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Welt

40 Jahre Ärzte ohne Grenzen

Die internationale Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" ist 40 Jahre alt geworden. Am 20. Dezember 1971 wurde sie gegründet. Ihre Mitarbeiter im Murambinda Mission Hospital in Simbabwe hatten aber kaum Zeit zu feiern.

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Lange Schlangen bilden sich vor dem Murambinda Mission Hospital, das etwa 200 Kilometer südöstlich von Simbabwes Hauptstadt Harare gelegen ist. Jeden Tag kommen hunderte Patienten zu dem weißen ebenerdigen Bau. Es ist für sie die einzige Möglichkeit, medizinisch versorgt zu werden.

Eine HIV-infizierte Frau in einem afrikanischen Krankenhaus (Foto: picture alliance)

HIV-infiziert in Afrika - ohne medizinische Versorgung ein Todesurteil

"Ärzte ohne Grenzen" hat hier ein spezielles Programm für HIV- und AIDS-Patienten aufgelegt. Ursprünglich war die Organisation allerdings aus anderen Gründen gekommen: "Eigentlich wollte die französische Dachorganisation 'Medecins sans frontières' (MSF) 2004 im Distrikt Buhera ein Projekt gegen Hunger hochziehen. Sie fanden aber schnell heraus, dass hinter der Mangelernäherung überwiegend gar nicht die fehlende Nahrung steckte, sondern tiefer liegende Krankheiten", erläutert der belgische Arzt Steven van den Broucke, der für MSF arbeitet. Das Team von MSF bemerkte bald, dass fast 95 Prozent ihrer Patienten HIV-positiv waren. "Viele brauchten dringend anti-retrovirale Medikamente, aber es gab vor Ort keinerlei Gesundheitssystem, das diese Patienten angemessen versorgt hätte", sagt van den Broucke.

Seit dem Jahr 2000 sichert MSF nun bereits die medizinische Versorgung in Simbabwe. Damals ging es dem Land wirtschaftlich besonders schlecht. In den letzten Jahen hat die Inflationsrate ein Rekordhoch von 500 Milliarden Prozent erreicht. Die Lebenserwartung von Frauen sank von 61 auf 53 Jahre. Der hohe wirtschaftliche Druck wirkte sich auch auf das Gesundheitssystem aus, das nicht mehr alle versorgen konnte, die dringend medizinische Hilfe gebraucht hätten. Inzwischen übernimmt MSF die Fürsorge für die über 40.000 HIV-Infizierten und AIDS-Patienten. 2008 stand die Organisation vor einer weiteren Herausforderung: Als eine von mehreren Nichtregierungsorganisationen nahm sie den Kampf gegen eine schwere Cholera-Epidemie auf. Mehr als 5000 Menschen starben - überwiegend, weil es der Regierung nicht gelang, die Wasserversorgung sicherzustellen.

Politische Widerstände und schlechte Infrastruktur

Ärzte ohne Grenzen helfen an einem Fluß im Libanon. Foto: AP Photo/Kevin Frayer

Ärzte ohne Grenzen helfen im Libanon

Solche Tragödien begegnen Fasil Tezera, dem Leiter von MSF in Simbabwe, fast jeden Tag. Seit über zwanzig Jahren arbeitet er für die Organisation - beinahe halb so lange, wie es die "Ärzte ohne Grenzen" überhaupt gibt. In dieser Zeit hat er einige humanitäre Katastrophen hautnah miterlebt - im Sudan und in Angola, in Liberia und in Pakistan. "Wir richten unsere Maßnahmen immer nach dem Land, in dem wir uns gerade befinden. In Krisenherden müssen wir erst einmal den Beweis erbringen, dass wir nur hier sind, um der notleidenden Bevölkerung zu helfen. Dazu bedarf es oft großer Anstrengungen", sagt Tezera. "Manchmal sind auch die Straßen in einem schlechten Zustand - oder die geographische Lage macht den Zugang schwierig." Im Murambinda Mission Hospital sind die Menschen für die Unterstützung der Ärzte dankbar. "Die machen hier eine tolle Arbeit. Wenn Sie gesehen hätten, wie ich aussah, als ich herkam… Dagegen ist das nun schon eine große Verbesserung. Ich war sehr krank, man hat mich in einer Schubkarre hergebracht. Hier habe ich Medikamente bekommen. Jetzt kann ich selbst zu Fuß herlaufen, und ich fühle mich sehr stark", sagt ein alter Mann, der in der Menschenschlange wartet. "Ein Jahr ist vergangen, und mein Zustand hat sich sehr gebessert. Die Ärzte erklären mir, wie ich mit HIV ein besseres Leben führen und wie ich auch mit den anderen in meinem Dorf zusammenleben kann", ergänzt eine Frau neben ihm.

Gesundheitsvorsorge in einem kranken Land

lJames Mutharia ist Kenianer. Er leitet heute das Murambinda HIV/AIDS Projekt und war mit MSF schon in vier afrikanischen Ländern. "Viele afrikanische Staaten haben einfach nicht die nötigen Mittel für ihr Gesundheitssystem", meint Mutharia. "In der Praxis bedeutet das, dass viele Menschen Probleme haben, an ausreichend Medizin gegen die gesundheitlichen Probleme zu kommen, die sie von Tag zu Tag verschleppen."

Fasil Tezera ist froh, dass es seine Organisation seit vierzig Jahren gibt. Er lächelt, wenn er an die Erfolge zurückdenkt, die er mit dem Team von MSF erreicht hat. So manchen Sieg haben sie schon errungen, besonders in der Bekämpfung von HIV und AIDS in Afrika. In Simbabwe hat die Infektionsrate zu sinken begonnen. "Es ist ungünstig, dass die Spenden jetzt zurückgehen", sagt Tezera. "Über 5.000 Menschen in Simbabwe werden wir nicht behandeln können, wenn keine zusätzlichen Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden Das käme dann allerdings einem Todesurteil gleich."

Autor: Columbus Mavhunga
Redaktion: Daniel Pelz / Johanna Schmeller