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Deutschland

390 Euro für einen Terroristen in Geldnot?

Einer der drei mutmaßlichen Terroristen, die den Anschlag in Düsseldorf geplant haben sollen, brauchte wohl dringend Geld. Wie passt das zu dem Milliardenvermögen des "Islamischen Staates"?

"Follow the money" ist ein Motto von Ermittlern, wenn es darum geht, die Drahtzieher einer Tat ausfindig zu machen. Also: Schau, wer bezahlt hat oder wer daran verdient. Im Falle des mutmaßlichen IS-Kämpfers Hamza C. offenbart der Blick auf die Geldquellen augenscheinliche Ungereimtheiten. Der als Flüchtling nach Deutschland eingereiste Syrer brauchte offenbar dringend Bares. Um 390 Euro Unterstützungsleistung des deutschen Staates abzuholen, ist Hamza C. am 1. Juni in seine Flüchtlingsunterkunft im brandenburgischen Bliesdorf zurückgekehrt, in der er sich lange nicht hatte blicken lassen. Auf diesen Moment hatte die Polizei monatelang gewartet - am Tag darauf schlug ein Sondereinsatzkommando dort zu und nahm den 28-jährigen Terrorverdächtigen fest.

Millionen auf IS-Konten

Warum ging Hamza C. den Fahndern dafür ins Netz? Kein IS-Terrorist müsse per Boot und zu Fuß über die Balkanroute kommen, denn "der IS hat viel Geld und könnte andere Wege nutzen", urteilte am Tag nach der Festnahme der Chef der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt. Darum warnte er im gleichen Atemzug davor, nun Flüchtlinge unter Generalverdacht zu stellen.

Rainer Wendt, Bundesvorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft (Foto: picture alliance/dpa)

Keine pauschalen Verurteilungen: Rainer Wendt von der Polizeigewerkschaft

Tatsächlich geht das US-Analyseunternehmen iHS davon aus, dass der "Islamische Staat" monatliche Einnahmen von über 50 Millionen Euro hat. Sein Geld verdient der IS demnach zur Hälfte mit Steuern, Schutzgeldern und Diebstahl, zur anderen Hälfte mit Ölverkäufen, Drogenhandel und Spenden. Bei den Ausgaben stehen Gehälter für Kämpfer im Irak und Syrien ganz oben auf der Liste. Die Militäroperationen im IS-Kerngebiet seien dabei weitaus teurer als ein Anschlag in Europa.

Bleibt also die Frage, warum ein Mann, der laut Generalbundesanwalt direkt von der IS-Führung den Auftrag bekommen hat, einen Anschlag in Düsseldorf zu verüben, angesichts der Finanzkraft der Terrororganisation auf 390 Euro angewiesen ist? Warum verlässt er für diese Summe sein Versteck? Für die IS-Führung in Syrien sollte es ein Leichtes sein, den Unterhalt einer Terrorzelle in Europa zu bestreiten.

Kein Geld für Anhänger in Europa

Tatsächlich fließt wohl kein Geld aus der IS-Zentrale nach Europa - davon gehen Forscher wie Louise Shelley vom Terrorism, Transnational Crime and Corruption Center (TraCCC) der George Mason University nahe Washington, D.C., aus. Die Finanzierungsstrukturen seien völlig unabhängig, so Shelley zur DW: "Es gab aus dem IS-Gebiet in den vergangenen Jahren nur eine Überweisung über 5000 Euro an europäische Terroristen. Alle anderen Gelder stammten aus Europa."

Polizisten führen Verdächtige zum Gerichtshof Karlsruhe (Foto: picture alliance/dpa)

Festgenommen: Einer der Verdächtigen in Karlsruhe

Shellys Forschung hat ergeben, dass sich europäische Terrorzellen selbst finanzieren müssen - über Kleinkriminalität wie Schwarzmarktgeschäfte, Überfälle, kleine Drogendeals und Betrug. Die meisten Terroristen, die in jüngster Zeit Anschläge verübten - ob in Brüssel oder Paris -, "haben eine kriminelle Vergangenheit in Europa".

Wenn es zutrifft, dass vom IS losgeschickte Schläfer ihren Lebensunterhalt in Europa selbst bestreiten müssen, dann erklärt sich, warum Hamza C. die mühsame, aber preiswerte Einreise via Balkanroute gewählt hat und warum ihm 390 Euro vom Landkreis Märkisch-Oderland wichtig genug waren, aus seiner Deckung zu kommen.

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