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Filme

24 Stunden nach dem GAU in Tschernobyl

"An einem Samstag" sollte an das Atomunglück in der Ukraine vor 25 Jahren erinnern. Doch jetzt bekommt der Spielfilm über die Tschernobyl-Katastrophe vor dem Hintergrund der Ereignisse in Japan eine drängende Aktualität.

Der zerstörte Reaktor - Filmszene aus An einem Samstag (Foto: Bavaria Pictures)

Noch im Februar, als "An einem Samstag" im Wettbewerb der Berliner Filmfestspiele Weltpremiere feierte, war das Interesse gedämpft. Die russisch-deutsch-ukrainische Co-Produktion zeichnet die 24 Stunden unmittelbar nach dem Unglück im Atomreaktor von Tschernobyl nach. Der Film setzt dabei eher auf ein privates Schicksal - zeigt die Erlebnisse eines jungen Sowjet-Funktionärs nach dem Unglück -, bedient also nicht die üblichen Katastrophenfilmszenarien. Nach dem verheerenden Unfall im japanischen Fukushima ist das Interesse an dem Film sprunghaft gestiegen. Der deutsche Verleih des Films zog den ursprünglich vorgesehenen Kinostart (21. April) für Sondervorführungen vor.

Der Super-Gau im Hintergrund

"Es ist Samstag, die Sonne scheint und das Gras ist grün, noch ... Es ist ein Samstag der Unschuld, und die Menschen sind erbarmungslos ihrem Schicksal überlassen" - der russische Regisseur Alexander Mindadze erzählt vor dem Hintergrund des Atomunglücks eine vordergründig private Geschichte: Valerij Kabysh, ein junger loyaler Parteifunktionär erfährt von der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl und auch von den anfänglichen Vertuschungsversuchen der verantwortlichen Funktionäre und Techniker. Er beschließt mit seiner Freundin aus der Unglücksregion zu fliehen. Doch die beiden verpassen den Zug und sind gezwungen vor Ort zu bleiben.

Ein Paar - Szene aus dem Film An einem Samstag (Foto © Bavaria Pictures)

Auf der Flucht: Valerij und seine Freundin Vera

Mindadze beobachtet nun den eigentlich ganz unspektakulären Alltag der beiden. Das junge Paar besucht ein Hochzeitsfest, bei dem die von der Katastrophe nichts ahnenden Menschen ausgelassen feiern. Der junge Mann, als Schlagzeuger ehemals Mitglied in einer Band, springt bei der Feier als Musiker ein. Man trinkt, man tanzt, schwatzt. Mit seinen ehemaligen Kumpanen kommt es zum Streit, zur Aussöhnung. Mindadze zeigt einen Tag aus dem Leben der Menschen in Tschernobyl. Konkret spielt da die herannahende radioaktive Verseuchung noch keine Rolle. Dem Regisseur ging es nicht um das Aufzeigen der konkreten Folgen der Verstrahlung, auch nicht um die grundsätzliche Thematisierung des Themas Atomkraft.

Die Sowjetunion als erstarrte Gesellschaft

"An einem Samstag" ist ein Film über die sowjetische Gesellschaft in den 1980er Jahren, zeigt die Jahre gesellschaftlicher Erstarrung. Der Film verdichtet die 24 Stunden nach dem Unfall zu einem breiten gesellschaftlichen Panorama. Die Menschen feiern, doch der Staat befindet sich schon am Abgrund. Verdrängung als Selbstschutz - das könnte das übergeordnete Motto des Films sein. Die Atomkatastrophe wird zum Sinnbild der implodierenden sozialistischen Gesellschaft.

Drei Musiker - Szene aus dem Film An einem Samstag (Foto: © Bavaria Pictures)

Feiern und Musik machen, statt Beschäftigung mit Katastrophenszenarien

Schon Jahre vor dem eigentlichen Unfall in Tschernobyl hatte der russische Regisseur Andrej Tarkowskij 1979 in seinem Film "Stalker" das Atomkraftwerk als drohende Hintergrundkulisse genutzt: "Stalker" wurde damals auch als abstrakt-allgemeingültige filmische Warnung interpretiert. Andere Filme aus der westlichen Welt wurden da konkreter. Am berühmtesten ist heute wohl der Hollywood-Streifen "Das China-Syndrom". Er nahm 1979 das Unglück im US-Reaktor Harrisburg vorweg. Mit Stars wie Jane Fonda und Michael Douglas hochkarätig besetzt, löste der Film damals - auch und vor allem in Deutschland - heftige Reaktionen aus, regte zu ernsthaften Diskussionen an.

Bomben und Waffen im Vordergrund

Das Thema der atomaren Verstrahlung fokussiert sich in der Geschichte des Kinos eher auf die Folgen der Atombombenabwürfe und die Gefahr durch andere Atomwaffen. Unfälle in Atomkraftwerken sind dagegen im Kino erst ein Phänomen der letzten Jahre. Doch die Regisseure setzten diese Unfälle meist in kommerziellen Blockbustern ein, konzentrierten sich auf Spezialeffekte und klassische Katastrophenfilmszenarien. Ernsthafte und hintergründige Auseinandersetzungen mit dem Thema waren die Ausnahme. Insofern füllt der aktuelle Film "An einem Samstag" eine Lücke - auch wenn er die Katastrophe von Tschernobyl eher als gesellschaftlich-politisches Phänomen denn als technisch-wissenschaftliches Filmthema behandelt.

Autor: Jochen Kürten

Redaktion: Sabine Oelze

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