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Kultur

300 Jahre "Eau de Cologne"

Die älteste Parfumfabrik der Welt hat Geburtstag: Am 13. Juli 1709 beginnen die italienischen Brüder Farina in Köln einen Handel mit Luxusgütern. Ihr Verkaufsschlager: Eau de Cologne.

Parfumflasche (Foto: DW)

Farina - nur echt mit der roten Tulpe

Anno 1709 schreibt der italienische Parfümeur Giovanni Maria Farina an seinen Bruder: "Ich habe einen Duft gefunden, der mich an einen italienischen Frühlingsmorgen erinnert. An Bergnarzissen, Orangenblüten kurz nach dem Regen. Er erfrischt mich, belebt meine Sinne und Phantasie!" Farina lebt bereits seit mehreren Jahren in Köln. Er benennt seinen Duft aus Zitrusfrüchten und Jasmin nach seiner neuen Heimat: "Eau de Cologne". Und er erreicht, was vor ihm noch keinem Parfümeur gelungen ist: Dank seiner genialen Nase kann er die Bestandteile seines "Wassers von Köln" immer wieder so zusammenstellen, dass ein- und derselbe Duft entsteht. Flacon für Flacon.

Nur 30 Menschen im Laufe der 300-jährigen Firmengeschichte kennen die geheime Rezeptur. Einer davon ist sein Nachfahre Johann Maria Farina, der heutige Geschäftsführer der Firma. Er beschreibt die Kunst der Eau-de-Cologne-Produktion: "Entscheidend ist ja, dass die Original-Eau de Cologne immer gleich riecht. Und wie bei einem Champagner, wo sie aus vielen Lagen die Sachen zusammenmischen und dadurch den spezifischen Geschmack oder Geruch eines speziellen Champagners bekommen, so machen Sie das bei der Eau de Cologne genauso. Und dadurch, wenn jetzt eine Ernte anders riecht, als die andere, wird das durch das Vermischen mehrerer Anbaugebiete ausgeglichen."

Duft im Wert eines Mittelklassewagens

Giovanni (Johann) Maria Farina

Giovanni (Johann) Maria Farina, der Schöpfer des Eau de Cologne

Farinas Eau de Cologne tritt einen Siegeszug durch die ganze Welt an. Zu den illustren Kunden gehört Kaiserin Maria Theresia genauso, wie Friedrich der Große oder der Zar von Russland. Nur die allerersten Kreise können sich das duftende Wasser leisten. Einer der schlanken grünen Flacons, genannt "Rosolien", kostet immerhin das Wocheneinkommen eines niedergelassenen Handwerksmeisters. Nach heutigem Geldwert deutlich über 1000 Euro. Die Kunden schreckt das nicht: Napoleon verbraucht eine Rosolie pro Tag. Und Fürstbischof Clemens-August, statt zu baden, beduftet sich Monat für Monat mit Eau de Cologne im Wert eines Mittelklassewagens.

Dank optimierter Anbaumethoden und moderner Transportwege wird Eau de Cologne später auch für das breitere Publikum erschwinglich. Dennoch bleibt die lange Firmengeschichte von Schwierigkeiten nicht verschont. Johann Maria Farina, der heutige Inhaber, beschreibt, was die Firma schon durchgemacht hat: "Es gab sehr viele Krisen. Denken Sie nur an die Französische Revolution, WK I, WK II waren mit die größten Krisenzeiten. Nicht etwa, weil uns unsere Kunden nicht mehr die Stange hielten, sondern weil wir von den Rohstoffen abgeschnitten waren. Und nicht mehr produzieren konnten. Und so ist das auch heute: Solange wir produzieren können, sieht die Zukunft sehr positiv aus. Deswegen auch - viele reden im Moment von Wirtschaftskrise, das ist eine Sache, die bei uns gar nicht angekommen ist - bis jetzt."

Erfolg lockt Nachahmer

Farina-Flasche (Foto: DW)

Die Rosolie, der historische Eau de Cologne Flacon

Knapp 100 Jahre nach Farinas duftender Erfindung produziert der Kölner Unternehmer Wilhelm Mühlens ebenfalls ein Duftwasser auf Zitrusfrüchtebasis. Er benennt es nach der Hausnummer, die napoleonische Soldaten an seinen Firmensitz in der Glockengasse geschrieben haben: 4711. Ein weltbekanntes Produkt - aber eben nicht das Original. Das ist Farina. Firmenerbe Johann Maria Farina begegnet daher den Mühlens-Nachfahren völlig gelassen. Er verrät sogar ein Histörchen: "Mit einer Tochter von Ferdinand Mühlens war ich sogar in der Tanzstunde. Und die anderen kennt man auch. Also, das ist überhaupt nie ein Problem gewesen zwischen den zwei Familien!" Laut seiner Aussage begegnen sich die zwei Produkte im Markt sowieso nicht, da das originale Farina-Eau de Cologne nur in Parfümerien, ausgewählten Apotheken und durch die Firma direkt vertrieben wird.

Im Farina-Stammhaus in der Kölner Altstadt - Firmensitz seit 300 Jahren - befindet sich auch das hauseigenen Museum. Hier erfahren interessierte Gäste Wissenswertes rund um das Duftwasser. Zum Beispiel, dass sein Schöpfer Giovanni - zu Deutsch Johann - Maria Farina Pate stand für Jean-Baptist Grenouille, den dämonisch-genialen Parfümeur aus Patrik Süßkinds Weltbestseller "Das Parfum". Für das Buch hatte Süßkind ausgiebig im Farina-Archiv recherchieren dürfen.

Nur echt mit roter Tulpe

Johann Maria Farina (Foto: DW)

Johann Maria Farina führt das Familienunternehmen in der 8. Generation

Um das originale Eau de Cologne schon rein äußerlich unverwechselbar zu machen, benutzt Farina das Symbol einer Tulpe. Im Rokoko war der Duft eine exotische Kostbarkeit und hochbegehrt unter den Reichen Europas. Der Flacon, die schlanke grüne Rosolie, blieb bis ins 19. Jahrhundert unverändert. Bis heute kann Farina-Eau de Cologne in dieser historischen Flasche erworben werden. Allerdings sind inzwischen moderne Formen dazu gekommen. Zum Beispiel lieferte der berühmte expressionistische Maler Wassily Kandinsky zu Anfang des 20. Jahrhunderts einen Entwurf im Stil eines Whisky-Taschenflacons. Ob in der historischen Rosolie oder im modernen Flacon: Das originale, seit 300 Jahren unveränderte Eau de Cologne findet sich immer unter dem Zeichen einer stilisierten roten Tulpe und dem schwungvollen Namenszug "Johann Maria Farina".

Autorin: Catrin Möderler

Redaktion: Dirk Eckert

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