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Europa

35 Jahre Haft für Kriegsverbrecher Martic

Der frühere Volksgruppenführer der kroatischen Serben, Milan Martic, ist zu 35 Jahren Haft verurteilt worden. Das Haager Kriegsverbrechertribunal befand ihn der Folter sowie der Verfolgung und Vertreibung für schuldig.

Milan Martic vor Gericht, Quelle: AP

Milan Martic vor Gericht

Das UN-Kriegsverbrechertribunal für das frühere Jugoslawien hat den ehemaligen kroatischen Serbenführer Milan Martic am Dienstag (12.6.07) zu 35 Jahren Haft verurteilt. Die Strafe ist eine der höchsten, die das Gericht in Den Haag in seinen bislang knapp 70 Urteilen ausgesprochen hat.

Das Gericht befand den ehemaligen Präsidenten der inoffiziellen Serbischen Republik Krajina in Kroatien für schuldig, während des Krieges in Kroatien von 1991 bis 1995 für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verantwortlich gewesen zu sein.

Streubomben-Angriff auf Zagreb

Das Tribunal sah es als erwiesen an, dass der heute 52-Jährige an der Ermordung, Verfolgung, Vertreibung und Folterung von kroatischen Zivilisten sowie an Zerstörungen von Dörfern beteiligt war. Die Krajina wurde 1991 von serbischen Separatisten für unabhängig erklärt und erst 1995 von kroatischen Truppen zurückerobert. Martic hatte bis 1995 führende Posten in der einseitig ausgerufenen Serbenrepublik inne, zuletzt als deren Präsident.

Martic wurde auch für schuldig befunden, einen zweitägigen Angriff mit Streubomben auf die kroatische Hauptstadt Zagreb angeordnet zu haben. Dabei wurden im Mai 1995 mindestens sieben Zivilpersonen getötet und mehr als 200 verletzt. Am schwersten aber wogen nach Auffassung des UN-Tribunals die brutalen ethnischen Säuberungen in der Krajina.

"Kriminelle Verschwörung"

Diese Verbrechen seien vor allem gegen ältere Menschen und Gefangene verübt worden, erklärte der Vorsitzende Richter Bakone Moloto. Das Tribunal beschuldigte Mladic ferner einer kriminellen Verschwörung zur Errichtung eines großserbischen Staates, zu dem etwa ein Drittel Kroatiens gehören sollte. Partner in diesem Plan seien der damalige serbische Präsident Slobodan Milosevic sowie der bosnische Serbenführer Radovan Karadzic und dessen General Ratko Mladic gewesen.

Als "wichtigste und einflussreichste politische Figur" in der Krajina habe Martic von der "Vielzahl an Verbrechen gegen Nicht-Serben" gewusst, urteilten die Richter in Den Haag. In seinem Bestreben, ein ethnisch serbisches Gebiet zu erschaffen, habe der Führer der Serben in Kroatien eine "Atmosphäre der Angst und des Misstrauens zwischen Serben und Nicht-Serben" geschaffen. Den Vorwurf der Massenvernichtung ließ das Tribunal fallen. Die Martic anzulastenden Mordfälle erfüllten diesen Straftatsbestand nicht, hieß es.

Enge Verbindungen zu Milosevic

Die Richter gingen in ihrem Urteil auch auf die engen Verflechtungen zwischen Martic und Milosevic ein. Martic habe um finanzielle, logistische und militärische Unterstützung aus Serbien gebeten und diese auch erhalten. Er habe damit eine wichtige Rolle bei dem Vorhaben von Milosevic gespielt, ein ethnisches Groß-Serbien mit Teilen Kroatiens und Bosniens zu schaffen.

Die Staatsanwaltschaft hatte für Martic eine lebenslange Haftstrafe beantragt. Die Verteidigung sprach hingegen von Erfindungen und plädierte ebenso wie Martic selbst auf Freispruch. Martic nahm das Urteil ohne äußerliche Regung auf. Er hatte sich im Mai 2002 dem UN-Tribunal gestellt.

Insgesamt gab es 19 Anklagepunkte gegen Martic, der sich im Mai 2002 dem UN-Tribunal ergeben hatte. In 16 Punkten wurde er am Dienstag für schuldig befunden. Martic kann gegen das Urteil Revision einlegen. (stu)

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