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Politik

27 Jahre Haft für spanischen El-Kaida-Führer

Der Nationale Gerichtshof in Madrid hat mehrere Mitglieder einer spanischen El-Kaida-Zelle verurteilt. Der Hauptangeklagte muss für 27 Jahre ins Gefängnis - die Anklage hatte 74.000 Jahre Haft gefordert.

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Imad Yarkas muss in Haft - 17 weitere Angeklagte auch

Es war das größte Gerichtsverfahren gegen El-Kaida in Europa: Insgesamt mussten die Richter über 24 Angeklagte urteilen - dreien davon wird eine Beteiligung an den Anschlägen in den USA vorgeworfen. Das Gericht blieb allerdings weit unter dem von der Anklage geforderten Strafmaß. Sechs der Angeklagten wurden freigesprochen.

Al-Kaida-Prozess in Madrid

Während der Verhandlung saßen die Angeklagten hinter kugelsicherem Glas

Imad Eddin Barakat Yarkas alias Abu Dahdah, der aus Syrien stammende Hauptangeklagte und mutmaßliche Chef der Zelle, wurde dagegen zu 27 Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Textilhändler an den Vorbereitungen zu den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA beteiligt war.

Yarkas soll im Juli 2001 ein Treffen des späteren Todespiloten Mohammed Atta mit einem der mutmaßlichen Drahtzieher der Anschläge, Ramzi Binalshibh, in Spanien organisiert haben. Die Richter machten ihn aber nicht direkt für den Tod der 2973 Opfer verantwortlich. Die Staatsanwaltschaft hatte für Abu Dahdah über 74.000 Jahre Haft gefordert - 25 Jahre für jeden Toten der Terroranschläge. Abu Dahdah hatte den ganzen Prozess über von einer "Farce" gesprochen und jegliche Verbindung zu El-Kaida oder Osama bin Laden bestritten. Er hatte außerdem die Anschläge vom 11. September verurteilt und erklärt, dass er grundsätzlich gegen Morde sei.

Al Kaida-Prozess in Madrid

Das Verfahren in Madrid ist der bisher größte europäische Prozess gegen El-Kaida

Für Yarkas hatte die Staatsanwaltschaft eine Strafe von 74 000 Jahren Haft gefordert - genau so auch für zwei weitere Angeklagte, einen Syrer und einen Marokkaner. Der Marokkaner wurde zu sechs Jahren Haft verurteilt, der Syrer freigesprochen. Nach Ansicht der Richter ist es nicht erwiesen, dass die von dem Syrer aufgenommenen Videofilme des New Yorker Flughafens und des World Trade Centers mit den Anschlägen in Verbindung standen.

Verteidigung forderte Freispruch

16 weitere Angeklagte wurden zu Haftstrafen zwischen sechs und elf Jahren verurteilt. Der frühere Starreporter Taisir Aluni vom arabischen TV-Sender Al Dschasira erhielt sieben Jahre Haft. Er war weltweit bekannt geworden, weil er nach dem 11. September das einzige Interview mit dem Terroristenchef Osama bin Laden geführt hatte.

Der Journalist war nach Ansicht der Richter kein Mitglied von El Kaida, hatte die Organisation aber mit wichtigen Informationen versorgt. Al Dschasira will Berufung gegen das Urteil einlegen; Alluni sei unschuldig. Die Verteidigung hatte für alle Angeklagten auf Freispruch plädiert. Unterdessen übten die Richter heftige Kritik an den Ermittlern: Der Polizei seien beim Abhören von Telefongesprächen schwere Fehler unterlaufen.

Auch wenn der Prozess in Spanien stattfand: Um die Attentate auf Nahverkehrszüge in Madrid am 11. März 2004 ging es dabei nicht. Neben Deutschland ist Spanien der einzige europäische Staat, der im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11. September Strafprozesse eingeleitet hat. (reh)

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