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Politik

30 Tote und ein verletzter Gouverneur im Irak

Anschlagsserie im Irak: Bei einem Doppelanschlag und einem Attentat auf Gläubige nahe Bagdad sind am Mittwoch mindestens 30 Menschen getötet worden. Unter den mehr als 30 Verwundeten war auch ein Gouverneur.

Ein US-Soldat untersucht den Anschlagsort (Foto: AP)

Ein US-Soldat untersucht den Anschlagsort

Der Doppelanschlag vom Mittwoch (30.12.2009) in Ramadi, 110 Kilometer westlich von Bagdad, folgte einer perfiden Strategie, die Selbstmordattentäter im Irak schon mehrmals angewandt hatten: Zunächst sprengte sich ein Attentäter mit einem Auto in der Nähe des Gebäudes der Provinzregierung in Ramadi in die Luft. Als Gouverneur Kassim al Fahdawi den Tatort des ersten Anschlags inspizierte, detonierte ein zweiter Sprengsatz, der den Gouverneur verletzte, sagte Polizeisprecher Imad al Fahdawi. Der stellvertretende Polizeichef sei bei dieser Explosion ums Leben gekommen.

US-Soldat mit Gewehr in Ramadi (Archiv-Foto: AP)

Seit Jahren gilt Anbar als umkämpfte Provinz

Bei dem zweiten Attentat, das offenbar gezielt Gouverneur al Fahdawi galt, kam der Attentäter nach Medienberichten aus dem unmittelbaren Umfeld des Politikers: Sein persönlicher Leibwächter soll einen am Körper getragenen Sprengstoffgürtel gezündet haben. Der Gouverneur habe Verbrennungen in seinem Gesicht und Verletzungen im Bauchbereich erlitten. Bei der zweiten Explosion wurden nach Polizeiangaben auch zwei Provinzabgeordnete verletzt. Insgesamt gab es 23 Tote. Das Satellitenfernsehen der Provinz Anbar dementierte erste Meldungen des staatlichen Fernsehsenders Al-Irakija, denenzufolge der Gouverneur bei dem Anschlag getötet worden wäre.

Hochburg sunnitischer Extremisten

US-Militärsprecher Curtis Hill teilte mit, die irakischen Behörden hätten die US-Streitkräfte um Unterstützung ersucht. US-Soldaten halfen nach seinen Angaben bei der Bergung der Opfer, der Sicherung des Tatorts und den gerichtsmedizinischen Untersuchungen.

Bereits 2004 wurden Regierungsgebäude in Ramadi durch Bomben zerstört (Archiv-Foto: AP)

Bereits 2004 wurden Regierungsgebäude in Ramadi durch Bomben zerstört

Die Lokalregierung machte Extremisten des Terrornetzwerks El Kaida für die Taten verantwortlich, deren Angriffe sich seit Monaten zunehmend gegen Regierungsgebäude und staatliche Institutionen richten. Ramadi ist die Hauptstadt der mehrheitlich von Sunniten bewohnten Unruheprovinz El Anbar und galt nach der US-geführten Invasion im Irak 2003 als Hochburg islamischer Aufständischer. Auch durch die vom US-Militär geleitete Einbindung sunnitischer Milizen in die Sicherheitskräfte der Provinz stabilisierte sich die Lage in Anbar nicht nachhaltig.

Sieben Tote bei Anschlag auf Prozession

In Chales, rund 65 Kilometer nördlich von Bagdad, wurden sieben Menschen bei einem Anschlag auf eine Prozession schiitischer Gläubiger getötet. Angaben der Provinzregierung zufolge wurden zudem 20 Menschen verletzt, darunter der Polizeichef der Stadt. Die Bombe explodierte in einem Festzug schiitischer Muslime, die in Chales das mehrtägige Aschura-Fest begingen, mit dem sie jährlich an den Tod des Begründers ihrer Glaubensrichtung erinnern.

Autor: Joscha Weber (mit dpa, ap, rtr)

Redaktion: Oliver Samson

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