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Kultur

200 Tote bei Flugzeugunglück in Sao Paulo

Bei einer Flugzeugtragödie in Brasilien sind bis zu 200 Menschen ums Leben gekommen. Ein Airbus schoss über die Landebahn hinaus und raste in mehrere Gebäude. Präsident Lula ordnete eine dreitägige Staatstrauer an.

Zerstörtes Flugzeug (AP Photo)

Das Flugzeug krachte in eine Tankstelle und ein Frachtgebäude

Ein Airbus A320 der brasilianischen Fluggesellschaft TAM schlidderte am Dienstagabend (17.7.07) nach einem Inlandsflug bei der Landung auf dem Flughafen Congonhas mitten in der Millionenmetropole über die regennasse Landebahn hinaus, rutschte über eine Hauptstraße und raste in eine Tankstelle und ein Geschäftsgebäude. Die Maschine und mehrere Häuser gingen in Flammen auf. Die Rettungskräfte gehen nicht davon aus, dass es unter den 176 Menschen an Bord der Maschine Überlebende gibt. Die Chancen seien gleich Null, erklärte der örtliche Gouverneur Jose Serra. 15 weitere Menschen wurden bei dem Unglück am Boden getötet, wie ein örtlicher Behördenvertreter sagte.

Flughafen in der Kritik

Bis zum frühen Mittwochmorgen (Ortszeit) wurden nach offiziellen Angaben 40 Leichen geborgen. Staatspräsident Luiz Inacio Lula da Silva ordnete eine dreitägige Staatstrauer an. Die Unglücksursache war zunächst nicht bekannt. Erst Ende Juni war die Modernisierung der Hauptlandebahn abgeschlossen worden. Experten hatten jedoch kritisiert, dass sie ohne sicherheitserhöhende Rillen in Betrieb genommen wurde. Die Rillen sollen die Gefahr von Aquaplaning verringern. Erst am Montag waren zwei kleinere Flugzeuge bei Regen von der Rollbahn abgekommen, verletzt wurde dabei niemand.

Temperaturen bis 1000 Grad

Landebahn und Unglücksstelle (AP Photo)

Rettungskräfte: "Unmöglich, dass irgendjemand mit dem Leben davon gekommen ist"

"Da gibt es wohl rund 200 tote Menschen", meldete Feuerwehroberst Manuel da Silva Araujo vom Unfallort. Rund 400 Feuerwehrmänner sowie Dutzende Notärzte und Polizeibeamte waren im Einsatz. Die Flammen waren auch Stunden nach dem Unfall noch nicht völlig gelöscht. Das Feuer habe ein Gebäude der TAM-Frachtabteilung sowie weitere Geschäftsgebäude und angrenzende Häuser zerstört. Durch die Explosion hätten in dem Airbus Temperaturen von 1000 Grad geherrscht Ein Gebäude sei eingestürzt. Mehrere Explosionen seien zu hören gewesen. Augenzeugen sprachen von Panik unter den Anwohnern.

Gericht: Landebahn zu kurz für größere Maschinen

Der städtische Flughafen Congonhas wurde für unbestimmte Zeit geschlossen, so ein Regierungssprecher. Der Airport wurde in den 30er Jahren in einem damals menschenleeren Gebiet gebaut, steht heute aber im vornehmen Viertel Moema in unmittelbarer Nachbarschaft von Hochhäusern, Hotels und Einkaufszentren. Ein Richter hatte erst im Februar die Landung größerer Maschinen wegen der Beschaffenheit und der unzureichenden Länge der Bahn verboten. Das Urteil wurde später aber wieder aufgehoben.

(AP Photo/Nabor Goulart)

Aufgebrachte Angehörige am Flughafen von Porto Alegre

Die Unglücksmaschine war aus der südbrasilianischen Provinzhauptstadt Porto Alegre gekommen. Sie kollidierte nach Medienberichten bei dem Unfall auch mit einigen Autos, als sie über die an den Flughafen grenzende Straße rutschte. Vermutlich habe der Pilot nach der gescheiterten Landung noch versucht, durchzustarten, meinten Experten. Nach Angaben der Fluggesellschaft befanden sich 155 Passagiere, 15 TAM-Mitarbeiter sowie sechs Besatzungsmitglieder an Bord.

Flugzeugunfälle in Brasilien

Präsident Lula sei "tief betroffen" und verspreche eine gründliche Untersuchung, sagte ein Regierungssprecher. Der Staatschef rief einige seiner Minister noch in der Nacht zu einem Krisentreffen in Brasilia zusammen. Erst im September 2006 war das Land vom bis dato schlimmsten Flugzeugunfall seiner Geschichte erschüttert worden. Eine Maschine der Airline Gol stieß über dem Amazonas-Urwald mit einer kleineren Privatmaschine zusammen. Alle 155 Insassen des Gol-Flugzeugs starben, die Privatmaschine konnte notlanden.

Seitdem haben die Fluglotsen des Landes mehrfach gestreikt. Sie fordern bessere Arbeitsbedingungen und werfen der Regierung Tatenlosigkeit vor. Lula wies die Kritik zurück und erklärte, Brasilien habe eines der modernsten Luftkontrollsysteme der Welt. Die Opposition drohte wegen der Krise mehrfach mit einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss.

Airbus schickt Experten

Der europäische Flugzeugbauer Airbus wird fünf Experten nach Brasilien schicken, die das Flugzeugunglück von Sao
Paulo untersuchen sollen. In einer Pressemitteilung vom Mittwoch
teilte das Unternehmen mit, dass Airbus den brasilianischen Behörden jede technische Unterstützung zukommen lassen werde.

(leix)