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Kultur

200 Jahre Humboldt-Universität

Spitzenforscher und Nobelpreisträger - dafür steht die Berliner Humboldt-Universität. Sie wurde gegründet, um Forschung und Lehre zu verbinden und die freie Wissenschaft zu fördern. Damals war das revolutionär.

Marmor-Statue von Wilhelm von Humboldt, auf einem Stuhl sitzend, im Hintergrund das Universitätsgebäude (Foto: Heike Zappe)

Humboldt-Denkmal

Das Denkmal vor dem Hauptgebäude der Berliner Universität zeigt ihn lässig und selbstbewusst. Wilhelm von Humboldt sitzt auf seinem steinernen Sessel und blickt stolz auf die Studenten herunter. So, als wollte der preußische Bildungsreformer und Gründer der Universität noch heute für sein Lebenswerk Respekt einfordern. Schließlich glaubte er "mit Recht behaupten zu können", dass die Bildung "im hiesigen Staat durch mich in einen neuen Schwung gekommen ist".

Wilhelm von Humboldt (Archivbild: dpa)

Wilhelm von Humboldt

Tatsächlich brachte Wilhelm von Humboldt mit seiner "Berliner Universität" eine neue Idee in die deutsche Bildungslandschaft, die weltweit Schule machte: Hochschulen sollten nicht nur lehren, sondern auch forschen. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. unterstützte den Bildungsreformer in seinen ehrgeizigen Plänen. Die Staatsgelder, die er 1809 für die Uni-Gründung zur Verfügung stellte, waren allerdings bescheiden. "Es gab weder Tische noch Stühle und der Schimmel war in den Wänden", erzählt der heutige Universitätspräsident Christoph Markschies.

"Mythos Humboldt" lockt ausländische Studenten

Als Gebäude diente das "Palais" des Prinzen Heinrich am Berliner Boulevard "Unter den Linden". Hier startete im Oktober 1810 das erste Semester - mit 256 Studenten und 52 Lehrenden. Zunächst gab es nur die klassischen Fächer Jura, Medizin Philosophie und Theologie. Heute hat die Universität elf Fakultäten, über 250 Studiengänge von Afrikawissenschaften bis zur Zahnmedizin, mehrere Zentren und Zentralinstitute, die sich auf über 300 Gebäude verteilen.

Studierende im Hörsaal (Foto: dpa)

Berlin - ein populäres Ziel für Studenten aus aller Welt

Von den knapp 34.000 Studierenden kommen 13 Prozent aus dem Ausland, aus über 100 Ländern. Der "Mythos Humboldt" zieht noch immer, meint der Vizepräsident für Studium und Internationales, Uwe-Jens Nagel. "Unter dem Slogan 'Das moderne Original' haben wir sein Bildungsideal ins 21. Jahrhundert übersetzt", erklärt er. "Es bedeutet, dass es bei uns keine Forschung ohne Lehre und umgekehrt gibt."

Der Nationalsozialismus - ein dunkles Kapitel

Bis 1933 zählte die Hochschule zu den führenden Universitäten Deutschlands. 29 Nobelpreisträger hat die Universität im Laufe ihrer 200-jährigen Geschichte hervorgebracht, darunter Albert Einstein und Max Planck. Auch Otto von Bismarck, Heinrich Heine, Karl Marx und Kurt Tucholsky waren einst als Studierende an der Berliner Alma mater eingeschrieben. Dann aber begann eine sehr wechselhafte und zum Teil beschämende Geschichte.

Umstehende betrachten einen Stapel brennender Bücher 1933 auf dem Berliner Opern-Platz (Foto: AP)

Bücherverbrennung 1933

Jüdische, sozialistische und kommunistische Hochschulangehörige wurden entlassen. Die Bilder der Bücherverbrennung am 10. Mai 1933 gingen um die Welt. "Ich stand vor der Universität, eingekeilt zwischen Studenten in SA-Uniform, den Blüten der Nation, und sah unsere Bücher in die zuckenden Flammen fliegen", erzählte der deutsche Schriftsteller Erich Kästner.

Krise in der DDR

Kaum war dieses dunkle Kapitel in der Geschichte der Humboldt-Universität mit Kriegsende 1945 beendet, geriet die Hochschule in eine neue Krise. Der Ost-West-Konflikt im Nachkriegsdeutschland führte zu einer immer stärker werdenden kommunistischen Einflussnahme auf die Universität. Zwischen 1945 und 1948 kam es zu Verhaftungen, Verschleppungen und Ermordung von Studenten, die eine freie Universität im Sinne Humboldts forderten.

Symbolbild Studieren

Heute sind überfüllte Hörsäle keine Seltenheit...

Im Westteil der Stadt gründeten Studenten schließlich mit Hilfe der USA die Freie Universität Berlin. Die DDR benannte ihre Berliner Hochschule 1949 in Humboldt-Universität um, aber ohne Humboldts Ideale. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands ist sie wieder in den Vordergrund gerückt. Doch der Anspruch, dass Lehre und Forschung gleichwertig neben einander stehen, lässt sich mit knapp 34.000 Studenten und rund 950 Professoren heute nicht erfüllen, sagt Uwe-Jens Nagel.

Endlich "Eliteuniversität" werden

"Wir brauchen mehr Personal, was aber in einem armen Bundesland wie Berlin nicht absehbar ist", sagt der Professor. Eine Idee, um die Lehre an der Uni zu verbessern, bestehe in einem neuen Mentorenmodell. "Dabei werden Studierende so qualifiziert, dass sie als Tutoren arbeiten, aber dafür kein Honorar bekommen, sondern Studienpunkte."

Humboldt-Universität an der Straße Unter den Linden (Foto: dpa)

Humboldt-Universität heute

Mehr Geld erhofft sich die Hochschule nun von ihrer Bewerbung um den Titel einer Exzellenzuniversität im kommenden Jahr. 2007 gelang es ihr nicht, Eliteuniversität zu werden. Schafft sie es wieder nicht, könnte die einstige "Mutter der modernen Universitäten" an Bedeutung verlieren. Denn vom Mythos allein lässt sich schlecht leben.

Autorin: Sabine Damaschke

Redaktion: Conny Paul

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