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Aktuell Europa

300 Verletzte bei Ansturm auf mazedonische Grenze

Die andauernde Sperrung der Balkanroute fordert immer höhere Opferzahlen. Mit einem massiven Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen wehrte Mazedonien verzweifelte Flüchtlinge ab. Hunderte mussten behandelt werden.

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Die Verzweiflung in Idomeni ist groß

Erschütternde Bilanz der jüngsten Eskalation an der mazedonischen Grenze: Etwa 300 Flüchtlinge wurden verletzt, als sie den Grenzzaun überwinden wollten. Hunderte Menschen aus dem Flüchtlingscamp im griechischen Idomeni hatten versucht, ihre Weiterreise nach Mitteleuropa zu erzwingen. Ein Flugblatt hatte dazu aufgerufen. Mazedonische Polizisten feuerten Tränengas, Blendgranaten und Gummigeschosse in die Menge, um den Ansturm zurückzuschlagen. Nach Angaben der mazedonischen Behörden schafften es einige Menschen zwar, die Sperranlagen zu durchbrechen. Sie seien jedoch alle nach Griechenland zurückgebracht worden.

"Atemnot, tränende Augen - viele Menschen wurden verletzt zurück ins Lager gebracht", berichtete die Chefredakteurin der "Deister- und Weserzeitung", Julia Niemeyer, die als Augenzeugin vor Ort war. Die mazedonische Polizei habe das Tränengas immer weiter über die Grenze gefeuert. Schließlich habe der Wind gedreht und die Gaswolke direkt ins Lager Idomeni getragen, berichtete Niemeyer. Auch Kinder seien von dem Gas betroffen gewesen. Die griechische Polizei habe nicht eingegriffen.

Viele Verletzte durch Gummigeschosse

Das Tränengas verursachte bei vielen Flüchtlingen Atemprobleme. (Foto: Dimitris Tosidis)

Das Tränengas verursachte bei vielen Flüchtlingen Atemprobleme.

Nach Angaben der Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" hatten etwa 200 Menschen Atemprobleme nach dem Einsatz von Tränengas. 40 weitere Flüchtlinge seien durch Gummigeschosse verwundet worden. Hinzu kamen den Medizinern zufolge noch andere Verletzungen, die behandelt werden mussten. Ein Arzt berichtete von drei Kindern, die er nach Verletzungen durch Gummigeschosse versorgt habe.

Die mazedonischen Behörden warfen ihrerseits den anstürmenden Menschen vor, die Beamten mit Steinen und Eisenteilen beworfen zu haben. Drei Polizisten seien bei den Auseinandersetzungen verletzt worden. Kritik aus Griechenland am harten Vorgehen der Sicherheitskräfte wies die Regierung in Skopje zurück.

In der Nähe des kleinen Grenzorts Idomeni harren seit Wochen etwa 11.000 Migranten aus. Die griechischen Behörden konnten sie bislang nicht überzeugen, in nahegelegene Registrierungszentren umzuziehen. Die Schutzsuchenden hoffen darauf, dass die Balkanroute Richtung Mitteleuropa wieder geöffnet wird.

Ein Flüchtling versucht, einen Tränengaskanister über den Zaun zurückzuwerfen. (Foto: Reuters)

Ein Flüchtling versucht, einen Tränengaskanister über den Zaun zurückzuwerfen.

Athen appelliert an Flüchtlinge

Der griechische Krisenstab für Flüchtlinge rief die Menschen im Camp bei Idomeni auf, den Gerüchten über eine mögliche Grenzöffnung nicht zu glauben. Die griechische Polizei sucht nach ausländischen Aktivisten, die das Flugblatt verbreitet haben sollen. Es soll sich griechischen Medienberichten zufolge um britische und deutsche Staatsbürger handeln, die keiner der offiziellen Hilfsorganisationen vor Ort angehören. Bereits Mitte März hatten Aktivisten die Flüchtlinge per Flugblatt dazu aufgerufen, über einen Grenzfluss nach Mazedonien zu gelangen. Drei Menschen waren damals ertrunken, als sie versuchten, den reißenden Fluss zu überqueren.

ago/ml (dpa, afp, rtre)

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