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Fokus Osteuropa

24. März soll neuer kirgisischer Nationalfeiertag werden

Der Jahrestag der Revolution in Kirgisistan ist zum Feiertag erklärt worden. Präsident Kurmanbek Bakijew unterzeichnete einen entsprechenden Erlass. Aber die Initiative des Präsidenten ist umstritten.

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Vor einem Jahr kam es in Bischkek zum Machtwechsel

Der Revolutionstag in Kirgisistan soll zum wichtigsten Feiertag des Landes werden. Zumindest kommt man zu diesem Schluss, wenn man den Erlass von Präsident Kurmanbek Bakijew liest. Dem kirgisischen Parlament wurde empfohlen, ein entsprechendes Gesetz anzunehmen. Aus hochrangigen Amtsvertretern und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens wurde ein Organisationskomitee gebildet, das die Feierlichkeiten vorbereiten soll. Die Regierung wurde beauftragt, für den 24. März Militärparaden, Konzerte, Volkfeste und Märkte zu organisieren. Präsident Bakijew ist überzeugt, dass der Feiertag im ganzen Lande begangen werden muss. Er sagte: "In jedem Gebietszentrum, jedem Bezirk, in jeder Stadt werden verschiedene Veranstaltungen durchgeführt, auch Sportveranstaltungen. Der kirgisische Präsident warnte zugleich: falls jemand versuchen sollte, die Feiern zu stören, dann werde man dies als Staatsstreich bewerten.

Rückendeckung vom Parlamentsvorsitzenden

Die Präsidenteninitiative unterstützt der vor kurzem neu gewählte Parlamentvorsitzende Marat Sultanow. Er unterstrich: "Ich trete dafür ein, den 24. März zum Feiertag zu erklären." In dieser Frage steht allerdings eine ganze Reihe von Parlamentariern nicht hinter dem Parlamentsvorsitzenden. Nach den Worten des Abgeordneten Kubanytschbek Isabekow sollte man, anstatt den 24. März zum Feiertag zu erklären, lieber vergessen, was an jenem Tag geschah. Zur Begründung sagte er: "Es gab sowohl Verletzte als auch Tote. Die ganze Welt hat von unseren Räubereien und Plünderungen erfahren. Es wurde alles geplündert, angefangen vom ‚Weißen Haus‘ (Regierungsgebäude) bis hin zu Geschäften. Ganz zu schweigen von den Verwaltungen in den Gebieten."

Premier will auf Volk hören

Klar ist, dass der kirgisische Ministerpräsident Feliks Kulow am 24. März Grund zum Feiern hat. Nachdem der ehemalige kirgisische Präsident Askar Akajew aus dem Land geflohen war, wurde Kulow aus dem Gefängnis befreit, wo er einige Jahre verbracht hatte. Trotzdem ist Regierungschef Feliks Kulow der Meinung: "Feiertage sollten nicht von der Staatsmacht, sondern vom Volk bestimmt werden. Wenn das Volk dafür ist, diesen Feiertag einzuführen, dann muss man den Wunsch des Volkes unterstützen. Ich bin aber dagegen, dass Feiertage von der Staatsmacht festgelegt werden, und das Volk ihn dann so feiern muss, wie die Staatsmacht das möchte."

Kritik von Opfern der Plünderungen

Der 24. März wurde bereits zum Feiertag erklärt. Aber bei weitem nicht alle Bürger sind damit einverstanden. Die Unternehmer, die in der Nacht vom 24. auf den 25. März durch Räubereien und Plünderungen riesige Verluste erlitten hatten, halten die Idee, den 24. März als Feiertag zu begehen, für eine Beleidigung. Burulkan Usubakunowa, die Vorsitzende des " Vereins der geschädigten Unternehmer", erklärte auf einer Pressekonferenz: "Wie kann man den Tag, der so vielen Menschen Kummer brachte, als Feiertag betrachten? Wir haben nicht nur materielle Verluste erlitten, sondern auch unsere Gesundheit verloren!" Burulkan Usubakunova zufolge sind viele Kleinunternehmer noch heute hoch verschuldet, weil sie in jener Nacht alles verloren hatten.

Witalij Katargin
DW-RADIO/Russisch, 7.3.2006, Fokus Ost-Südost