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Nachrichten

23.12.2011 – Langsam gesprochene Nachrichten

Trainieren Sie Ihr Hörverstehen mit authentischen Materialien. Nutzen Sie die Nachrichten der Deutschen Welle von Freitag – als Text und als verständlich gesprochene Audio-Datei.

Der Opposition in Deutschland reicht die öffentliche Entschuldigung von Bundespräsident Christian Wulff wegen dessen Affäre um einen privaten Hauskredit nicht aus. Der Vize-Chef der SPD-Fraktion, Hubertus Heil, sagte, es müsse geklärt werden, ob Wulff seinerzeit als Ministerpräsident gegen das niedersächsische Ministergesetz verstoßen habe. Grünen-Fraktionschefin Renate Künast bemängelte, der Bundespräsident habe lediglich das eingeräumt, was bereits bekannt sei. Es bleibe "das fade Gefühl des Ungewissen". Nur eine umfassende Erklärung entspreche der Würde des Amtes. Dagegen sprachen sich Vertreter der Bundesregierung dafür aus, die Diskussion um Wulff zu beenden und zu Sachthemen zurückzukehren. Der Bundespräsident hatte bei seinem am Donnerstag kurzfristig anberaumten Pressetermin im Berliner Schloss Bellevue eingeräumt, er hätte den umstrittenen Kredit des Unternehmer-Ehepaars Geerkens für sein Einfamilienhaus schon früher offenlegen sollen. Er bekräftigte, er wolle im Amt bleiben. Kurz vor seiner Erklärung entband Wulff seinen langjährigen Sprecher und engen Vertrauten Olaf Glaeseker von seinen Aufgaben.

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Der Streit zwischen Paris und Ankara über das neue französische Völkermordgesetz hat sich zu einer schweren diplomatischen Krise entwickelt. Nachdem die Nationalversammlung in Paris mit großer Mehrheit einem Gesetzentwurf zustimmte, der das Leugnen des Völkermordes, darunter aus französischer Sicht auch die Verbrechen an den Armeniern in den Jahren 1915 -1917, unter Strafe stellen soll, setzte die Türkei alle wirtschaftlichen und militärischen Kontakte zu Frankreich vorerst aus. Zudem wurde der Botschafter zurückgerufen. Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan kritisierte, das Gesetz basiere auf einer Politik des Rassismus, der Diskriminierung und der Fremdenfeindlichkeit und sei gegen sein Land gerichtet. Ankara räumt zwar ein, dass zur Zeit des osmanischen Reiches, des Rechtsvorläufers der Türkei, im Ersten Weltkrieg Hunderttausende Armenier ums Leben kamen. Sie seien aber nicht Opfer einer staatlich angeordneten Ausrottung geworden. Nach Schätzungen von Fachleuten wurden damals rund 1,5 Millionen Armenier gezielt getötet.

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Die Anschlagsserie in Bagdad wenige Tage nach dem Abzug der letzten US-Truppen aus dem Irak ist international mit Empörung und Enttäuschung aufgenommen worden. Bei koordinierten Terrorangriffen in mehreren Vierteln der Hauptstadt waren mehr als 70 Menschen getötet und fast 200 verletzt worden. Der deutsche UN-Gesandte und Chef der UN-Mission im Irak (UNAMI), Martin Kobler, sprach von einem "abscheulichen Verbrechen" an Unschuldigen. Kobler forderte die Führer in Bagdad auf, rasch, verantwortlich und gemeinsam ihre Aufgaben zu erfüllen und die Gewalt zu beenden. Bundesaußenminister Guido Westerwelle sagte, die Menschen im Irak und die internationale Gemeinschaft hätten viel investiert, um den Wiederaufbau und die Versöhnung im Land voranzubringen. Er appellierte an alle politischen Kräfte im Irak, das "bisher Erreichte nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen". Die Anschlagsserie fällt in eine Phase eskalierender Widersprüche zwischen Schiiten und Sunniten auch auf höchster politischer Ebene. Zuletzt drohte Regierungschef Nuri al-Maliki, der der schiitischen Mehrheit angehört, mit der Entlassung aller sunnitischen Minister.

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In Birma setzt sich das politische Tauwetter fort: Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi ließ ihre Nationale Liga für Demokratie (NLD) bei der Wahlkommission in der Hauptstadt Naypyitaw offiziell für die nächsten Wahlen registrieren. Die Liga hatte die Parlamentswahl im vergangenen Jahr wegen restriktiver Auflagen boykottiert, nach denen unter anderem Suu Kyi nicht als Kandidatin antreten durfte. Nach den Gesetzen der Militärjunta galt die Partei damit als aufgelöst. Die neue zivile Regierung hat seitdem viele der Auflagen aufgehoben. Ihre ersten Liberalisierungsversuche und Reformbekundungen stießen international auf positive Resonanz.

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In China ist der Dissident Chen Wei zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Ein Gericht in Suining in der Provinz Sichuan befand den Bürgerrechtler der Anstiftung zum Umsturz schuldig. Sein Anwalt berichtete, Chen habe die Vorwürfe zurückgewiesen und nach dem Urteilsspruch ausgerufen, die Diktatur werde scheitern, der demokratische Rechtsstaat werde siegen. Die Anklage stützte sich auf vier Essays, die der 42-Jährige ins Internet gestellt hatte. Chen war einer von hunderten Aktivisten, die im Februar bei einer Verhaftungswelle festgesetzt wurden. Er verbüßte bereits eine Haftstrafe wegen Teilnahme an den Demonstrationen auf dem Tiananmen-Platz 1989 und war 1994 erneut wegen "konterrevolutionärer Propaganda" zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt worden.

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DAS WETTER IN DEUTSCHLAND: Bei überwiegend dichter Bewölkung vor allem im Nordwesten etwas Regen oder Sprühregen, sonst nachlassende Niederschläge. An den Alpen sind sonnige Abschnitte möglich. Die Höchstwerte liegen zwischen vier Grad in Niederbayern und zehn Grad im Rheinland. Die weiteren Aussichten: Am Samstag von Nordwesten her Sonnenschein und meist trocken. Sonst noch unbeständig, in höheren Lagen Schnee. Tagestemperaturen vier bis acht Grad.

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