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Wissen & Umwelt

2012 - der Blick in die Sterne

In diesen Tagen fragen viele Menschen die Sterne, was das neue Jahr wohl bringen wird. Wir fragen den Diplom-Physiker Hermann-Michael Hahn: Was dürfen wir uns von den Sternen erwarten?

DW-WORLD.DE: Herr Hahn, gibt es denn Außergewöhnliches am Himmel im Jahr 2012, Außergewöhnliches, das wir mit dem bloßen Auge erkennen können, wie eine Mond- oder Sonnenfinsternis?

Mit den Finsternissen ist es im kommenden Jahr schlecht bestellt. Da kriegen wir hier gar nichts mit. Es gibt zwar vier Finsternisse, wie in jedem Jahr, zwei Mond- und zwei Sonnenfinsternisse, aber die finden in anderen Gegenden der Erde statt, sind also zu Ende oder haben noch nicht angefangen, wenn Sonne oder Mond bei uns über dem Himmel stehen.

Aber der eigentliche Höhepunkt des nächsten Jahres ist zweifellos die enge Begegnung, das Sonnenbad, das die Venus in der Sonne nimmt. Die Venus, der Nachbarplanet der Erde, zieht nämlich wieder mal von uns aus gesehen genau vor der Sonne her. Das ist relativ selten. Vor acht Jahren hatten wir das zuletzt. Zumindest das Ende dieses Sonnenbades, wenn die Venus wieder heraussteigt, können wir am Morgen des 6. Juni mitverfolgen.

Soweit also die Trivia. Was tut sich denn Aufregendes für den Wissenschaftler, für den Astronomen?

Hermann-Michael Hahn (Foto: Hermann-Michael Hahn)

Michael-Hermann Hahn

Die Amateurastronomen achten im kommenden Jahr wieder auf den Mars, wenn er im März in die erdnächste Stellung kommt. Das ist diesmal nicht ganz so nah wie beispielsweise 2003, aber doch so, dass der Mars als hellleuchtendes Objekt im Sternbild Löwe zu beobachten ist. Sie achten auch darauf, wann der Jupiter oder der Saturn jeweils in seiner besten Stellung steht. Das wird dann im Frühjahr sein oder aber im Herbst. Und sie schauen auch immer wieder mal nach Merkur, der in der Regel und in diesem Jahr ganz gut Ende Februar und in der ersten Märzhälfte am Abendhimmel steht.

Die Wissenschaftler schauen natürlich mehr in die Weiten des Universums. Sie wollen herausfinden, wie die Entwicklung am Anfang des Universums verlaufen ist. Aber dazu braucht man große Teleskope. Als Amateurastronom oder Sternfreund kommt man dazu in der Regel nicht.

Regelmäßig im Sommerloch entgehen wir hier auf der Erde einer Katastrophe: Einem Meteoriteneinschlag. Das machen uns dann wenigstens die in Themennot geratenen Zeitungskollegen weis. Wird sich auch diesen Sommer wieder so ein Drama abspielen, oder werden wir gar tatsächlich getroffen?

Es gibt in diesem Jahr keine vorhersehbare enge Begegnung mit einem Asteroiden. Nach wie vor gibt es das Märchen, dass am 21. oder 22. Dezember 2012 die Erde untergehen oder die Welt enden soll, weil da so eine Geschichte mit dem Maya-Kalender abläuft. Der Kilometerzähler der Maya-Zählung springt dann im übertragenen Sinne praktisch von 999.999 auf eine Million. Aber das ist genau so wenig besonders wie bei einem Auto. Von daher ist auch da gar nichts zu erwarten.

Erwarten tun sich die Astronomen und die Planetenforscher eigentlich etwas von ein paar Raumsonden, die unterwegs sind. Da ist zum Beispiel die Marssonde Curiosity auf dem Weg zum Roten Planeten – die Russen haben es ja leider nicht geschafft, ihre Phobos-Grunt-Sonde auf den Weg zu bringen. Und es gibt auch noch Hoffnungen, von Merkur mehr zu erfahren, denn die Messenger-Sonde, die den Planeten schon seit ungefähr neun Monaten umkreist, wird das auch weiterhin tun und Daten übermitteln. Das gilt auch für Venus und Saturn.

Das Augenmerk richtet sich mehr noch mittel- oder langfristig auf die europäische Raumsonde Rosetta, die unterwegs zu einem Kometen ist und 2014 auf diesem Kometen landen soll, damit wir dann erstmals wissen, woraus diese Objekte wirklich bestehen und ob sie vielleicht auch einen Beitrag geleistet haben könnten bei der frühen Entwicklung des Lebens auf der Erde.

Das Gespräch führte Tobias Oelmaier
Redaktion: Fabian Schmidt

Hermann Michael-Hahn ist Wissenschaftsjournalist und Diplom-Physiker.

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