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Kultur

25 Jahre Hilfe für Äthiopien

16. Mai 1981: Der Schauspieler Karlheinz Böhm wettet mit Millionen Fernsehzuschauern, dass nicht einmal jeder Dritte eine Mark für Menschen der Sahel-Zone spenden werde. Der Beginn einer großen Hilfsaktion für Äthiopien.

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Karlheinz und Almaz Böhm

Karlheinz Böhm bei Frank Elstner Wetten, dass 1982

Moderator Frank Elstner (r.) mit Karlheinz Böhm, nachdem der für Hungernde in der Sahel-Zone zwei Millionen Mark gesammelt hat (1982)

Der Auftritt in der Fernsehsendung "Wetten, dass" 1981 veränderte das Leben des Schauspielers Karlheinz Böhm, der in Deutschland vor allem für seine Rolle in der Sissi-Trilogie an der Seite von Romy Schneider gefeiert wurde. Es war das Ende seiner Schauspielkarriere – und der Beginn der Hilfsorganisation "Menschen für Menschen". Mit Millionen von Fernsehzuschauern wettete er, "dass nicht einmal jeder Dritte von Ihnen, und das sind sechs bis sieben Millionen, diese eine Mark spenden wird". Wenn es aber gelänge die sechs bis sieben Millionen Mark zu sammeln, "müssen wir ein Jahr lang kein Kind an Hunger sterben sehen". Böhms Wetteinsatz: "Wenn genug Leute spenden, ich also verliere, dann fahre ich mit dem Geld nach Afrika."

"Wir ersticken am Reichtum"

Zu seinem Bedauern gewann er die Wette: Denn statt der erforderlichen sechs Millionen kamen nur 1,2 Millionen Mark zusammen. Trotzdem fuhr der österreichische Schauspieler wenige Monate später nach Äthiopien, das damals unter der brutalen kommunistischen Herrschaft von Präsident Mengistu Haile Mariam litt. "Als ich gesehen habe, unter welchen schlechten Bedingungen die Menschen dort leben, während wir am Reichtum ersticken, wurde ich richtig wütend", sagte der heute 78-jährige Karlheinz Böhm. Als Böhm im Oktober 1981 zum ersten Mal nach Äthiopien kam, waren kaum Hilfsorganisationen in dem afrikanischen Land tätig. Sie kamen erst anläßlich der Hungersnot Mitte der 1980er Jahre.

Mit den von Böhm gesammelten Spenden wurden 2400 Menschen, die bisher in Flüchtlingslagern gelebt hatten, im Erertal angesiedelt. Sie erhielten Lehmhäuser, Brunnen sowie eine Krankenstation. Schon bald erkannte Böhm "wie naiv ich war zu glauben, mit ein paar Millionen Mark das Hungersterben für ein Jahr aufhalten zu wollen". Er entschloss sich weiterzumachen, gründete die Hilfsaktion "Menschen für Menschen" und beendete seine Karriere als Schauspieler. Sein letztes Engagement brach er vorzeitig ab, denn "mit meinen Gedanken war ich immer in Äthiopien".

Neuen Lebenssinn gefunden

"In den 35 Jahren als Schauspieler habe ich immer alles nur für mich getan", sagt Karlheinz Böhm heute. "Von dem was ich in den letzten 25 Jahren getan habe, war nichts für mich, sondern alles für die Menschen in Äthiopien." Für ihr Engagement beziehen Karlheinz Böhm und seine äthiopische Frau Almaz, die seit 1999 stellvertretende Vorsitzende der Stiftung ist, kein Gehalt. Fast sechs Monate im Jahr verbringen sie in Äthiopien, um gemeinsam mit ihren 700 Mitarbeitern die Hilfsprojekte zu koordinieren. In der übrigen Zeit des Jahres reisen sie durch Europa, um für Spenden zu werben. Dabei zehrt Böhm noch immer von seiner Popularität als Schauspieler.

Wette verloren, zwei Millionen gewonnen

25 Jahre Menschen für Menschen Karlheinz Böhm

25 Jahre nach Gründung der Hilfsorganisation 'Menschen für Menschen'

Insgesamt profitieren rund drei Millionen Menschen in verschiedenen Lebensbereichen von Böhms Engagement. In den vergangenen 25 Jahren hat "Menschen für Menschen" 67,4 Millionen Bäume gepflanzt und vielen äthiopischen Bauern landwirtschaftliche Fachkenntnisse beigebracht. Es wurden 132 Schulen gebaut, in denen auch immer mehr Mädchen lernen. Denn dank der Installation von über 1000 Brunnen in der Nähe von Dörfern müssen die Mädchen ihren Müttern nicht mehr beim Wasser tragen helfen. Almaz Böhm liegen vor allem die Programme für Frauen am Herzen. "Es ist wunderbar, dass ausgerechnet ein Mann den äthiopischen Frauen zu mehr Rechten verholfen hat", sagt sie.

Frauen können bei "Menschen für Menschen" Kleinkredite beantragen und an Weiterbildungskursen teilnehmen. Zudem gelang es Böhm und seinen Mitarbeitern in allen sieben Projektregionen die weibliche Beschneidung und die bislang übliche Kinderheirat abzuschaffen. Die 73 errichteten Krankenstationen oder Kliniken sollen die desolate medizinische Versorgung verbessern.

Zum 25. Jahrestag ging Karlheinz Böhm nun wieder eine Wette ein. Mit 21 Bürgermeistern deutscher Städte wettete er, dass sie es nicht schaffen von jedem dritten Bewohner ihrer Stadt einen Euro als Spende einzusammeln. Diesmal verlor Böhm – zumindest gegen 19 Städte. Ihren Bewohnern gelang es mit öffentlichen Sammelaktionen innerhalb von sechs Wochen das Spendenziel zu erreichen und in vielen Fällen weit zu übertreffen. Die insgesamt über zwei Millionen Euro wird Böhm in eine "Bildungsoffensive für Äthiopien" investieren. Er fühlt sich wie ein Gewinner: "Wissen Sie, wie schön es ist, eine Wette zu verlieren?"

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