1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

25 Jahre Charta 77

Im Januar vor 25 Jahren unterzeichneten in Prag 200 Intellektuelle ein Manifest, das zum Symbol für den Widerstand der Intellektuellen in Osteuropa wurde - die Charta 77.

default

Mitglieder der Charta 77, unter ihnen der spätere Präsident Václav Havel (zweiter von links)

Plastic People of the Universe nannte sich die Kult-Band der
Oppositionellen, die mit drastischen Texten das kommunistische Regime anprangerten: "Mit zwanzig willst du vor Ekel kotzen, mit vierzig noch viel mehr, erst mit 60 bist du so verkalkt, dass du ruhig schlafen gehen kannst." Die Verhaftung einiger Mitglieder der Plastic People war der
Auslöser für eine Bürgerrechtsbewegung in der Tschechoslowakei, die unter dem Namen Charta 77 bald international Schlagzeilen machte.

Hinzu kam die Entspannungspolitik des Westens gegenüber den realsozialistischen Ländern. Die Oppositionellen in Prag fürchteten beim Westen in Vergessenheit zu geraten. "Wir haben gesehen, es gibt die schweigende Verbindung zwischen dem Westen und dem Osten, zwischen Westeuropa und der Sowjetunion. Und wir haben gedacht, dass wir wirklich alleine geblieben sind," sagt die Soziologin Jirina Siklová.

Jirina Siklová gehörte mit Schriftstellern und Intellektuellen wie Václav Havel, Jiri Dienstbier und Pavel Kohout zu den Begründern der Charta 77. Am 1. Januar vor 25 Jahren brachten sie ihr Manifest in Umlauf.

Eigentlich ein harmloser Text, wie Jirina Siklová heute erklärt: "Wir haben unsere Regierung nur an das erinnert, was sie selbst in der Schlussakte von Helsinki unterzeichnet hatte." Nämlich die Anerkennung grundlegender Bürgerrechte wie Meinungs-, Religions- und Reisefreiheit zum Beispiel. Die Charta 77 bot den kommunistischen Machthabern - halb ironisch - ihre Hilfe bei der Umsetzung dieser internationalen Verpflichtung von Helsinki an.

Auf diese Provokation reagierte das Regime mit mehr Gewalt als erwartet. Václav Havel und zwei seiner Mitstreiter wurden beim Gang zur Post verhaftet, noch bevor sie den Text der Charta an Präsident Husak abschicken konnten. Einer der Chartisten, der Philosoph Jan Patocka, starb nach einem brutalen Verhör. Dennoch wurden aus gut 200 Unterzeichnern der Charta 77 schnell 2000. Die Resonanz im Westen war groß, das Regime in Prag bekam es mit der Angst zu tun.