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Lebensart

250 Jahre Prater: Wiens Wahrzeichen feiert

Es war eine sensationelle Geste: Am 7.4.1766 öffnete Kaiser Josef II. die ehemals höfischen Jagdreviere für das Volk. Die Wiener strömten ins Grüne, Gastwirte und Schausteller siedelten sich an - der Prater war geboren.

"Herrrreinspaziert" heißt es am Eingangstor zum Riesenradplatz. 4,2 Millionen Besucher im Jahr folgen dieser Einladung. "Der Prater ist wichtig für den Tourismus, für jeden Wiener ist er aber auch eine Jugenderinnerung, man ging ja mit den Kindern zum Ringelspiel, zum Karussell", erzählt Robert Kaldy-Karo, Zauberer und Direktor des Wiener Circus- und Clown-Museums. Der 65-Jährige hat Kostüme, Plakate und Accessoires aus der Welt der Gaukler und Schausteller gesammelt. Eines seiner Prunkstücke: die Riesen-Unterhose der dicken Mitzi, einer 500-Pfund-Dame, die sich wie andere sogenannte "Abnorme" auf dem Prater ausstellte.

Österreich Wiener Prater - Circus- und Clownmuseum

Robert Kary-Kaldo, Direktor des Wiener Circus- und Clownmuseums

"In einer Zeit ohne Fernsehen konnte man Sensationen nur live im Prater erleben", erklärt Kaldy-Karo und verwandelt einen roten Gummiball in die Form eines Hasen. Neben seiner Funktion als Museumsdirektor tritt der Zauberer auch in einem nostalgischen Prater-Varieté auf, um an alte Zeiten zu erinnern.

Ausstellung und Blumencorso

Seinen großen Geburtstag feiert der Prater am 9. April ganz besonders. Mit Blumen geschmückte Oldtimer und Pferdekutschen werden über die Hauptallee fahren - wie in alten Zeiten. Das Wien-Museum zeigt bis zum 21. August die neue Ausstellung "In den Prater - Wiener Vergnügungen seit 1766". Offeriert wird ein buntes Panoptikum von Autodrom-Wagen aus den 60er Jahren, Drehorgeln, Frankenstein-Attrappen und Karussellpferden. Fotos, Plakate und Schwarz-Weiß-Filme lassen eine Ära wiederaufleben, in der den Wienern spektakuläre Innovationen geboten wurden.

Österreich Wiener Prater - Circus- und Clownmuseum

Die "dicke Mitzi" stellte sich im Prater aus

"Am Anfang waren es Feuerwerke, dann wurden hier die ersten Luftschiffe präsentiert, der Prater war auch Ausstellungsgelände für die fünfte Weltausstellung 1873. Und dann wurde 1897, ein Jahr vor dem Thronjubiläum von Kaiser Franz Josef, das Riesenrad aufgestellt", erläutert die Kuratorin Ursula Storch. Eindrucksvoll bebildert ist auch, wie der Prater zur Muse für Komponisten, Schriftsteller und Maler wurde: Auf den Staffeleien der ersten Freiluftmaler entstanden Frühlingsszenen in der grünen Aulandschaft an der Donau oder Kutschfahrten auf der Hauptallee. Karussellfahrten in der Abenddämmerung wurden in Öl- und Wasserfarben festgehalten. "Die Blütezeit des Praters ging zwischen den Weltkriegen zu Ende", bilanziert Kuratorin Ursula Storch. "Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Prater-Gelände zu 99 Prozent zerstört, das Riesenrad überlebte und wurde wieder eröffnet, ein wichtiges Symbol für den Wiederaufbau."

Neuer Glanz für das Riesenrad

Österreich Wiener Prater - Riesenrad

Das Riesenrad auf dem Wiener Prater

Passend zum Jubiläumsjahr wird das Wiener Wahrzeichen mit neuen Waggons ausgestattet. Sieben nagelneue holzverkleidete Kabinen in Rot gleiten bereits durch die Lüfte, gebaut nach den Originalplänen, aber mit Heizung und Klimaanlage sowie sechs statt bisher vier Fenstern ausgestattet. Bis Mitte Juni werden alle fünfzehn Waggons von 1946 ersetzt sein.

Österreich Wiener Prater - Circus- und Clownmuseum, Ursula Storch

Ursula Storch, Kuratorin der Prater-Ausstellung im Wienmuseum

"Von hier oben hat man einen tollen Blick über Wien", meint der zehnjährige Florian Weinberger aus Bayern, mit seiner Familie zu Besuch in der österreichischen Hauptstadt. Seine Mutter hält sich im Hintergrund: "Ich stell mich lieber in die Mitte des Waggons, sonst wird mir schummerig, wenn ich herunterschaue", sagt sie lächelnd. Immerhin ist das Riesenrad 65 Meter hoch. Für die Familie gehört eine Fahrt im Riesenrad zu einem Wien-Besuch einfach dazu. Schließlich ist es weltbekannt und diente schon als Filmkulisse im Klassiker "Der Dritte Mann" mit US-Schauspieler Orson Welles als Bösewicht: Hoch über Wien sinniert der skrupellose Penicillin-Schieber Harry Lime über die winzigen Punkte am Boden, gesichtslose Menschen, die er jederzeit gegen Geld opfern würde. Nach der luftigen Fahrt ist Frau Weinberger aus Bayern allerdings froh, wieder ein kleiner Punkt am Boden zu sein. Schließlich warten auf sie und ihre Familie noch andere Attraktionen.

Spaß und Adrenalin

Österreich Wiener Prater - Unternehmer Stephan Sittler

Der Unternehmer Stephan Sittler

Auch wenn die Blütezeit des Praters wegen immenser Konkurrenz auf dem Freizeitmarkt vorbei ist - die rund 80 Unternehmer machen weiter und verdienen gutes Geld. "Ich gehöre in unserer Familie schon zur vierten Generation der Prater-Unternehmer", sagt Stefan Sittler-Koidl. Er besitzt mehrere Fahrgeschäfte, darunter eine nagelneue Achterbahn namens "Volare", auf der man bäuchlings auf einer Liege durch die Windungen kurvt. Außerdem gibt es ultramoderne Skydiving-Angebote wie das "Windobona". Viele melden sich hier an, um kunstvoll im Luftkanal über dem Boden zu schweben. Guten Zuspruch findet auch ein neuer Indoor-Rollercoaster namens "Maskerade".

Wer irgendwann von den schrillen Geräten der Neuzeit genug hat, kehrt in eines der zahlreichen Bier- und Weinlokale des "Wurstl-Praters" ein, schließlich begann der Vergnügungspark einmal ganz bodenständig mit der Gastronomie. Oder man wandert hinaus in die grünen Auen des sechs Quadratkilometer großen Geländes. Hier sind an sonnigen Tagen Reiter, Jogger und Fahrradfahrer unterwegs - für die Wiener ein idealer Ort zum Entspannen. Ganz wie in der Anfangszeit, als ein aufgeklärter Monarch durch eine großzügige Geste das berühmte Wahrzeichen des kleinen Mannes aus der Taufe hob.

Österreich Wiener Prater - Circus- und Clownmuseum

Ein Poster im Circus- und Clownmuseum