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Kultur

3330 Quadratmeter Amazonien

Bäume, die in den Himmel wachsen, lange Wurzeln, die scheinbar aus der Luft herabhängen – der Künstler Yadegar Asisi lässt gerade das weltgrößte Panoramabild auf Textil herstellen. Im beschaulichen Sauerland.

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So soll "Amazonien" aussehen. Hier in Miniatur auf einem Leuchtkasten

Das Sauerland ist ein beschaulicher Flecken Erde. Verschneite Hügel, gepflegte Fachwerkhäuser, gurgelnde Bäche. Doch das verschlafene Ambiente täuscht. Denn mittendrin: Schlingpflanzen! Ungeziefer! Ein Regenbogen! Aber nur auf Polyester. Die Druckerei "Marx & Moschner" macht ihrem Werbeslogan – "Große Bilder für große Ideen" – alle Ehre und lässt gerade das weltgrößte Panoramabild auf Textil entstehen. 37 Bahnen Stoff werden dafür bedruckt und zusammengenäht. Jede Bahn misst drei mal 30 Meter. Sind am Ende: 3330 Quadratmeter.

Näherin Cornelia Sprengel von der Druckerei Marx & Moschner

Für die Näherin Cornelia Sprengel ist "Amazonien" ein Knochenjob

Maßarbeit, die schlaucht

Cornelia Sprengel hat die Hoheit über die überdimensionale Nähmaschine, die auf einem fahrbaren Untersatz thront. Die Näherin ist hoch konzentriert, hat Spule und Naht im Blick, gibt präzise Kommandos an ihre beiden Kollegen. Jeder Zentimeter muss exakt stimmen. 23 Bahnen hat Sprengel in den letzten Tagen geschafft, sie sieht erschöpft aus. Auf die Frage, was denn die Arbeit so anstrengend mache, seufzt sie und sagt: "30 Meter am Stück und das zweimal und immer schräg sitzen, das geht auf die Hüfte und den Po – auch, wenn er gepolstert ist."

Der Berliner Künstler Yadegar Asisi als Figur in seinem Panoramabild Amazonien

Auch der Künstler Yadegar Asisi taucht als Figur in seinem Bild auf

30.000 Fotos in einem Bild

Ab Ende März wird das Panoramabild in einem umfunktionierten Gasometer in Leipzig hängen und Besucherscharen anlocken. Das Bild ist eine Komposition aus Foto und Gemälde. Der Künstler Yadegar Asisi hat die Collage am Computer digital erstellt. Grundlage waren fast 30.000 Fotos, die er bei seinem Aufenthalt in Amazonien gemacht hat. Die Mitarbeiter der Druckerei sind eine Art Testpublikum, wenn es um die Wirkung des Gesamtkunstwerks geht. Cornelia Sprengel findet es zwar ganz interessant, verzieht aber das Gesicht, wenn sie an die abgebildeten Schlangen denkt. "Auch wenn sie nur hier draufgedruckt sind, da erschreck ich mich immer noch", sagt sie verschämt.

das Panoramabild Amazonien

In der Stadthalle von Schmallenberg wird das Kunstwerk zusammengenäht

Meisterwerk der visuellen Darstellung

Cornelia Sprengel und ihre Kollegen waren auch schon bei den Vorgänger-Projekten von Asisi dabei, die bei "Marx & Moschner" in Lennestadt gedruckt wurden: "Rom 312" und "1756 Dresden". Jedes für sich ein Meilenstein – und für die Druckerei eine anspruchsvolle Arbeit, so ganz anders als das Tagesgeschäft. "Amazonien" nennt Geschäftsführer Wolfgang Moschner "ein Meisterwerk der visuellen Darstellung". So eine detailreiche Zusammenstellung des Urwalds auf dieser Fläche bekomme man in der Natur auf einen Schlag niemals zu Gesicht.

Das Asisi Panometer

Ein ehemaliger Gasometer in Leipzig wird "Amazonien" beherbergen

650 Kilo Kunst

In der Druckerei sind nur einige wenige mit dem Auftrag "Amazonien" betraut. Zu groß das Risiko, dass sich kleine Ungenauigkeiten einschleichen, die sich nicht mehr beheben lassen. Detlef Eckel, dem Verantwortlichen für die Daten in der Druckvorstufe, wird ein Stein vom Herzen fallen, sobald das 650 Kilogramm schwere Panorama auf einer überlangen Palette verpackt im LKW gen Leipzig reist. "So eine Aufgabe spornt natürlich an, aber man spürt ein Damokles-Schwert über sich", sagt Eckel. Ist wirklich jedes Teil einzeln richtig bezeichnet? Vom 28. März an wird Asisis Panoramabild in Leipzig zu sehen sein.

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