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Wirtschaft

25 Milliarden und viele Versprechungen

Einmal im Jahr lädt das Weltwirtschaftsforum zu einem regionalen Treffen nach Lateinamerika ein. Dann wird vor Ort über die ökonomische Weltlage diskutiert. Aus Medellin berichtet Manuela Kasper-Claridge.

Sie machen einen unglaublichen Lärm. Bestückt mit Hupen, Pfeifen und Trommeln stehen die Demonstranten auf der anderen Seite des Kongresszentrums und rufen Parolen gegen den kolumbianischen Präsidenten Juan Manuel Santos. Sie sind gegen die Friedensverhandlungen mit der Guerillaorganisation F.A.R.C und wollen sich Gehör verschaffen: "Pite! Contro las Farc!" - "Mit Hupen gegen die F.A.R.C", steht auf ihren Plakaten. Die Demonstration hat die Polizei sichtbar überrascht, aber schnell wird eine Sicherheitskette auf der Straße gebildet. Berittene Polizei kommt, es bleibt friedlich.

Werben für den Frieden

Kolumbiens Präsident Santos bekommt von der Demonstration nichts mit. Er ist schon lange im Kongresszentrum, als Gastgeber gemeinsam mit dem Weltwirtschaftsforum aus Genf. Er gibt sich betont jovial, sein Hemdkragen ist offen. Auf dem Weg zum Podium bleibt er stehen und plaudert.

Santos will hier in Medellin, vor den Augen zahlreicher Journalisten und hunderter Unternehmer und Politiker, für seinen Kurs werben. Der soll Kolumbien Frieden und Wohlstand bringen. Weit über 200.000 Menschen hat der Guerillakampf und die staatliche Reaktion darauf bisher das Leben gekostet. "50 Jahre gewältige Auseinandersetzungen sind genug", sagt Santos bestimmt. "Nach dem Krieg kommt jetzt der Frieden. Kolumbien ist ein Land, das sich verändert". Die Friedensverhandlungen, die in Kuba geführt werden, stocken allerdings. Doch das erwähnt Santos vor dem internationalen Publikum nicht.

DW-Debatte auf dem Weltwirtschaftsforum Lateinamerika in Medellin/Kolumbien

Teilnehmer beim Weltwirtschaftsforum Lateinamerika im kolumbianischen Medellin

Positive Entwicklungen

Stattdessen verspricht er für Kolumbien eine rosige Zukunft. Wachstumsraten von acht bis zehn Prozent seien nach einem Friedensschluss möglich. Schließlich müsse vieles erst wieder aufgebaut werden. Acht Millionen Menschen seien aus ihren Heimatregionen vertrieben worden, die könnten dann wieder zurück.

Santos verspricht einiges. In den nächsten Jahren soll in den Ausbau des Bildungssystems investiert werden und in neue Technologien. Allein 25 Milliarden US Dollar sind für den Ausbau der Infrastruktur vorgesehen. Private Investoren sollen sich über sogenannte Public-Private Partnerships daran beteiligen. Versprechungen, die ihm nicht jeder abnimmt. Denn das Land hat lange über seine Verhältnisse gelebt, angetrieben von hohen Rohstoffpreisen.

Kritische Investoren

Die Investoren sind kritisch geworden. Sie klagen über Bürokratie oder unzureichende Transportwege. Themen, die auf dem Weltwirtschaftsforums heftig diskutiert werden. Denn die Probleme sind in vielen Ländern Lateinamerikas ähnlich.

Eine Lösung könnte die Unterstützung junger Unternehmer sein. Der argentinische Präsident Mauricio Macri, erst seit einigen Monaten im Amt, will vor allem kleinere und mittlere Unternehmen fördern. Das habe für ihn Priorität, sagt er in Medellin. Künftig sollen Unternehmensgründungen in nur einem Tag möglich sein."Argentinien ist jetzt wieder für Investoren attraktiv und das macht mich sehr froh, denn es wird Arbeitsplätze bringen und die Armut reduzieren", sagte er in Medellin.

Argentinischer Präsident will Deutschland besuchen

Macri will in den nächsten Wochen auch nach Deutschland kommen, erzählt er der DW. Dort will er dann auch für Investitionen in Argentinien werben. "Ich freue mich auf Berlin", sagt er lachend. Ein genauer Termin stehe aber noch nicht fest.

Viel wird in Medellin über Erwartungen und Hoffnungen gesprochen. Das Potential des lateinamerikanischen Kontinents sei enorm und einige Länder stünden nun an einem Wendepunkt. Da, wo eben noch Zölle und starre Regeln herrschten, würden nun die Beschränkungen fallen. So wie in Argentinien.

Unternehmergeist

Doch gerade junge Unternehmer lassen sich von der Stimmung nicht so richtig anstecken. Sie klagen über Finanzierungsprobleme. Sofia Contreras, Unternehmerin und Gründerin von "Chicas en Technologia", erzählt, dass es ohne familiäre Unterstützung überhaupt nicht gehe. "Es ist ein viel zu weiter Weg bis zur Unternehmensgründung. Freunde und die Familie werden angepumpt. Die Banken kann man vergessen.“

Es fehle an geeigneter Infrastruktur aber nicht am Unternehmergeist. Denn immer mehr junge Leute wagen in Lateinamerika - trotz vieler Schwierigkeiten - den Schritt in die eigene Unternehmerexistenz. Tatsächlich gibt es zahlreiche Innovationszentren, nicht nur in Medellin, sondern auch in Quito oder Mexiko City und fast überall auf dem lateinamerikanischen Kontinent.

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