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Afrika

3000 Tote bei Massaker im Südsudan

Die blutige Feindschaft zwischen zwei Volksgruppen im Südsudan ist eskaliert und hat zu Massentötungen von ungeheurem Ausmaß geführt. Der Grund: der angebliche Diebstahl von Vieh.

Füchtlinge nach dem blutigen Überfall in Pibor (Foto: rtr)

Füchtlinge nach dem blutigen Überfall in Pibor

Rund 6000 bewaffnete junge Männer vom Stamm der Lou Nuer waren nach Angaben der örtlichen Behörden in der vergangenen Woche in das Dorf Pibor in der westlichen Unruheprovinz Jonglei eingedrungen. Dort leben Angehörige der ethnischen Gruppe der Murle, die angeblich Vieh des rivalisierenden Stammes gestohlen haben sollen.

Augenzeugen berichteten, die Angreifer hätten gezielt Jagd auf Angehörige der Murle gemacht. Der Verwaltungschef der Region Pibor, Joshua Konyi, sagte der Nachrichtenagentur AFP, mehr als 3000 Menschen seien getötet worden. Unter den Opfern sind nach seinen Worten fast 2200 Frauen und Kinder. Bislang gingen die Vereinten Nationen von mehreren hundert Todesopfern aus. Die Männer steckten Häuser in Brand. Auch zwei Kliniken der Organisation "Ärzte ohne Grenzen" wurden überfallen und zerstört, wie der stellvertretende Leiter der Hilfsorganisation im Südsudan, Jean-Marc Jacobs, mitteilte.

Zehntausende Flüchtlinge brauchen Hilfe

Laut Schätzungen der Vereinten Nationen flohen zehntausende Menschen in das umliegende Buschland. Die angreifenden Lou Nuer zogen sich erst zurück, nachdem die UN hunderte Blauhelm-Soldaten in die Region entsandt hatten. Auch die südsudanesische Armee schickte 1500 Soldaten nach Pibor.

Die Flüchtlinge sind nach UN-Angaben in den kommenden Wochen dringend auf massive Hilfe angewiesen. Da die Kliniken von "Ärzte ohne Grenzen" zerstört sind, ist auch die medizinische Versorgung der Bevölkerung schwer gefährdet. Die Müttersterblichkeit in dem Land ist besonders hoch.

Rachefeldzüge an der Tagesordnung

Südsudanesen feiern am 9. Juli ihre Unabhängigkeit (Foto: EPA/ DAI KUROKAWA)

Im Juli herrschte noch große Euphorie im Südsudan

Der Südsudan hatte sich erst im Juli nach einem Volksentscheid vom nördlichen Sudan abgespalten. In dem schlecht entwickelten Land, in dem es kaum Straßen, aber infolge des Bürgerkriegs unzählige Waffen gibt, ist der Raub von Vieh immer wieder Anlass für blutige Rachefeldzüge.

Südsudans Vizepräsident Riek Machar zeigte sich ungeachtet der gewaltigen Opferzahlen im arabischen TV-Sender Al-Dschasira zuversichtlich, dass der Konflikt gelöst werden kann. Nach der Stationierung weiterer Sicherheitskräfte und der Einrichtung einer Pufferzone zwischen den verfeindeten Stämmen könnte im Februar eine Friedenskonferenz organisiert werden, meinte Machar.

Autorin: Susanne Eickenfonder (afp, dpa)
Redaktion: Thomas Grimmer

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