichten gesammelt, handschriftlich aufgeschrieben, vervielfältigt und dann weitergereicht. Und mit Aufkommen der Buchdruckerei und der Druckkunst insgesamt war es dann möglich, eben auch die Zeitung zu drucken."

Entwicklung zum Massenmedium

Ausstellung 400 Jahre Zeitung in Mainz

Thematisch ging es in den ersten Zeitungen vor allem um Ereignisse aus dem Ausland: Piratenüberfälle im Mittelmeer, Neuigkeiten über den Papst und sogar Informationen über ein von Galileo Galilei erfundenes Fernglas. Einerseits, weil die Kunden meist reisende Kaufleute waren und an diesen Informationen besonderes Interesse hatten. Andererseits aber auch, weil eine kritische Berichterstattung über die heimischen Zustände per Zensur verboten war.

Diese Zensur konnte aber den Siegeszug der Zeitung nicht aufhalten. Schon 1650 gab es in Leipzig die erste täglich erscheinende Zeitung Deutschlands. Und 1705 erschien erstmals die älteste deutsche Zeitung, die auch heute noch gedruckt wird: die "Hildesheimer Allgemeine Zeitung". Aber erst mit den technischen Neuerungen des 19. Jahrhunderts in der Druckindustrie wurde die Zeitung zum Massenmedium.

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Schwarz auf Weiß - die bunte Vielfalt des gedruckten Wortes

Anders als zu Beginn wurden Zeitungen so für jedermann erschwinglich und außerdem auch für die Wirtschaft interessant. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts erschienen neben der politischen Parteipresse immer mehr unparteiliche "General-Anzeiger". Ihnen gelang es, viele Anzeigenkunden zu werben und eine breite Leserschaft zu erreichen. Anfang des 20. Jahrhunderts gab es so insgesamt mehr als 3000 verschiedene Zeitungen in Deutschland. Das war die Hoch-Zeit für die Informationsquelle Zeitung.

Anzeigenflaute und neue Konkurrenz

Nach dem Ende der Nazi-Herrschaft, während der es keine freie Presse mehr gegeben hatte, bestimmten zunächst die Besatzungsmächte, welche Zeitungen erscheinen durften. Besonders die Amerikaner waren bemüht, so einen neuen journalistischen Stil durchzusetzen. So wurden zum Beispiel "Nachricht" und "Meinung" strikt getrennt. Dieses Bemühen um Objektivität ist nach Ansicht von Gabriele Toepser-Ziegert ein Grund dafür, dass die Zeitung bei den Deutschen immer noch als sehr glaubwürdiges Medium gilt: "Wenn ich etwas 'schwarz auf weiß' habe, dann ist es Beweis genug, dass es wahr ist."

Ausstellung 400 Jahre Zeitung in Mainz

Zeitungsherstellung in der Vergangenheit

Doch trotz ihres guten Rufes - die Zeitungen haben heute Probleme: Bei den Anzeigen herrscht Flaute, die Abonnentenzahlen sinken. Die Konkurrenz ist größer geworden: Erst kam der Rundfunk, dann das Fernsehen und schließlich das Internet hinzu. Vor allem bei Jugendlichen sind heute Fernsehen und Internet die Informationsquellen Nummer eins. Deshalb versuchen viele Zeitungen und Zeitschriften, auch in diese Medien vorzudringen - ob als Online-Zeitung oder als TV-Magazin. Auch die traditionsreichste deutsche Zeitung - die "Hildesheimer Allgemeine" - kann mittlerweile per Mausklick abonniert und im Internet gelesen werden.

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