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Aktuell Nahost

40 Todesurteile wegen IS-Massaker im Irak

Ein Gericht in Bagdad hat 40 angebliche Anhänger des "Islamischen Staates" (IS) zum Tode verurteilt. Sie sollen in ein Massaker der Terrormiliz in Tikrit verwickelt gewesen sein.

Irak Bagdad Todesstrafe für Massaker an Soldaten in Tikrit

Angehörige trauern um Opfer des Massakers: Bereits im Sommer 2015 wurden erste Todesurteile gefällt.

Im Zusammenhang mit einem von Dschihadisten verübten Massaker an hunderten Rekruten in der Nähe der irakischen Stadt Tikrit hat die Justiz des Landes erneut dutzende Todesurteile verhängt. Das Zentrale Strafgericht in Bagdad verurteilte 40 der 47 Angeklagten zum Tod, wie ein Justizsprecher mitteilte. Die Beweise hätten die Schuld der Angeklagten belegt, hieß es in einer Erklärung. Sieben Angeklagte wurden demnach "aus Mangel an Beweisen" freigesprochen.

Massaker als Propaganda

Der Sprecher machte weder Angaben dazu, ob die Verurteilten vor Gericht anwesend waren, noch zu den ihnen zur Last gelegten Verbrechen. Mitglieder der Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) und mit ihnen verbündete Kämpfer hatten Mitte Juni 2014 hunderte zumeist schiitische Armeerekruten vom Militärstützpunkt Speicher in Tikrit nördlich der Hauptstadt Bagdad verschleppt. Der IS hatte sich im Juni 2014 nach seinem Vormarsch im Irak damit gebrüstet, nahe der Stadt Tikrit 1700 Rekruten der Armee erschossen zu haben. Diese waren von der Militärbasis Camp Speicher geflohen und hatten sich den Extremisten ergeben. Zuvor hatte der IS im Zuge einer Offensive weite Landesteile erobert. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch schätzte die Zahl der Getöteten auf bis zu 770.

Nach dem Massaker stellten die Dschihadisten Bilder und Videos ins Internet, die die Ermordung der Männer zeigen sollen. Einige Leichen wurden demnach in den Tigris-Fluss geworfen, andere in Massengräbern verscharrt. Nach der Befreiung Tikrits entdeckten irakische Behörden im April 2015 mindestens 14 Massengräber, in denen Opfer der Erschießungen begraben worden waren.

Kritik an bereits verhängten Todesuteilen

Das Massaker hatte im Irak und weltweit für Entsetzen gesorgt und dazu beigetragen, Unterstützung im Kampf gegen die Dschihadisten zu mobilisieren. Angehörige der Opfer hatten 2014 das Parlament in Bagdad gestürmt und gefordert, die verantwortlichen Offiziere zur Rechenschaft zu ziehen. Einige ranghohe Soldaten sollen vor dem IS geflohen sein und die unbewaffneten Rekruten zurückgelassen haben.

In einem ersten Prozess im Zusammenhang mit dem Verbrechen waren im Juli vergangenen Jahres bereits 24 Angeklagte zum Tod verurteilt worden. Sie alle bestritten, in das Massaker verwickelt gewesen zu sein. Einige gaben an, sich zu dem Zeitpunkt nicht in Tikrit aufgehalten zu haben. Andere erklärten, ihre Geständnisse seien unter Folter zustande gekommen. Die in London ansässige Menschenrechtsorganisation Amnesty International und andere Rechtsgruppen hatten das Verfahren kritisiert.

pab/kle (afpd, dpa, rtre)