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40 Jahre deutsche Kunst

Worin unterschied sich die DDR-Kunst von der im Westen? "Kunst und Kalter Krieg" gibt Antworten. Die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum vermittelt ein überraschendes Bild deutscher Kunstgeschichte.

Farbiges Penck-Gemälde, Strichmänchen balancierend über Abgrund Der Übergang (Passage), 1963, Sammlung Ludwig, Ludwig Forum für internationale Kunst, Aachen, © A.R. Penck

Schwieriger Weg von Ost nach West: Penck-Gemälde "Der Übergang"

Für großes Staunen und viele Nachfragen sorgte sie schon in den USA. Die Ausstellung "Kunst und Kalter Krieg, Deutsche Positionen 1945 - 1989" im "County Museum of Art in Los Angeles" schloss beim amerikanischen Publikum große Lücken. Aus Westdeutschland habe man eigentlich nur Joseph Beuys und dann die neuen Malerstars aus der Leipziger Schule gekannt, hatte Ulrich Großmann vom "Germanischen Nationalmuseum" im DW-Gespräch betont. Dort war die Ausstellung erstmals in Deutschland zu sehen gewesen. Nun also Berlin. Noch größer aber sei die Unkenntnis in Sachen DDR-Künstler gewesen, sagt Großmann. So wurde die erste Station der deutschen Gesamtkunstschau zu einer echten Pionierleistung - das US-Publikum konnte sich erstmals umfassend über deutsche Kunst nach dem Krieg informieren.

Interessante Akzentverschiebungen

Porträt Joseph Beuys, (AP-Photo/Peter Hillebrecht)

Säulenheiliger der Westkunst, Joseph Beuys

Auch hierzulande dürfte die Ausstellung für einigen Gesprächsstoff sorgen - weniger, weil man hier die Künstler nicht kennt, als vielmehr auf Grund einer möglichen Neuinterpretation deutscher Nachkriegskunstgeschichte. Auch wenn diese nach den Präsentationen in Nürnberg und Berlin nicht umgeschrieben werden muss - zumindest könnte die Kunst neu bewertet und interpretiert werden.

Abstraktion versus Gegenständlichkeit

In der DDR entstanden auch viele abstrakte Bilder, große Künstlerpersönlichkeiten arbeiteten abseits der ideologisch gefärbten Staatskunst. In Westdeutschland wurde auch figurativ gemalt. Und die abstrakte Kunst bedeutete nicht selten eine Flucht ins Unverbindliche. Auf diesen Nenner könnte man die Eindrücke zusammenfassen, die man als Besucher der Ausstellung mit nach Hause nimmt.

Bild von Georg Baselitz Bild für die Väter (Picture for Fathers) Courtesy Michael Werner Gallery, New York and Berlin © 2009 Georg Baselitz, courtesy of Gagasian Gallery, NY Photo courtesy Michael Werner

Großer Menschendarsteller: Georg Baselitz

Formenvielfalt im Osten

Im Osten Deutschlands waren es Künstler wie Carlfriedrich Claus, Gerhard Altenbourg und Hermann Glöckner, die am Rande der offiziellen Kunst-Szene ein Werk von beeindruckender Präsenz schufen, fernab jeglicher staatlicher Vorgabe. Der Preis für die Abgeschiedenheit war freilich hoch, eine lange Zeit der Nichtbeachtung. Im Westen wären sie wohl zu Maler-Stars geworden. Aber auch bekannte DDR-Künstler wie Willi Sitte, Werner Tübke oder Bernhard Heisig drückten in ihren Arbeiten den Unmut über die herrschenden Zustände aus - oder sorgten mit ihrer Formensprache für Irritationen bei den offiziellen Stellen.

Unverbindliches Formenspiel

Mann als Gartenzwerg verkl. mit vielen kleinen Zwergen Gundula Schulze Eldowy © 2009 Gundula Schulze Eldowy Photo courtesy Museum Associates / LACMA

Deutsche Biedermänner, fotg. von Gundula Schulze Eldowy aus der DDR

Die scheinbar so moderne Westkunst verbreitet zum Teil dagegen einen heute "stickig wirkenden Dunst der Abgeschiedenheit", wie es ein Rezensent der Schau jüngst ausdrückte. Abstrakte Malerei wurde, auch wenn sie internationalen Standards entsprach, zu einem unverbindlichen Formenspiel, zum L´art pour l´art. Es sind diese Verschiebungen in der Wahrnehmung, die die Ausstellung so spannend macht. Doch der Hinweis auf politische und gesellschaftliche Zwänge fehlt auch in der vom amerikanisch-deutschen Duo Stephanie Barron und Eckhart Gillen kuratierten Schau nicht.

Auch Zwänge werden sichtbar

Man dürfe nicht vergessen, dass es unbequeme Künstler in der DDR mit der Stasi zu tun gehabt hätten, sagt Ulrich Großmann. Und die seelenlose Staatskunst des sozialistischen Realismus vervollständigt die Rundumschau. Die DDR war ein Land voller Zwänge und Vorschriften, das verschweigt die Präsentation keineswegs. Fotos und Installationen von Joseph Beuys oder Wolf Vostell zeugen dagegen auch von dem phasenweise anarchistisch-verspielten Kunstausdruck in der Bundesrepublik. Letzteres war so, zumindest in dieser Breite und auch in der gesellschaftlichen Akzeptanz, im Osten nicht möglich. Dafür herrschten im Westen die Gesetze des Marktes. Auch das konnte Künstlerkarrieren zerstören.

Coca Cola als verfremdete Kunsttafel, © 2008 Estate of Wolf Vostell / ARS, NY / VG Bild-Kunst, Bonn Photo © Museum Ludwig, Köln

Deutsche Popkunst von Wolf Vostell

Schau gegen das Klischee

So regt die Ausstellung vor allem an. Zum genaueren Hinschauen, zum Relativieren, zum neu Nachdenken. Es ist auch eine Schau gegen das Klischee, ein Gang durch vier Jahrzehnte deutscher Kunst, die auf beiden Seiten viel zu bieten hatte: grandioses Handwerk und phantasievolles Aufbegehren, angepasstes Kunsthandwerk im Mäntelchen des scheinbar Revolutionären und biedere Auftragskunst.

Die Ausstellung im Jubiläumsjahr

Auf jeden Fall ist die Schau im Jahr der vielen historischen Jubiläen und Gedenktage d e r große kunsthistorische Kommentar zur Geschichte der Nation - differenziert und vielfältig, aufschlussreich und mutig. Das wird jetzt, wo sie ihre dritte Station in der deutschen Hauptstadt erreicht hat, noch einmal besonders deutlich. Vor allem im Vergleich zur unseligen Bilderschau, die im Frühjahr im Martin Gropius-Bau zu sehen war und die deutsche (West-)Kunst zu einer einseitigen Nummernrevue reduzierte.

Autor: Jochen Kürten
Redaktion: Petra Lambeck

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