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Medizin

26 Antibiotika bleiben ohne Wirkung: US-Patientin tot

Im Kampf um das Leben einer Patientin setzten die Ärzte alle 26 in den USA zugelassenen Antibiotika ein - aber keines schlug an. Die Frau starb auf der Isolierstation eines US-Krankenhauses.

Klebsiella pneumoniae (picture alliance/chromorange/Media for Medical)

Klebsiella pneumoniae: Laut WHO eine "dringende Gefahr für die Gesundheit des Menschen"

Bei der Rentnerin sei ein multiresistenter Klebsiella-Pneumoniae-Keim gefunden worden, der nicht wirksam mit Antibiotika behandelt werden könne, teilte das US-Seuchenabwehrzentrum CDC nach umfangreichen Untersuchungen mit, die jetzt abgeschlossen wurden. Die Frau sei letztlich an einer Blutvergiftung gestorben. Sie habe sich in den vergangenen Jahren oft in Indien aufgehalten und sei dort wegen eines Oberschenkelbruchs behandelt worden.

Nicht zugelassene Therapie hätte Frau retten können

Nachdem sie im August vergangenen Jahres nach einem längeren Indien-Aufenthalt in die USA zurückgekehrt war, wurde die Frau mit einer systemischen Entzündungsreaktion in ein Krankenhaus im US-Bundesstaat Nevada eingeliefert. Dort starb sie nach mehreren erfolglosen Therapieversuchen im September auf der Isolierstation. Nach dem Tod der Patientin durchgeführte Tests ergaben jetzt, dass ihr möglicherweise eine intranvenöse Behandlung mit dem Antibiotikum Fosfomycin geholfen hätte. Der intravenöse Einsatz von Fosfomycin ist in den USA jedoch nicht zugelassen ist.

Den bei der Verstorbenen entdeckten Klebsiella-Pneumoniae-Keim hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bereits als "dringende Gefahr für die Gesundheit des Menschen" eingestuft. Laut Experten liegt die Sterblichkeitsrate bei mit diesem Bakterium infizierten Menschen bei 40 bis 50 Prozent. Wissenschaftler stellen eine steigende Zahl von Bakterien fest, die gegen Antibiotika resistent und damit kaum zu behandeln sind. Sie warnen, dass bei einer weiteren Verbreitung von derartigen Bakterien künftig Infektionen unheilbar werden und selbst leichtere Erkrankungen bei geschwächten Patienten zum Tode führen könnten.

Multiresistente Keime - ein weltweit wachsendes Problem

2015 war erstmals ein sogenannter Super-Erreger entdeckt worden, der gegen alle bekannten Behandlungsmethoden immun ist. Bei einer 49-Jährigen aus dem Bundesstaat Pennsylvania war bei einem Harnwegsinfekt ein E-Coli-Bakterium gefunden worden, gegen das kein Antibiotikum geholfen hatte. Selbst gegen das Notfallantibiotikum Colistin zeigte sich der "Super-Erreger" immun. Die Frau überlebte dennoch. Das Bakterium enthielt ein Gen, das es immun gegen die Behandlung mit Antibiotika für multiresistente Keime werden lässt. Das sogenannte Mcr-1-Gen wurde bei der nun in Nevada verstorbenen Frau nicht gefunden.

Multiresistente Erreger (MRE) sind vor allem im Krankenhausbereich ein weltweit wachsendes Problem. Laut Bundesgesundheitsministerium erkranken jährlich 400.000 bis 600.000 Patienten an Krankenhausinfektionen. 10.000 bis 15.000 Menschen sterben jedes Jahr daran. Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH) geht sogar von fast einer Million Infektionen und mindestens 30.000 Todesfällen aus. Gefördert werden Resistenzbildungen durch den übermäßige Einsatz von Antibiotika beim Menschen und in der Tiermast sowie eine unsachgemäße Einnahme der Medikamente.

ww/pg (afp, CDC)