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Reise

39 Cent für den Klimaschutz

Das Bio-Seehotel Zeulenroda rechnet die Klimasünden des Gastes zusammen, die durch An- und Abreise sowie den Hotelaufenthalt verursacht werden. Als Ausgleich wird um eine Spende für ein Klimaschutz-Projekt gebeten.

Bio-Seehotel Zeulenroda

Bio-Seehotel Zeulenroda

An dem neuen Terminal in der Lobby des Bio-Seehotels Zeulenroda kommt kaum ein Gast vorbei. Zentral im Empfang platziert, lockt es die Gäste seit einigen Tagen gleich beim Einchecken an. "Das Interesse ist groß", sagt Hotel-Geschäftsführer Stephan Bode stolz. Kein Wunder, das Gerät bietet einen in Hotels bislang einmaligen Service: Es rechnet die Klimasünden des Gastes zusammen, die durch An- und Abreise sowie den Hotelaufenthalt verursacht werden. Als Ausgleich dafür wird um eine Spende für ein Klimaschutz-Projekt gebeten.

Umweltbewusstsein wecken

Am Klimaterminal in der Lobby

Am Klimaterminal in der Lobby

Möglichst klimaneutral möchte das ostthüringische Bio-Hotel an der Grenze zu Sachsen arbeiten. Der angebotene individuelle CO2-Fußabdruck soll dabei vor allem das Umweltbewusstsein der Hotelgäste wecken. Dem Klima-Computer zufolge gibt ein Hotelgast bei einer Übernachtung mit Vollpension - nicht eingerechnet die wahrscheinlich noch schädlichere Anreise - bereits rund 32 Kilogramm Kohlenstoffdioxid an die Atmosphäre ab. Erfasst wird alles - vom Betrieb des Hauses über den Fuhrpark der Mitarbeiter bis zur Kuh, die das Glas Milch für das Frühstück liefert, von der Wäscherei bis hin zur Produktion der Stoffbadeschuhe für die Sauna. Dafür wären dann 39 Cent fällig.

Energieautarkes Haus

"Jeder Gast kann selbst entscheiden, ob er diesen Beitrag leisten will", sagt Hotelchef Bode. Die Dimension wird bei einer Gesamtrechnung klar: Würden bei einer 50-prozentigen Auslastung des 307 Betten großen Hauses alle Übernachtungen mit Vollpension ausgeglichen, so könnten knapp 1,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid neutralisiert werden. Mit den Ausgleichszahlungen will das Hotel den Betrieb eines Windparks in Indien und ein Aufforstungsprojekt in Uganda fördern.

In Sachen Klimaschutz ist das Bio-Seehotel seit Jahren Vorbild für andere Häuser. Die gesamte Küche wurde auf Bio-Lebensmittel umgestellt, geputzt wird nur mit biologischen Reinigungsmitteln, und alle Druckerzeugnisse werden klimaneutral hergestellt. Das Hotel ist zudem mit schadstofffreien Naturmaterialien ausgestattet. Bode, unter dessen Leitung das Haus in den vergangenen drei Jahren zum besten Tagungshotel Deutschlands gewählt wurde, plant noch mehr: Sein Haus soll energieautark werden.

Das Wohl der Angestellten

Die Rezeption im Bio-Seehotel Zeulenroda

Die Rezeption im Bio-Seehotel Zeulenroda

Der ganzheitliche Blick des Hotelchefs - Mensch, Umwelt und Unternehmen bedingen sich gegenseitig - schließt auch die 130 Mitarbeiter des Hotels mit ein. So wurde eine Heilpraktikerin eingestellt, die sich ausschließlich um das Wohl der Hotelangestellten kümmert. Bodes Erfolgsrezept heißt Integratives Qualitätsbewusstsein: "Jeder wird im Ganzen gefördert und gefordert."

Der Erfolg spricht für ihn. Als Bode 2002 den Posten des Geschäftsführers übernahm, verzeichnete das Haus eine Auslastung von 25 Prozent und machte mit 83 Mitarbeitern einen Umsatz von 2,5 Millionen Euro. "In diesem Jahr (2008) sind eine Belegung von 50 Prozent und fünf Millionen Euro Umsatz ein realistisches Ziel", sagt Bode. (AP)